15. November. Thiermedicinische Rundschau etec. 4
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bemüht hat, so werden auch Sie meine Herren Studirenden fortdauernd in diesem Banner eine Auf- forderung sehen, die Ehre und den Ruhm der deutschen Studentenschaft hochzuhalten und zu ver- treten. Was in diesen Aufgaben zu üben ist, lehrt die Symbolik des schönen Banners.
Inmitten desselben und so zu sagen alle Pflichten und Erfolge des Lebens beherrschend glänzt der altehrwürdige Aar der Hohenzollern. Wie uns derselbe gemahnt an das unaus- gesetzte, durch Ruhm und Ehren reich gesegnete Schaffen, mit welchem unser Erhabener Kaiser Seines Hohen Amtes waltet und das deutsche Volk um die Güter des Friedens bereichert, so werden Sie, meine Herren Studirenden, in diesem Wahrzeichen die Mahnung erblicken: wie bisher, auch in Zukunft, unter sich und in weiteren Kreisen eine echt patriotische Gesinnung, die Anhänglichkeit an die Finheit des Peutschen Reiches und die Liebe zu König und Vaterland zu pflegen und zu schirmen.
Auf der anderen Seite trägt das Banner das Wappen der an geistigen Gütern so reichen Haupt- und Residenzstadt Berlin. Dass unsere Hochschule in der deutschen Kaiser- stadt sich befindet, ist eine besondere Gunst. Nirgend meine Herren Studirenden, bietet sich eine gleiche Fülle und Mannigfaltigkeit auf allen Gebieten des geistigen Lebens, wie in Berlin. Die sorgfältige Benutzung dieser grossen Vorzüge dient nicht blos zum Genuss. Sie unterstützt vielmehr durch vervollkommnung der Bildung, durch Veredlung des Charakters und Begründung eines viel- seitigen und gesicherten Urtheils qie Erfolge der fachwissenschaftlichen Studien. Das Banner wird auch' nach dieser Richtung eine Anregung für Sie sein, die wissenschaftlichen und Kunst-Institute der Hauptstadt im edlen Streben nach Vervollkommnung und Erweiterung des Wissens mit Vortheil zu verwerthen.
Werfen wir nun noch einen kurzen Blick auf das Sinnbild der Wissenschaft in dem reichen Schmuck des Banners. Es sind die Attribute der Pallas Athene, welche nach der klassischen Ueberlieferung die Pflege der lichten, reinen Wissenschaft, den Fleiss und den Muth der Jugend und den Erfolg in der redlichen Arbeit des Erwerbslebens beschützt. Die Forderungen, welche in der Blüthezeit des griechischen Alterthums für die Cultur des Geistes gestellt wurden, sind auch heute noch richtig und werden es immer bleiben: Rastlose Arbeit zur Vermehrung der Kenntnisse — Liebe zu den Wissenschaften und methodische Behandlung ihrer Probleme. Auf diesen Wegen, meine Herren Studirenden. lernt der Jünger der Wissenschaft Interesse gewinnen an den geheimniss- vollen Vorgängen der Natur und die Gesetzmässigkeit der Bedingungen zu erfassen, unter welchen die Erscheinungen in derselben ablaufen. In dem Jahrhundert der Entdeckungen und Erfindungen, wie die Gegenwart mit einem gewissen Gefühl von Befriedigung so oft peꝛeichnet wird, ist das Verständniss der Wissenschaft und ihrer Verwerthung nicht mehr im alleinigen Besitz einzelner, durch Genie und weit umfassende Gelehrsamkeit hervorragender Männer. Wer heute, meine Herren Commilitonen, eine Wissenschaft studirt, um sie anwenden zu lernen, der muss sich selbst ihre Lehren und Methoden zu eigen machen. In solchem Streben liegt die Vorpereitung für das practische Leben. Zur Gewährleistung des Erfolges in demselben wird die Liebe zu dem fachwissenschaftlichen Berufe Ihnen ein sicheres Geleit sein. In dem Sinnbild der griechisch-römischen Göttin wollen Sie zugleich eine Mahnung zur Uebung der studentischen Tugenden erblicken, welche ihren Werth nicht blos in der Studienzeit, sondern vollständig erst in der Lebensstellung des gereiften Mannes zur Geltung bringt. Wahrung der persönlichen Ehre— Hochhaltung der gemeinsamen Interessen— Collegialische Gesinnung und gegenseitige Achtung untereinander und rege Arbeit an der eigenen Fervollkommnung in der Wissenschaft: Mögen diese Ziele der studirenden Jugend an unserer Hochschule stets vor Augen sein!
Sie meine Herren Commilitonen werden— dessen bin ich sicher— auch für alle Zukunft die schönen Bezichungen pflegen und zur Entfaltung bringen, in welchen Sie zu den Studirenden der übrigen Hochschulen Berlins stehen: allen voran der Universität, einer der hervorragendsten und berühmtesten Hochschulen der Welt, von welcher für alle Zweige des geistigen Lebens, wie für alle gelehrten Institute Berlins und namentlich auch für die Entwickelung unserer Hochschule seit jeher ein belehrender und befruchtender Einfluss ausgegangen ist.
Sie werden sich ferner des besten Einvernehmens mit den Studirenden der Landwirthschaft- lichen Hochschule befleissigen, mit deren Aufgaben uns so mannigfache und eng ineinänder greifende Interessen verbinden.
Nicht minder meine Herren Commilitonen, werden Sie bei den Studirenden der anderen Hochschulen Berlins die Achtung und Freundschaft zu erhalten sich bemühen, in dem Bewusstsein,
dass alle Wissenschaften von einem gemeinsamen Bande umschlungen sind.


