30 Thiermedicinische Rundschau ete.

1887. No. 3

universalis, sowie auch gegen Gelenkrheumatismus angewandt zu haben. Aehnliche Erfahrungen theilte auch Edlefsen-Kiel mit, der das Mittel auch zu 0,1 mit 0,9 Aqua subeutan injicirte.

Ackermann¹), Lorenz?) und Schwenin- gers) leistete das Mittel ausgezeichnete Dienste pei Gelenkrheumatismus, Gicht, Mastitis, Pana- ritium, Contusionen, Distorsionen, Pruritus, Ver- brennungen etec.

Auch aus dem Auslande, z. B. aus Frankreich, liegen von 66c6 und Lartigau4), sowie aus Amerika von Zeislers) gleich günstige Berichte über den therapeutischen Werth des Iehthyols vor.

Seit Kurzem ist dasselbe auch in die Thier- medicin eingeführt worden, und zwar durch Prof. Rabe-Hannover, der seine diesbezüglichen Er- fahrungen in einem auf der vorletzten thierärzt- lichen Versammlung zu Hannover gebaltenen Vortrages) veröffentücht hat. Rabe wandte 5 pbis 10 proc. Lösungen von Acid. sulfo-ichthy olieum oder Ammon. sulfo-ichthyolicum mit Aether sul- furic., Spiritus rectif. und Aq. dest. ana mit gün- stigem Prfolge gegen Sarcoptes- und Acarus- Räude, sowie gegen Ekzema chronicum bei Hunden an. Ferner erwiesen sich ihm 5 Proe. Lösungen des Am. sulfoichth. heilsam gegen eiteriges und pustulöses Ekzem, Prurigo, Erythem, Erysipel des Kopfes. der Mamma ete.

Gonarthritis chronica wurde mit Ichthyolmixtur theils erbeblich gebessert, theils vollständig geheilt.

2 proc. Ichthyol-Lanolinsalbe zertheilte An- schwellungen nach Quetschungen ete. rasch.

Prompte und sichere Heilung der traumati- schen, ulcerösen, parenchymatösen Entzündungen der Cornea sah Rabe bei Anwendung von 2 bis 3proc. wässeriger Lösung des Am. sulfoichth. Passelbe leistete innerlich in 2 4 proc. wässe- riger Lösung 3 Mal täglich thee- pis esslöffel- weise gegeben gute Pienste gegen acuten und chronischen Magen-Darmeatarrh, sowie gegen Staupe der Hunde.

Rabe hat keine Gelegenheit gehabt, das Mittel auch an grösseren Hausthieren zu ver- suchen.

Dagegen berichtet Grosswendt, eine durch Satteldruck entstandene Widerristanschwellung

¹) Correspondenzblätter des ärztl. Vereins von Thüringen Nr. 8, 1885.

2) a. Deutsche Militärärztliche Zeitschrift 1885;

p. Deutsche Medicinal-Zeitung Nr. 59, 1887.

3) Charité-Annalen, Berlin, IX. Jahrgang.

4) Le progrès Médical Nr. 11, 1887, Paris.

5) Chicago Medical Journal and Examiner for Decem- ber 1886.

6) Ueber die Anwendung des Iehthyol in der Thier- medicin(pag. 26 35).

10 proc.

peim Pferde erfolgreich mit Ichthyol-Lanolinsalbe (1:5) behandelt zu haben.

Bass¹) heilte zehn Fälle von Sommerräude und Schweifgrind beim Pferde mit einer Lösung von Am. sulfoichth. 15,0, Aether, Spiritus, Aqua ana 30,0.

In der thierärztlichen Literatur liegen, so viel mir bekannt ist, weitere Mittheilungen über das Ichthyol nicht vor, weshalb ich die mir zufällig gebotene Gelegenheit gerne wahrnehme, hier die Resultate meiner mit dem Mittel vorgenom- menen Versuche, die etwa zu derselben Zeit wie diejenigen Rabe's und unabhängig von diesen vorzugsweise an grösseren Hausthieren angestellt wurden, mitzutheiſen. Vorweg sei noch bemerkt, dass ich meine Misserfolge den Erfolgen gegen- über stellen werde, wie das auch von Prof. Rabe z. B. pei der Räude- und Staupe-Behandlung ge- schehen ist. Zählt man nur die Erfolge auf, und das ist ein Verfahren. was an der Unna'schen Monographie zu tadeln ist, so bringt man durch solche Finseitigkeit ein sonst brauchbares Mittel ebenso sehr in Misscredit. wie durch die Anprei- sungen in den Tageszeitungen, die das Ichthyol geradezu als einMittel für Alles empfehlen. Die folgenden Mittheilungen werden zeigen, dass es nicht alles das zu leisten vermag, was man ihm nachrühmt, dass es andererseits aber man- chem Arzneimittel in therapeutischer Hinsicht weit überlegen ist.

Zuerst wandte ich das Ichthyol gegen

Quetschungen

an, und zwar sowohl gegen solche, die mit Sub- stanzverlust verbunden waren, als auch gegen solche, bei denen es sich um eine einfache Con- tinuitãtstrennung der Weichtheile handelte.

Nach entsprechender Reinigung der gequetschten Theile mit warmem Seifenwasser wurden etwaige kleinere Wunden mit einer Ichthyolsalbe(0,5 30) pedeckt und die umgebende Geschwulst mit einer

10 bis 15 proc. alkohol-ätherischen Lösung des Ammon. sulf. ichth. bezw. Vaselinsalbe von gleicher Concentration leicht eingerieben und das Ganze mit entfetteter Baumwolle pedeckt, deren Befestigung mittelst Brustblatt des Sielengeschirnes bewirkt wurde. Diese Pinreibung wurde 23 Mal täglich wiederholt, nachdem die erwähnte Abwaschung jedesmal voraufgegangen war. Diese ist einmal zur Pntfernung der alten Einreibung, dann aber auch zur Verhütung des Wundwerdens der Haut un- erlässlich. Unter dieser Behandlung schwand der Schmerz pezw. die Pruckempfindlichkeit schon nach 23 Finreibungen, die flachen Wunden vernarbten in

¹) cf. diese Zeitschrift Nr. 24, 1887.