15. November.

Thiermedicinische Rundschan ete.

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Die Anwend ung des lchthyols in der Thiermedicin. Von Kreisthierarzt Wolff in Oleve.

Vortrag, gehalten auf der 60. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Wiesbaden 1887. (Schluss.)

Ferner hatte ich Gelegenheit, das Mittel in 13 Fällen gegen

Distorsionen bezw. Subluxationen bei 12 Pferden und 1 Rinde zu versuchen.

Bei ersteren handelte es sich theils um Fohlen, die durch Springen, Ausgleiten u. s. w. auf der Weide, theils um BReitpferde, welche in forcirten Gangarten auf weichem Terrain eine Distorsion des Fesselgelenks acquirirt hatten. Die Behand- lung erfolgte meistens 12 bis 24 Stunden nach geschehener Verletzung.

Heftige Schmerzen, Anschwellung des Gelenkes und m. o. w. vollständige Gebrauchsunfähigkeit desselben waren die hervorstechendsten Symptome.

Die Behandlung geschah genau in derselben Weise wie bei den Quetschungen, ausserdem wurde das Gelenk mittels Bandage fixirt. Kalte Um- schläge wurden auch hier nicht angewandt. Nach 6 8 Einreibungen, also in 2 3 Tagen, konnten die Thiere als geheilt entlassen werden.

In einem Falle jedoch, es handelte sich um eine edle englische Stute, die an Subluxation des Fesselgelenkes am linken Hinterbeine litt und bei welcher es zu umfangreicher Anschwellung gekommen war, liess die Ichthyolbehandlung vollends im Stiche. Es trat vielmehr schon nach zwei- maliger Finreibung mit 50 proc. Ichthyolsalbe ein schwer zu beseitigendes Ichthyol-Ekzem auf, das die bestehenden Schmerzen wesentlich vermehrte. Da das Ekzem nach jeder Einreibung wieder auftrat, so musste die Behandlung mit I. ausgesetzt werden.

Bepinselung mit Tinct. Jodi und nachfolgende scharfe Einreibung brachte den Zustand erst nach Wochen zur Heilung.

Auch bei dem Rinde, welches zu Zuchtzwecken aus Holland importirt war und sich beim Ausladen aus dem Waggon eine Distorsion des Fesselgelenkes am linken Vorder- fuss zugezogen hatte, nachher noch zwei Stunden gehen musste und erst am dritten Tage zur Behandlung kamw, leistete das Ammon. suff. ichthyol. absolut nichts. Dasselbe wurde auch wiederholt pur angewendet, ohne dass darnach ein Ekzem zu beobachten war.

Sodann leistete mir das Mittel vorzügliche Dienste bei

Erysipelas

und zwar bei der erysipelatösen Euterentzündung. Im verflossenen Sommer behandelte ich 8 Kühe, die mit der erwähnten Affection behaftet waren. Bei zwei derselben war es pereits zur interstiti- ellen Euterentzündung gekommen.

Die krankhaften Partien wurden 2 3 mal täglich mit Ichthyol-Vaselin ana eingerieben, von der Seifenwaschung musste Abstand genommen werden, da es sich um auf der Weide befindliche Thiere handelte.

Bläschen wit

Nach den ersten Einreibungen war die Schmerz- haftigkeit pereits geschwunden, nach 23 Tagen völlige Heilung erzielt, und auch bei jenen Thieren, die an interstitieller Mastitis litten, war die Be- schaffenheit der Milch in eben derselben Zeit wieder normal.

Im Anschluss hieran sei erwähnt, dass ich in zwei Fällen Furunkel

des Euters, ein Leiden, welches ich in den Niede- rungsweiden des Rheines, wiederholt beobachtet habe, erfolgreich mit Ichthyol behandelte.

An der hinteren Fläche der hinteren Euterviertel waren nacheinander mehrere erbsengrosse, roth gefärbte, empfind- liche Knoten aufgetreten, auf deren Höhe sich alsbald serös eitrigem Inhalt zeigten. Mit dem Wachsen der Knoten, die schliesslich durchschnittlich die Grösse einer Kirsche erreichten, nahm auch die Schmerz- haftigkeit zu. Dabei war die umgebende Haut derb in- filtrirt, dunkel-blauroth und glänzend. In diesen Stadien gelangten die Fälle zur Behandlung.

Ich nahm sowohl von der Application kalter als auch feuchtwarmer Ueberschläge sowie auch von Incisionen Ab- stand und liess unter Mitbenutzung der Seifenwaschung, die Furunkeln 3 mal tägl. mit 5 proc. Ichthyol-Vaselinsalbe einreiben. In ganz auffallender Weise war der Process schon nach dreimaliger Einreibung coupirt, in keinem Falle kam es zur Eiterung, vielmehr erfolgte unter allmählicher Rückbildung die Heilung in 45 Tagen.

(Ich selbst hatte mir durch Infection mit Thierleichen- gift einen schmerzhaften umfangreichen Furunkel im Nacken

zugezogen, dessen Spaltung mir von befreundeten Aerzten

dringeud angerathen wurde. Statt dessen behandelte ich mich 3 mal täglich mit 5 proc. Iehthyolseife und nach 3 Tagen war der Furunkel nahezu geschwunden).

Bei Panaritium

leistete mir das Iehthyol bessere Dienste als irgend ein anderes Mittel. Während der ver- flossenen Weideperiode behandelte ich 12 Kühe die an Panaritium litten. Gelangten die Fälle frisch, d. h. spätestens 12 Tage nach der Ent- stehung des Uebels, zur Behandlung, so wurde dasselbe durch Einreibungen mit unverdünntem Iehthyol 23 mal täglich in wenigen Tagen ge- heilt. Die schmerzhafte Spannung wich meistens schon den ersten Einreibungen.

Hatte das Leiden jedoch schon 56 Tage be- standen, so wurde der Process nicht mehr durch Ichthyol coupirt, sondern es kam dann, wie ge- wöhnlich zur Fiterung und Nekrose. Bei der Nachbehandlung bewährte sich dann die Ichthyol- salbe(0,5 30,0), zweimal täglich applicirt, wieder vortrefflich, indem ein Tiefergreifen des Processes