24 Thiermedicinische Rundschau ote.
1887. No. 2.
das natürlich vorsichtig geschehen um das Pferd nicht zu erschrecken. Das Auge des Untersuchen- den begiebt sich dann in unmittelbare Nähe des abblendenden Gegenstandes und zwar hinter oder neben denselben. daher auch nahe an das zu untersuchende Auge(bei ausgeschlossener Fern- sichtigkeit).
Je nach Bedürfniss ändern sich die gegen- seitigen Haltungen des Abblenders und des zu untersuchenden Auges. Es wird sich in erster Linie zeigen, ob man es mit einer normal reagirenden Pupille zu thun hat. die sich rasch erweitert und entsprechend der Haltung des Ab- plenders ihre mittleren oder seitlichen Theile ausserordentlich klar inspieiren lässt. Die Fär- bung der Pupille zeigt sich durch die Abblendung d. h. infolge Einwirkung von gedämpftem Lichte und Abhaitung störender Reflexe 8o deutich und öpersichtlich, dass bei geringer Uebung und bei nicht zu aufgeregten Pferden selbst gan? mini- male Trübungen in der Regel nicht zu über- sehen sind.
Vorstehendes Verfahren ist, wie Th. angiebt, pesonders bei den Remonteankäufen in Preussen üblich und bedienen sich die thierärztlichen Con- sulenten der petr. Commissionen sehr einfach construirter und leicht transportabler Vorrich- tungen, nämlich eines ca. 20 em langen und ca. 15 em breiten, mit schwarzem Tuch über- zogenen und zusammenlegbaren Pappdeckels.
(Ad. Wochenschr.)
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Mittheilungen aus Vereinen und Versammlungen.
— Der VI. internationale Congress für Hygiene und Demographie in Wien.(Original-Bericht von Dr. Schneidemühl-Halle) Wie bereits in voriger Nummer mitgetheilt, waren zu dem Congresse, welcher in der Zeit vom 26. September bis 20. Oetober d. J. unter dem hohen Protectorate Sr. K. k. Hoheit des Kronprinzen Erzherzog Rudolf in Wien tagte, auch eine grössere Zahl von Thierärzten erschienen zum Theil als Abgesandte ihrer Regierungen oder als Abgeordnete thierärztlicher Vereine. Den in voriger Nummer mitgetheilten Namen er- Schienener Thierärzte hätten wir noch Dr. Struska und Pr. Storch aus Wien.
Für die thiermedicinische Wissenschaft bildete beson- ders die Erörterung der Impffrage weiteres Interesse, wes- nalb auf diesen Theil der Verhandlungen näher eingegangen werden soll.
Im Allgemeinen sei zunächst hervorgehoben, dass die ganze Organisation des Congresses bis in alle Einzelheiten hinein eine wahrhaft grossartige und mustergiltige war. Die Präsidenten des Congresses, die Herren Professoren Ludwig und von Gruber haben sich im Verein mit allen Mitgliedern des Organisations-Comités für immer
anzuschliessen
ein chrendes Denkmal in der Geschichte der Congresse gesetzt. Waren doch nicht weniger als 2600 Mitglieder— eine bisher unerreichte Zahl— aus allen Ländern des Prdballs erschienen. Einen unvergesslichen Eindruck wird die am 26. September stattgehabte Eröffnungssitzung bei Jedem hinterlassen haben, welcher dieser äusserst glänzen- den Versammlung beiwohnte.
Sr. k. k. Hoheit der Kronprinz Rudolf erschien mit grossem Gefolge gegen 11 Uhr Vormittags und eröff- nete den Congress mit folgender Ansprache:
„Geehrte Herren! Dem Präsidenten Ihres Organi- sations-Comités, der soeben so freundliche Worte an mich gerichtet hat, herzlich dankend, bitte ich Sie Alle, meine Herren, die Versieherung entgegenzunehmen dass ich es mir zur Freude und Ehre anrechne, als Protector an der Spitze des sechsten internationalen Congresses für Hygiene und Demographie zu stehen. Das kostbarste Capital der Staaten und der Gesellschaft ist der Mensch. Jedes einzelne Leben repräsentirt einen bestimmten Werth. Diesen zu erhalten und ihn bis an die unabänderliche Grenze möglichst intact zu bewahren, das ist nicht blos ein Gebot der Humanität, das ist auch in ihrem eigensten Interesse die Aufgabe aller Gemeinwesen.“
„Der Einzelne, wie gross auch die Mittel sein mögen, die ihm zu Gebote stehen, um sein eigenes Wohl zu schützen, bleibt doch machtlos gegenüber den nachtheiligen Einflüssen allgemeiner Natur, die uns Alle umgeben. Hier muss gemeinsames Wirken helfen. Dieser grossen Auf- gabe dient, von der Demographie unterstützt, die Hygiene. welche auf wissenschaftlicher Grundlage fussend, der Ge- setzgebung und den Anordnungen des Staates und Ge- meinden die Wege vorzeichnet zur Erringung practischer Ziele in dem ganzen grossen Gebiete der Gesundheits- pflege.“
„Ueberblicken wir nun die Referate der einzelnen Berichterstatter dieses Congresses ¹), so erstaunen wir, dass die Wissenschaft, der Sie, meine Herren, mit so hin- gebungsvollem Eifer dienen, alle Bereiche umfasst: Das Haus und die Schule, die Production und den Krieg, die Städte und das Yorf, den Verkehr und die Industrie.“
„Die Theilnahme von so illustren Vertretern aller Na- tionen und Staaten an der heutigen Versammlung ist ein Beweis von der wahrhaft internationalen Bedentung der Hygiene. Es erfüllt mich mit wahrer Genugthuung, Sie, meine Herren, in dieser Stadt zu begrüssen, welche ein Mittelpunkt ist reger wissenschaftlicher Arbeit und ernsten Forschens“
„Im Namen Seiner kaiserlichen und königlichen Ma- jestät, meines allergnädigsten Herrn, erkläre ich den VI. internationalen Congress für Hygiene und Demographie für eröffnet.“
¹) Der Tüchtigkeit des Comités war es gelungen, fast sämmtliche Referate der einzelnen Berichterstatter schon vor Beginn des Congresses an die Mitglieder gelangen zu lassen.


