32 Thiermedicinische Rundschau ete.
1887. No. 3.
stehenden Erkrankungen wirksam sei, da die Infectionserreger dureh das Mittel nicht getödtet werden. Wo aber Traumen die Ursache der Mastitis pilden, sei das Ichthyol sehr wirksam. Epenso hätte sich bei Klauenentzündungen die Anwendung des Mittels vortheilhaft erwiesen.
Herr Wolff bemerkt, dass die Concentration des Mittels entscheidend sei dafür, ob in einem Falle eine Geschwürsfläche eintritt oder ob es zur Austrocknung des Gewebes kommt. Wenn 1— 3proc. Lösungen angewendet werden, trete in der Regel die mitgetheilte Beschaffenheit der Wundfläche ein.
Herr Schmidt-Aachen hat Ichthyol in 10 proe. Lösungen bei Fxanthemen der Hunde angewendet und schon nach zweimaligem Gebrauche Heilung beopachtet.
Gleich günstige Wirkung sah Herr Cöster- Wiesbaden in einem Falle von Sarcoptes-Räude.
Herr Schneidemühl-Halle konnte die schon von Prof. Rabe constatirte günstige Wirkung bei der sog. Staupe der Hunde bestätigen.
Die Besprechung ist damit beendet. das Wort:
Herr Amtsthierarzt Redlich aus Dresden, um angeregt durch die in der vorigen Sitzung besprochene Wirkung des Pilocarpins seine Be- obachtungen über Geprauch dieses Mittels zur Be- handlung der sog. Behe der Pferde mitzutheilen.
Bedner erinnert zunächst daran, dass Friis in Kopenhagen in der deutschen Zeitschrift für Thiermedicin zuerst auf die vorzügliche Wirkung des Pilocarpin pei Behandlung der acuten Rehe der Pferde aufmerksam gemacht hat. Der genannte Autor hat das Pilocarpin auch bei anderen Krank- heiten(acute Gehirnentzündung, Blind- und Grimmdarmverstopfung) versucht, bespricht aber pesonders die Wirkungen bei der Rehe. Das
Mittel wurde in 14 verschiedenen Fällen mit Aus- nahme eines einzigen stets mit günstigem Erfolge angewendet. In 10 Fällen trat bereits nach einer einmaligen, in 3 Fällen nach einer zweimaligen Injection von 0,4— 0,75 Pilorcurpin Heilung ein. Meist konnten die Patienten schon nach 24 bis 36 Stunden, seltener nach 3—4 Tagen wieder zur Arpeit verwendet werden. Der Vortragende hat nun gleichfalls in einem leichten und in?wei schweren Fällen von Behe das Pilocarpin ver- sucht und sehr günstige Besultate verzeichnen können. Für die Injection wurden nur 0,25 Centi- gramm verwendet und ganz erhebliche Wirkung peobachtet. Am zweiten Tage wurde die Injection wiederholt und nach 3 Tagen konnten die Patienten als geheilt entlassen werden. Der Herr Redner jst deshalb der Ansicht, dass diese Behandlungs- methode die weiteste Beachtung und Nachprüfung verdiene.
Es erhält
Bei der Besprechung theilt:
Herr Cöster-Wiesbaden mit, dass er das pilocarpin ohne jeden Erfolg angewendet habe. Ebenso hat
Herr Schmidt-Aachen keine Erfolge erzielt, obwohl er genau nach der Vorschrift von Friis verfuhr, die Thiere mit Decken einhüllte und 0,5 Pilocarpin injieirte.
Die Besprechung ist damit beendet. Um den Mitgliedern der Section noch Gelegenheit zu geben, den Verhandlungen anderer Sectionen peizuwohnen, wird von der Anberaumung weiterer Sitzungen Abstand genommen.
Namens der Mitglieder der Section spricht hierauf Herr Dr. Schneidemühl-Halle dem Herrn Einführenden wie den Herren Vorsitzenden der Sectionssitzungen Dank aus für die Bereitwillig- keit, mit der sie unter nicht sehr günstigen Umständen ihre Ehrenämter übernommen hätten.
Herr Departementsthierarzt Dr. Schmidt- Kachen dankt dann den Mitgliedern der Seetion für das allseitig bewiesene Interesse und schliesst die Sitzungen mit dem Rufe: Auf Wiedersehn in Cöln.
Wir möchten dem Rufe„auf Wiedersehn“ noch den Wunsch zufügen„auf stärkere Be- theiligung.“ Denn es ist geradezu beschämend für den thierärztlichen Stand, von dem es einst freudig begrüsst wurde, als in der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte auch eine be- sondere Section für Veterinärmedicin errichtet wurde, wenn sich so wenig Interesse für Er- haltung und Förderung dieser wichtigen Ein- richtung zeigt. Schon früher haben wir darauf hingewiesen, dass es keine bessere Gelegen- heit giebt, wirksamer für die Verbreitung thier- medicinischer Prrungenschaften und für die Hebung und Förderung des Standes beizutragen, als pei obiger Versammlung. Anstatt sich dieser Thatsache immer mehr bewusst zu werden, sehen wir einen grossen Theil der berufensten Vertreter meist abseits bleiben, und die weitesten Kreise des thierärztlichen Standes folgen ihnen. Ver- geblich fragt man sich angesichts dieser That- Sachen, was wohl das rastlose Mühen und Arbeiten Finzelner, dem Stande und der Wissenschaft immer weitere Förderung und Anerkennung zu Schaffen, helfen soll, wenn die grosse Mehrzahl der Betheiligten so wenig an der Besserung ihres eigenen Geschickes mithilft.
Gern wollen wir jedoch hoffen und wünschen, dass sich bei der nächsten Versammlung in Cöln die Section für Veterinärmediein ihrer grossen Aufgaben bewusst, ihren Platz im Bunde der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte wieder neu pefestigen möge.
Georg Schneidemühl.


