46. Thiermedicinische
1887. No. 4.
Rundschau ete.
(auf Sehnen und Periost) verhindert und die Ver- narbung sehr rasch bewirkt wurde.
Gegen Sarcoptes-Räude(2 Fälle) und Ee- zema chronicum(4 Fälle) der Hunde bewährten sich mir 5— 10 proc. alkohol-aetherische Lösungen von Am. sulf. ichthyol. vortrefflich. Wenige Applicationen, denen ich stets die Seifenwaschungen vorangehen liess, genügten, um die vollständige Heilung herbeizuführen.
Bei acutem Gelenk-Rheumatismus
junger Schweine, ich behandelte 7 Fälle, wandte ich das unverdünnte Ichthyol 3 mal täglich an. Von Einwickelung mit Watte etc. war Umgang genommen. Die vollständige Heilung erfolgte in 6—8 Tagen. In einem Falle von linksseitiger chronischer Gonarthritis
beim Pferde, wogegen alle angewandten Mittel
erfolglos geblieben waren, wurde mit der Ichthyol- Vaselinsalbe ana 2 mal täglich eingerieben, nach
Verlauf von 14 Tagen war eine so wesentliche Besserung erzielt. dass das Pferd seitdem wieder zu leichter Arbeit verwendet werden konnte.
Schliesslich habe ich das Ammon. suff. ichthyol. bei zahlreichen Fällen von
Wunden und Geschwüren
angewandt und wie Lorenz(cf. Deutsche Med. Ztg. Nr. 59, 1887) gefunden, dass das Mittel an sich nicht antiseptisch wirkt wohl aber aseptisch gemachte Wunden gegen spätere Infection schützt, dass es ferner beide Wundflächen sehr schnell in Geschwürsflächen verwandelt und auf diese Weise die prima intentio verhindert. Da diese aus äusseren Umständen in der thierärztlichen Privatpraxis doch nur in seltenen Fällen erreicht werden kann, so pleibt das Mittel bei der Wund- pehandlung für uns deshalb werthvoll, weil es einmal wegen seines Gehaltes an Schwefel und Sauerstoff sowie wegen seiner deckenden Eigen- schaft die spätere Infection zu verhindern vermag, und weil es ferner Wunden, namentlich flache Wunden und Geschwüre, schneller zur Vernarbung pringt als irgend ein anderes Mittel. Zur Er- reichung dieser Ziele erwies sich die 1—2 proc. Ichthyol-Vaselinsalbe zweckmässiger als eine stärkere Concentration.
Wo ein Verband angebracht werden konnte, liess ich die Salbe auf einen Leinwandlappen streichen, diesen auf die Wunde bezw. das Ge- schwür legen und darüber Watte und Bandage anbringen. Dieser Verband wurde 1—2 mal täglich erneuert. Innerlich habe ich das Ichthyol in vielen Fällen gegen acute und chronische
Intestinalkatarrhe bei Rindern angewandt, ohne irgend welchen Erfolg damit zu erzielen.
Wenn ich bis jetzt vermieden habe auf die physiologische Wirkung des Ichthyols einzugehen, so geschah es nur aus dem Grunde, weil der exakte Beweis für die Richtigkeit der Unna'schen Anschauung, welche Viele bedingungslos acceptirt haben, nach meinem Dafürhalten bis heute noch nicht geliefert ist. Mit Folgendem möchte ich jedoch noch kurz auf die Unna'sche Monographie zurückkommen. In dem einleitenden Theile der- selben zühlt Unna das Ichthyol zu den Re- duetionsmitteln, d. h. zu den Sauerstoff entziehen- den Arzneimitteln und schreibt die Hauptwirkung derselben ihrem Einfluss auf die Blutgefässe zu, den er als einen„verkleinernden“ be- zeichnet(cf. pag. 5).
Es handele sich dabei um eine nachhaltige Verkleinerung, Verengerung und Verkürzung der Arterien, Capillaren und Venen, ein Effect, der sich am pesten bei acuten, infectiösen Processen (Prysipel), bei chronischen Infiltrationen u. 8. w., kurz überall da, wo das Gefässsystem über die Norm erweitert sei, mit dem Auge verfolgen lasse.
Die klinischen Beobachtungen sprechen in der That zu Gunsten der Unna'schen Theorie, die
vielleicht eben so richtig sein mag, wie die Er- klärung, dass der Einfluss auf die Blutgefässe
durch Sauerstoffentziehung zu Stande komme. Keinesfalls kann man diese aus den klinischen Beobachtungen deducirten Behauptungen eher als eine Wahrheit anerkennen, bis sie durch specielle pharmacologische Studien sicher fundirt sind. Wenn Unna z. B.(cf. pag. 6) sagt:„Die auf viel Sauerstoff vom Blute her angewiesenen, ich möchte sagen, mit Sauerstoff verwöhnten Endo- thelien(der Blutgefässe) trockenen und schrumpfen gerade so, wie die Stachelzellen der Oberhaut, wenn ihnen der Sauerstoff von aussen streitig gemacht wird“, so ist es absolut nicht zu ver- stehen, wie die Endothelien bei localer Einwirkung des Ichthyols— selbst wenn es reducirend wirkt— trockenen und schrumpfen sollen. Män muss doch annehmen, dass den eventuell vom Ichthyol peeinflussten Endothelien vom Blutstrom aus immer wieder Sauerstoff zugeführt wird, ohne den sie zu Grunde gehen müssten. Würde man sich andererseits die Wirkung vom Blute aus vor- stellen, so müsste man zum Zustandekommen der localen Schrumpfung einen allgemeinen Sauerstoff- mangel voraussetzen, der schwere Allgemein- erscheinungen im Gefolge haben würde. Solche stellen sich thatsächlich aber niemals ein.
Den Pharmacologen pleibt es somit vorbehalten, die Wirkung des Ichthyols vom rein wissen- schaftliechen Standpunkt zu erklären.


