22 Thiermedicinische Rundschau ete.

1887. No. 2.

pei intratrachealer Injection viel früher und schon pei kleinerer Dosis erfolgen, als bei subeutaner Pinspritzung. Versuche mit Farblösungen zeigten, dass die Flüssigkeit bis in die Alveolen einge- drungen war, nachdem sie die Bronchialwandungen, zumal in deren bindegewebigen Theilen. durch- zogen und auch in die Knorpel eingedrungen war. Von den Alveolen tritt die Flüssigkeit in die Lympbahnen über, bedingt eine starke Färbung der bronchialen Lymphdrüsen und lässt selbst in der Niere sich noch in schwachen Spuren nachweisen. Wo Alveolen nahe der Lungenober- fache erreicht werden, ist auch noch die Pleura mitgefärbt.

Purch Aenderung der Einwirkung der Schwer- kraft, d. h. durch Aenderung der Körperlage, lässt sich die Vertheilung der Flüssigkeit am meisten variiren. Verf. meint, dass die Methode bei Lungengangrän, putride Bronchitis und ähnliche Zustände die meiste Aussicht auf Erfolg haben dürfte.

(Die Arbeiten thierärztlicher Autoren in Italien und Deutschland scheinen dem Herrn Verfasser unbekannt geblieben zu sein.) G. Sch.

Ueber die Ursachen des Kehlkopfspfeifens. Von Vaerst.(Deutsche Zeitschrift für Thiermediein 1887, XIII. Bd., 3 Heft.)

Nach wissenschaftlicher Erfahrung(Günther sen.) beruht das Kehlkopfpfeifen in der grossen Mehrzahl der Fälle(96 Proc.) auf ungenügender Anspannung der Stimmbänder infolge von Atrophie der Stimmritzenerweiterer. die wiederum aphängig von der Lähmung des N. recurrens ist. Das Leiden kommt fast nur auf der linken Seite vor.

Durch Günther, Gerlach, G. Schmidt und Esser, welche bei verschiedenen Thieren den N. recurrens pald rechts bald links durchschnitten, ist experimentell festgestellt, dass thatsächlich eine Unterprechung der motorischen Nervenleitungs- pahn die Function der Stimmritzenerweiterer stört und somit Kehlkopfpfeifen verursacht. Diesen Gesichtspunkt hat V. seiner Betrachtung allein zu Grunde gelegt.

Mechanische Insulte(Aderlass etc.) können das Leiden hervorrufen; Geschirrdruck, sowie der zur Verhinderung des Koppens gebräuchliche Kök- riemen sind deshalb als unschuldig zu bezeichnen, weil durch sie der Recurrens zu wenig direct getroffen wird, um gelähmt werden zu können. Pas nach Ablauf der entzündlichen Affectionen in Druse und Angina sich einstellende Kehl- kopfpfeifen glaubt V. auf Affection der den Re- currentes nahe gelegenen Drüsen 7urückführen zu müssen. giebt indess auch zu, dass, ähnlich wie bei der Diphtherie, der specifische Process

sowohl auf die peripherischen Nervenenden als auch direct auf die Kehlkopfmuskulatur über- greifen und auf diese Weise Kehlkopfpfeifen er- zeugen könne.

Die beim Menschen für Lähmung des Re- currens beschuldigten extra- und intracraniellen Ursachen liegen peim Pferde, abgesehen von der Brusthöhle, beiderseits gleich günstig. 80 dass also kein Moment vorhanden ist, welches die Chancen für rechts- und linksseitige Erkrankung erhöht. V. nimmt an,dass die fast constante linksseitige Erkrankung auf der innerhalb der Brusthöhle zu constatirenden Verschiedenheit des Verlaufs der N. recurrentes und der damit verbundenen, einschlägigen anatomischen Ab- weichungen linker- resp. rechterseits basirt.

Von der in extenso beschriebenen anatomischen Lage der N. recurrentes sei das für diese Be- trachtung wichtigste kurz hervorgehoben:

Der N. recurrens sinister geht, von der Pleura überzogen, auf der linken Seite des Arcus aortae über den Ductus Botalli hinweg, ist an der Umgangsstelle um den Aortenbogen von den hinteren Mittelfelldrüsen begrenzt. wird dort, wo er zwischen Aorta und PTrachea verläuft, von der Fascia endothoracica über- prückt und kommt sowohl bei seinem Austritt aus der vorderen Apertur der Brusthöhle, als auch am oberen Prittel des Halses mit dem Oesophagus in Contact.

Der N. recurrens dexter verlässt dagegen, vom Vagus abgegeben, die Brusthöhle bald, steht nicht im Connes mit der Pleura, schlägt sich zwar um die Art. subelavia dextra, liegt indess der Trachea nicht so fest auf wie der Recurr. sinister und stimmt mit diesem vom vorderen Rande der Carotis an im Verlauf überein.

Die Consequenzen, welche V. aus dem ge- schilderten anatomischen Verhalten zieht, sind im Wesentlichen folgende: Bei Entzündungen der Pleura(Brustseuche ete.) gehe der exsudative Process direct auf den N. recurrens sinister über, erzenge Neuritis und Atrophie der zuge- hörigen Muskeln. V. hält z. B. die bei der Brust- seuche beobachtete Nervenaffection stets für peri- pheren und nicht für centralen Ursprunges, denn im letzteren Falle wäre es unverständlich, warum fast stets der Recurrens sinister betroffen wird. Auch das hinter dem Arcus aortae gelegene Packet der hinteren Mittelfellsdrüsen kann durch krank- hafte Schwellung, Druck und Paralyse des Recur- rens pewirken. Dasselbe kann am Aortenanfang, dort, wo der Nerv zwischen Aorta und Trachea gelegen ist und den Knorpelringen letzterer fest aufliegt, durch den Blutdruck in der Aorta. namentlich wenn er unter pathologischen Ver- hältnissen erhöht ist, bewirkt werden. Möglich