1. November.
Thiermedicinische Rundschau ete. 33
Innere Medicin.
Behandlung der Actinomycose der Zunge. Von Fürthmeyer(Monatsschrift des Vereins der PThierärzte in Oesterreich No. 7).
Verf. macht über seine Beobachtungen folgende Mittheilung:„Das Wesen dieser Krankheit ist bereits vollends aufgeklärt; es ist parasitärer Natur und entsteht durch Einwanderung des Actinomyces-
ilzes. Die ersten und auffälligsten Erscheinungen sind:
Das von diesem Leiden ergriffene Rind wird
ungemein kopfscheu, die Ohrspeicheldrüsengegend ist fast immer beiderseits angeschwollen, das
Flotzmaul warm, trocken oder mit dicklichem Speichel bedeckt, der Puls ohne Abweichung von der Norm, die Maulschleimhaut etwas höher ge- röthet, die Zunge nur im leichten Grade geschwellt, das Angreifen derselben ist für das Thier sehr schmerzhaft, der Appetit wechselnd, der Durst gesteigert.
lung der Zunge zunimmt, in dem Grade, dass der Barren über Nacht oft zur Hälfte mit Speichel gefüllt, sowie der vordere Theil der Streu voll- sändig durchnässt ist. Anfangs fehlen an der Unterfläche der Zungenspitze die charakteristischen gelblichen Geschwüre; später aber kann man die- selben gleich wie unter der Haut liegende Erbsen von wechselnder Grösse zu sehen bekommen. Der Zungenrückenwulst wird hart, die Spitze aber bleibt noch etwas beweglich. Durch behinderte Nahrungsaufnahme magert das Rind sehr rasch ab.
Bisher wurden für Zungenactinomycose locale Einpinselungen von Jodtinctur auf die vorher geschröpfte Zunge empfohlen.
Vor zwei Monaten wurde ich wegen 3 Rindern, die mit erwähntem Leiden behaftet waren(2 Köhe und 1 Falbin) consultirt; nur bei der Kalbin waren die gelblichen Geschwüre vorhanden, bei den Kühen fehlten sie.
Ich erinnerte mich an die im Februar 1886 in der Monatsschrift des Vereines der Thierärzte in Oesterreich veröffentlichte Therapie des Prof. Herrn J. P. Thomassen, worin derselbe die Be- hauptung aufstellt, dass nur in den Fällen ein günstiges Resultat erzielt werde. bei denen ausser lokalen Einpinselungen mit Tinet. Jod. innerlich noch Kali jodat. gegeben werde, und ordinirte Pulv. kal. jodat. 300 g pro Stück täglich einmal 10 g in ½ l lauwarmem Wasser.
Eine Kuh sistirte nach der ersten Gabe das Fressen durch 24 Stunden vollständig. Am 2. Tage schon verminderte sich das Geifern bei allen drei Rindern bedeutend, am vierten Tage hörte das- selbe vollständig auf, die Nahrungsaufnahme war unbehindert. Gleichzeitig trat am ganzen Körper
Das Thier beginnt zu speicheln und zu geifern, anfangs mässig, sobald aber die Schwel- letztere Cholera-Bacillen dauernd zu vernichten.
ein Hautausschlag ein, aus den Nasenhöhlen ging der verdickte Schleim röhrenförmig ab. Am fünften Tage sistirte ich die Verabreichung des erwähnten Präparates durch 2 Tage, am 12. Tage war die Bebhandlung beendet.
Die gelblichen Geschwüre der Kalbin waren zu dieser Zeit weiss, hart und auf Druck für das Thier unempfindlich geworden. Eine Kuh verlor am Zungenrücken die ganze Schleimhaut.
Bis jetzt bebandelte ich 7 Rinder mit dem gleichen günstigen Erfolge.“
Arzneimittellehre.
Einige Untersuchungen über die desinficirende Wirkung des Kalkes. von Paul Liporius. Geit- schrift für Hygiene, Bd. II, Heft 1.)
Die interessanten Ergebnisse dieser auf Ver- anlassung Koch's unternommenen Arbeit sind folgende: 1. Eine wässerige Kalklösung von 0,0074 bezw. 0,0246 Proc. war schon im Stande, im Laufe einiger Stunden, die erstere Typhus-, die
2. Cholera-Bacillenculturen, welche zahlreiche Fiweissgerinsel enthielten und ihrer physikalischen Beschaffenheit nach für die Kalkwirkung ein min- destens ebenso ungünstiges Terrain wie natürliche Cholerainjectionen darboten, wurden gleichfalls im Laufe schon weniger Stunden durch Zusatz von 0,4 Proc. reinen Aetzkalkes bez. 2 Proe. rohen gebrannten Kalkes in Stücken dauernd und voll- ständig desinficirt. 3. Diese auch unter erschweren- den Umständen nicht versagende Wirkung des Kalkes kam am energischsten zur Geltung, wenn derselbe als pulverisirter, reiner Aetzkalk oder als aus let?zterem bereitete 2 proc. Kalkmilk ange- wandt wurde.
Die specifisch vernichtende Wirkung des Kalkes auf die Mikroorganismen sucht Verf. dahin zu erklären, dass bei der hervorragenden Bedeutung der Kohlensäure, als eines der häufigsten Stoff- wechselproducte der Bacterien, diese mit dem Kalke eine unlösliche Verbindung eingeht, d. h., dass die Kohlensäure producirenden Microben allmählich von einer Schicht kohlensaurem Kalks umgeben und erstickt werden.
Infectionskrankheiten.
Bericht über die Untersuchungen, betreffend das Rinderpestcontagium. von Metschnikoff.(Russkaja Medicina 1886, No. 40. Russisch.)
Ueber die Experimente zur Erforschung der Rinder- pest(ibidem). Von Gamalaia.(Referat nach Central- blatt für Bacteriologie.)
M. untersuchte mehrere Fälle der Rinderpest unter Anwendung der modernen bacteriologischen


