42 Thiermedicinische Rundschau ete. 1887. No. 4.
anwesenden Chargirten mit gezogenen Schlägern versammelt. Das neue Banner zeigt die drei Farben der Hochschule, violett, weiss und roth. Der Grund der Vorderseite ist violett gehalten; in der Mitte desselben prangt der Aar der Hohenzollern, von der Kaiserkrone überragt. Darüber erglänzt auf Schwarz-weissem Bande die Inschrift:„Königliche Thierärztliche Hochschule“, während man unter dem Adler„Berlin“ und„1790— 1887“ hiest. Laubwerk umrahmt Adler und Inschrift. Der breite Ueberschlag trägt in kostbarer Stickerei die Abzeichen der Wissenschaft: die Fule, die Schlange mit dem aufgeschlagenen Buch und eine Retorte. Die weisse Rückseite schmückt das Stadtwappen von Berlin.
Während der helle Glanz des elektrischen Lichtes das neue Banner peschien, durchprausten stürmische Hochrufe den Saal. Dieselben erneuerten sich als Herr Prof. Dieckerhoff, der Bitte des Herrn Vorsit?enden nachkommend, die Bühne petrat, um mit nachfolgender Rede das neue
Banner einzuweihen:
Hochverehrte Festversammlung!
Liebe Commilitonen!
Als vor wenigen Monaten durch Se. Excellenz den Herrn Staatsminister Dr. Lucius die Prhebung unserer Lehranstalt zur Hochschule verkündet wurde, durchzog den gesammten thier- ärztlichen Stand, nicht blos in Preussen, sondern im ganzen Deutschen Reiche und auch über die Reichsgrenzen hinaus ein Gefühl der Dankbarkeit und der Freude über die Anerkennung, welche unserer Wissenschaft und ihren Pflanzstätten zu Theil geworden ist. Gemeinsam mit den deutschen Thier- ärzten und den Studirenden der thierärztlichen Hochschulen wird auch in anderen Ständen: in der Medicin, in der Landwirthschaft, und in den übrigen wissenschaftlichen Berufszweigen, nicht minder in den gewerblichen Kreisen die höhere Stellung, welche unsere Lehranstalt erlangt hat, sympathisch begrüsst. Um den erhebenden Eindrücken, welche die staatliche Verleihung des Ranges und der verfassung unserer Hochschule mit sich bringt. ein sichtbares Zeichen für die Dauer zu geben, haben Sie meine Herren Studirenden, das schöne Banner gestiftet, zu dessen feierlicher Einweihung die hier versammelten Festgenossen sich im gegenwärtigen Augenblick vereinigen.
Hochgeehrte Versammlung! Unsere Hochschule ist nicht als eine neue Schöpfung ins Leben getreten. Die an derselben seit 100 Jahren, wie an den gleichen Lehranstalten der europäischen Staaten cultivirte Wissenschaft hat sich aus kleinen Anfängen nach und nach emporgearbeitet und erweitert. Der Initiative der Königl. landwirthschaftlichen Verwaltung Preussens ist es zu danken, dass gegenwärtig die durch unsere Wissenschaft zur sicheren Erkenntniss gebrachten Thatsachen in grossem Umfange für die öffentliche Wohlfahrt nutzbar gemacht werden. Weitere Erfolge für die practische Landwirthschaft und für die öffentliche Gesundheitspflege hat die Forschung im Bereiche unserer Wissenschaft gesichert. So meine ich, dass die Stiftung des Banners, an dessen Anplick wir uns heute erfreuen, sich auf die ernsten Bestrebungen in der Vergangenheit, auf die Bedeutung der Veterinärwissenschaft, ihrer Jünger und Vertreter in der Gegenwart und auf die Hoffnung für zukünftige Erfolge bezieht.
Viele würdige Männer unseres Standes, die in der Arbeit am Aufbau der Wissenschaft ihr Ideal fanden und mit Fifer und Loyalität die äussere Gleichstellung unserer Lehranstalt mit den übrigen Hochschulen erstrebten, hapen den Erfolg nicht erlebt. Sie haben gewirkt und sind heim- gegangen in der Ueberzeugung, dass ihre Saat dereinst eine reife Frucht zeitigen werde. Wir, die wir bereits eine längere oder kürzere Laufpahn im thierärztlichen Berufe zurückgelegt haben, wollen mit Ihnen, meine Herren Studirenden, unseren heimgegangenen würdigen Fachgenossen ein chrendes Gedenken bewahren und ihre Manen bei der heutigen Einweihung des neuen Banners gern theilnehmen lassen.
Wenn wir, meine Herrn Studirenden, das Glück haben, dass uns durch die Fürsorge und qas Wohlwollen des Königlichen Landwirthschaftlichen Ministeriums in Preussen die allezeit lebendig gewesenen Wünsche um die Erhebung unserer Lehranstalt zur Hochschule erfüllt worden sind, so verkennen wir gewiss nicht, dass uns mit dieser Anerkennung die ernste Pflicht auferlegt wird, den Lohn für dieselpe beständig zu erarbeiten. Wie die Jugend an unserer nunmehrigen Hochschule stets ein ernstes wissenschaftliches Streben bethätigt und um die Förderung guter Sitten sich


