1. November.
Thiermedicinische Rundschau etc.
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wenigen Tagen, in eben derselben Zeit war auch die(trische) Geschwulst zum Schwinden gebracht und somit die Thiere wieder arbeitsfähig. Auf die alten, harten Geschwülste übte die wochen- lang fortgesetzte Behandlung keinen wesentlichen Finfluss aus. In solcher Weise wurden u. A. 9 Pferde(8 Reitpferde von Offieieren und 1 Circus- pferd) behandelt, welche sich Quetschungen am Widerrist, auf der Höhe der Dornfortsätze, der Rückenwirbel bezw. der Mm. long. dorsi durch Satteldruck zugezogen hatten. Die 8 Officier- pferde kamen gelegentlich des Manövers zwar immer mit frischen, jedoch so beträchtlichen Quetschungen zur Behandlung, dass sie absolut dienstunfähig waren. Nach 2—3 tägiger Behand- lung konnten die Pferde unbedenklich wieder ge- ritten werden.
Nur in einem Falle, wo sich auf beiden Seiten der M. longissim. dorsi erbsengrosse, schmerzbhafte Knoten in der Haut etablirt hatten, erfolgte die vollkommene Heilung erst nach 7 Tagen.
Das Circuspferd litt seit einigen Monaten an einer umfangreichen Widerristgeschwulst, die durch den grossen eisernen Bügel eines schweren Damen- sattels bewirkt war und von diesem trotz er- folgter Auspolsterung u. s. w. dauernd erhalten wurde, da das Pferd allabendlich zu Manege- diensten verwendet werden musste. Unter diesen Umständen war jede thierärztliche Hilfe erfolglos geblieben. Eine Narbe auf der Höhe der Ge- schwulst bewies, dass ein Einschnitt nicht unver- sucht geblieben war.
Es fand sich damals eine Geschwulst von der Dicke eines grossen Apfels vor, welche heiss und schmerzhaft war, auf der Höhe leicht flue- tuirte sich an der Basis aber derb anfühlte. Die Schmerzhaftigkeit war so bedeutend geworden,
dass das Pferd kaum noch zu traben vermochte.
Bei einem tiefen Pinschnitt konnte nur eine spär- liche Menge blutig seröser Flüssigkeit entleert werden. Die Wunde wurde mit Sublimatlösung gründlich desinficirt und täglich 2 Mal ein mit Ichthyol-Vaselinsalbe(0.5: 30,0) imprägnirter Charpiebausch in dieselbe gelegt, während die Geschwulst selbst in oben beschriebener Weise behandelt und das Ganze mit Watte belegt wurde. Nach Verlauf von 10 Tagen, während welcher Zeit das Pferd vom Dienst befreit blieb, war die Wunde vernarbt und die Geschwulst auf ein Minimum reducirt, so dass es fortan wieder in gewohnter Weise gebraucht werden konnte. Die Behandlung wurde noch etwa 8 Tage fortgesetzt. ein Recidiv ist seitdem nicht aufgetreten.
Jeder, der mit der höchst lästigen und un- dankbaren Behandlung genannter Affectionen zu thun gehabt hat, wird zugestehen müssen, dass die relativ einfache und sicher wirkende Ichthyol- behandlung vor anderen den Vorzug verdient.
Ich bemerke ausdrücklich, dass weder Eis noch kaltes Wasser zur Anwendung gekommen ist. Ich will den Werth der kalten Umschläge bei frischen Quetschungen nicht in Abrede stellen, sicher ist aber, dass die Umschläge in der Privat- praxis nur in seltenen Fällen in richtiger Weise bewirkt werden können. Dazu kommt noch, dass die Fälle meist erst dann zur Behandlung ge- langen, wenn es sich nur noch um die Beför- derung der Resorption des Exsudats und die Hei- lung der gequetschten Gewebstheile handelt.
Beides wird aber durch Kälte verzögert durch deren allzulange fortgesetzte Anwendung zweifel- los Quetschungen der gedachten Arten nicht ohne bleibenden Nachtheil heilen.
Auch diese Umstände dürften entschieden zu Gunsten der Iehthyolbehandlung sprechen.
(Schluss folgt.)
60. Versammlung deutscher Maturforscher und Aerzte in Wiesbaden(8. bis 24. September 1837).
Section für Veterinärmediein. (Schluss)
Nach Eröffnung der Sitzung am 22. September durch den Vorsitzenden, Herrn Departementsthier- arzt Dr. Schmidt, erhält sogleich
Herr Kreisthierarzt Wolff-Cleve das Wort zu seinem angekündigten Vortrage über die An- wendung des Ichthyols in der Thier- medicin.[Der Vortrag ist in dieser Nummer abgedruckt.]
Bei der Besprechung des Vortrages, erklärt:
Herr Kaiser-Hannover, dass er die Wahr- nehmungen des Herrn Vortragenden über die
Wirkungsweise des Ichthyols nicht in allen Punkten bestätigen könne. Im Gegensatz zum Vortragenden hätte er gefunden, dass das Mittel bei frischen Wunden Austroeknung des Gewebes und nicht Fiterung und Granulation erzeuge, wodurch eine Verwachsung der getrennten Ge- webstheile verhindert wird. Dagegen sei zuzu- geben, dass es fermentative Processe unterdrücke und günstig auch bei Gelenkwunden wirke. Be- züglich der Anwendung bei Mastitiden sei frag- lich, ob es in den vielfach durch Infection ent-


