1. November.

Thiermedicinische Rundschau etæ.

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der Milzbrandfälle unter den geimpften Thieren verhalte sich wie 100 1, während von den nicht geimpften Thieren 10 von 100 zu Grunde gingen. Bei Rindern ging von 200 geimpften Thieren 1 zu Grunde. Schafe seien fast eine Million, Rinder 100,000 geimpft worden und die Ver- lustziffer 1 100 bei Schafen und 1: 200 300 bei Rindern sei meist dieselbe geblieben. Die Protokolle der Berichte von den Thierärzten lege er zur Prüfung vor. Auch in Deutschland seien die Ergebnisse von Packisch gleich günstige gewesen. Von 500 geimpften Rindern seien 3 gefallen. Im Uebrigen, meint Vortragender, sei das Resultat in Pachisch bei Rind und Schaf deshalb nicht so klar, weil man Experimentfehler gemacht und 500 geimpften Thieren nur 8 Controlthiere gegenüber gestellt habe. Dies verschleiere das Resultat. Immerhin sei in Packisch die Sterblichkeit geringer geworden, wenn auch zuzugeben sei, dass noch Milzbrandfälle bei geimpften und nicht geimpften Thieren vorgekommen seien. Vor Ansführung der Impfung seien bedeutend mehr Thiere zu Grunde gegangen.

Herr Lydtin-Karlsruhe meint, dass die Impfung gegen Rauschbrand die meiste Aussicht auf allgemeine Ein- führung habe, weil sie leicht auszuführen sei und die Ver- luste gering sind. Milzbrandimpfung sei jedoch nur in schr grossen Rindviehbezirken möglich, weil dort wenig Verluste und grösserer Schutz anzunehmen seien, dagegen sei die Impfung bei Schafen nicht zu empfehlen; die Verluste sind hier grösser und der Schutz geringer als beim Rinde.

Herr Azary-Budapest constatirt nach den in Ungarn

Allerdings gehöre zur Tilgung des Milzbrandes auch die Regelung des Abdeckereiwesens.

Herr Seiffmann-Lemberg regt die Frage der Dauer der Schutzwirkung an. Ist dieselbe kurz, so würde es schwer sein 2. B. 30,000 Schafe jährlich zu impfen. Wichtig sei auch, ob andere nachbarliche Heerden durch geimpfte inficirt werden können.

Herr Ghamberland-Paris erklärt, dass ihm kein Fall bekannt sei, wo durch ein geimpftes Thier die Seuche verschleppt sei. Gesunde geimpfte Thiere, die später er- kranken, verbreiten auf andere lebende Thiere den Milz- brand nicht. Bezüglich der Dauer der Immunität, werde diese nach Alter, Rage der geimpften Thiere verschieden sein. 7 Monate bis 1 Jahr könne man annehmen. Immer- hin sei diese Frage durch weitere Versuche noch erst zu lõsen.

Auf eine Bemerkung des

Herrn Siedamgrotzky-Dresden, dass Feser, Weichsel- baum, er u A. Milzbrandbacillen in Milch, Nieren Harn u. s. w. der milzbrandkranken Thiere gefunden hätten, erwidert

Herr Ghamberland-Paris, dass ihm dieser Nachweis

in den Pejectionen der an Impfmilzbrand erkrankten

ausgeführten Impfungen gleichfalls günstige Ergobnisse.

In einzelnen Bezirken, wo seit mehreren Jahren die Impfung bei 5000 6000 Rindern und 40,000 Schafen ausgeführt sei, waren die Verluste sehr gering, 2: 1000. Während einzelne Besitzer wegen der früheren Verluste die Schaf- zucht ganz aufgeben wollten, seien sie jetzt sehr zufrieden, trotz der nach der Impfung noch eintretenden Verluste.

Herr Pütz-Halle meint, dass die Mittheilungen Koch's anders gehalten seien, als der Wirklichkeit entspräche. Der Besitzer von Packisch lasse jedes Thier impfen und ist sehr zufrieden. Der Einwand des Herrn Chamber- land sei durchaus berechtigt, da man mehr Controlthiere hätte aufstellen müssen. Auch er(Redner) habe bei 70 Rindern die Impfung zweimal vorgenommen und dabei nach der zweiten Impfung gar keine Verluste mehr zu ver- zeichnen gehabt.

Auf Anregung des Herrn Müller-Wien bemerkt

Herr Chamberland, dass ihm Uebertragung des Milabrandes auf Pferde durch geimpfte Rinder nicht be- kannt sei. Im Uebrigen sei die Impfung nur in sehr bedrohten Gegenden vorzunehmen.

Auf die Bemerkung des Herrn Koch-Wien, dass durch veterinärpolizeiliche Massregeln dasselbe erreicht würde, die Milzbrandimpfung dagegen ein gefährliches Experiment sei, das nur neue Senchenheerde schaffe, erwiderte

Herr Pütz-Halle, dass gerade durch die Milzbrand- schutzimpfung die Todesfälle vermindert und dadurch der nicht zu desinficirende Boden weniger oft inficirt würde.

Thiere bisher nicht gelungen sei.

Nach einem Schlusswort des Vorsitzenden wird die Besprechung über diesen Gegenstand geschlossen und nach- mittags in Berathung über die Impfung gegen den Rauschbrand eingetreten.

Herr Lydtin-Karlsruhe erwähnt zunächst, bezug- nehmend auf den schriftlich erstatteten Bericht, die in Baden angestellten Impfversuche zur Verminderung und Tilgung des Rothlaufes: Obwohl sehr energisch durch veterinärpolizeiliche Maassregeln in Baden vorgegangen, die Pesinfection sehr genau ausgeführt und Entschädigung

gezahlt wurde, gelang es doch nicht, der Seuche Herr zu

werden. Erst als regelmässige Schutzimpfungen seit April v. J. ausgeführt wurden, haben sich die Erkrankungsfälle gemindert. Die technische Leitung wurde Herrn Professor Hess in Bern übertragen. Als Ort der Einverleibung des Impfstoffes diente die untere Fläche der Schwanzspitze. Geimpft werden nur Jungrinder im Alter von sechs Monaten bis zu drei Jahren. Die Immunität wird erreicht, indem das Thier zuerst mit einem abgeschwächten, und zehn Tage später mit einem weniger abgeschwächten Impfstoffe be- handelt wird. Es wurden im Ganzen 963 Thiere geimpft, bei denen in Folge der Impfung kein Fall von Rauschbrand zu verzeichnen war. Weiter sind auch Impfungen von Schmitt im Kreise Geldern vorgenommen. Während die Krankheit unter den geimpften Beständen ausblieb, forderte sie in den benachbarten nicht geimpften Beständen mehrere Opfer.

Die Impfung ist deshalb beim Rauschbrand am un- gefährlichsten und der Schutz am grössten, weshalb weitere Versuche mit Unterstützung des Staates dringend anzu- rathen seien.

Die Versammlung stimmt den Ausführungen zu.