34 Thiermedicinische Rundschau ete.
1887. No. 3.
Methoden und kam dabei zu folgenden Resultaten: Bei der Rinderpest fanden sich constant mehr oder weniger kurze Bacillen mit abgerundeten Enden, die bisweilen ganz coccenartig werden können. In grösster Anzahl sind diese Bacillen in den Ge- schwüren des Labmagens gefunden worden, wo sie, unter Zerstörung der Drüsen, ganze Bacterien- nester erzeugen. Während hier die Mehrzahl der Bacillen ihre characteristische Stabform behält, gestalten sich einige von ihnen zu längeren lepto- thrixartigen Fäden. Ausserdem kommen in einigen Geschwüren noch Microcoecen vor, welchen in- dessen nur secundäre Bedeutung zugeschrieben werden kann. Die Binderpestbacillen werden ausserdem noch im Blute erkrankter Thiere vor- gefunden, wo sie indessen in viel geringerer An- zahl vorkommen und wo sie in mehreren Fällen gänzlich vermisst wurden. Gelatineculturen ge- langen, wobei die Rinderpestbacillen die Gelatine nicht verflüssigten und sich auch sonst ähnlich wie die Bacillen des Abdominaltyphus verhielten.
Gamaleia constatirte zunächst, dass das Blut rinderpestkranker Thiere virulent ist, dass es da- gegen nach Filtration durch Filter seine Virulen? verliert. Mittelst Plattenculturen konnte G. die von M. isolirten kurzen Bacillen isoliren. Mit Reinculturen hat G. dann bei Kälbern die Er- scheinungen der Rinderpest erzeugt. Section ergab Labmagengeschwüre, Anschwellung der Peyer'schen Plaques und der Solitärdrüsen. Auf Meerschweinchen liess sich die Rinderpest mittelst Finimpfung von Culturen, sowie des Blutes kranker Kälber übertragen; dagegen nicht bei Kaninchen.
lst die Wuth vererbbar?
Nach den Angaben im Heft No. 13 des Rec. de méd. vet. muss diese Fragen verschieden be- antwortet werden. Das Blut wüthender Thiere ist nach den Versuchen niemals giftig; man kann es in allen Stadien der Krankheit einimpfen, ohne die Impflinge zu inficiren. Roux impfte eine tragende Hündin mit Hirntheilen eines wüthenden Hundes. Die Hündin erlag der Wuth, aber die Jungen waren nicht inficirt, denn Inoculationen mit Gehirntheilen dieser Thiere verliefen resultat- los. Ein mit einem Kaninchen angestellter Versuch hatte dasselbe Ergebniss.
Wie jedoch Perroncito und Carita beobachtet haben wollen, kann das Wuthgift unter gewissen Bedingungen von der Mutter auf den Foetus über- gehn. Ein tragendes Kaninchen wurde mittels Prepanation wuthkrank gemacht. Mit dem Rücken- mark eines der Jungen wurden zwei Meer- schweinchen geimpt, von denen das eine wüthend wurde, das andere jedoch gesund blieb. Das
Mark des erkrankten Meerschweinchen erwies sich ebenfalls giftig.
Die Milch wüthender Thiere kann gleichfalls inficirend wirken. Roux gelang es bei seinen Versuchen einmal Wuth dadurch zu erzeugen, dass er Milch wüthender Thiere, welche das Butergewebe zerrieben enthielt, einem Kaninchen unter die Dura mater impfte. während bei einem anderen Thiere die Einimpfung der reinen Milch keinen Erfolg hatte. In Odessa wurde die Milch einer wuthkranken Frau unter die Dura mater zweier Kaninchen gebracht und diese Thiere krank gemacht.
Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.
— Der VI. internationale Congress für Hygiene und Demographie in Wien. E4. September bis 2. Oetober 1887.) Originalbericht von Dr. Schneidemühl-Halle a.8. (Fortsetzung aus No. 2)
In die Berathung über die Schutzimpfung des Milzbrandes eintretend, bemerkt Herr Chamberland- Paris Folgendes: Die erste Frage, ob die Thiere durch Impfung gegen Milzbrand zu schützen seien, sei zu bejahen. Die Versuchsergebnisse in Frankreich und an anderen Orten beweisen, dass das Gift abgeschwächt und zum Schutz- stoff gemacht werden könne. Die zweite Frage, ob die Impfung gefahrlos ist, sei dahin zu beantworten, dass nicht jede Gefahr beseitigt sei. Unter 200 Schafen sei durch- schnittlich 1 und von 700 Rindern ebenfalls durchschnitt- lich 1 todtes zu verzeichnen. Dies stimme auch mit den Resultaten in Deutschland überein, wo unter 502 geimpften Rindern kein todtes zu verzeichnen war. ¹)
Die Frage, ob die geimpften Thiere gegen die natür- liche Infection geschützt seien, sei nach den Versuchs- ergebnissen gleichfalls zu bejahen. In Frankreich seien die Versuche im Grossen angestellt und hätten durchaus günstige Resultate ergeben. Es seien u. A. 32,000 Schafe geimpft und 25,000 nicht geimpft worden. Die Abnahme
¹) Es mag hierbei mitgetheilt werden, dass Pasteur anlässlich einer Widerlegung der Behauptungen von Prof. von Frisch in Wien über den Werth der Impfungen, erklärt hatte, die Berliner-Schule habe durch die That- sachen gezwungen, ihre ursprünglich geäusserte Meinung geändert. Dieser Behauptung Pasteur's war nun Geh. Rath Koch in Berlin in einem an die Sémaine medicale gerichteten Briefe entgegengetreten. Koch schloss seinen Brief mit den Worten: alle bis heute gemachten Erfahrungen, alle vorgebrachten Thatsachen bestätigen vollkommen seine ursprüngliche Ansicht, dass die Milzbrandimpfung nicht einbringt, was sie an Kosten verursacht, dass sie keinerlei Werth für die Praxis besitzt. Prof. Pasteur hatte hierauf erwidert, er behalte sich vor, seine Behauptung auf dem internationalen Congress durch einen Delegirten näher be- gründen zu lassen.(Red.)


