15. Oetober.
Thiermedieinische Rundschau ete. 21
würde die Todesdosis beim Menschen 30 Gramm betragen. Antifebril wirken aber schon 0,25— 0,5! Noch kleinere Dosen und diese öfters anzuwenden. empfiehlt sich nicht weil derart verzettelte Gaben sich im Organismus vollständig verlieren.
Diese Angaben fand ich bei der klinischen Verwendung an Thieren grösstentheils bestätigt. Sämmtliche Wirkungen können bei unsern Haus- thieren natürlich nicht festgestellt werden, da die Mittheilungen über die subjectiven Empfindungen fehlen und leichte Nebenwirkungen überschen wer- den können.
Die Berechnung: circa 70 Kilo Mensch be- dürfen zur antifebrilen Wirkung 0,25— 0,5 Gramm, Antifebrin, sonach ein 10 Centner schweres Pferd 5— 10 Gramm, hat sich als unrichtig erwiesen. Das Pferd bedarf weit höherer Gaben, wenn das Mittel antifebril wirken soll. 20— 25 Gramm wur- den mehrmals vergeblich angewandt; 30 Gramm zeigten sich als beste Dosis. 100 Gramm wurden ohne Nachtheil einem Anatomiepferd an einem Tage verabreicht. Häufig wurde das Mittel in Verbin- dung mit PDigitalis und kleinen Gaben Kalomel verabreicht.
Die Wirkung trat in allen Fällen ein. Bei einigen geringen Erfolgen zeigte sich nachher, dass nicht die ganze Pille geschluckt worden war. Bei pressanten Todescandidaten war die Temperaturerniedrigung noch geringgradig auf kurze Zeit nachweisbar. Der Werth des Mittels liegt lediglich in dessen antifebriler Wirkung. So lange das Fieber herabgedrückt ist, pelinden sich die Patienten wohler. Ein Specificum gegen die fiebererzeugenden Ursachen ist es aber nach meiner bisherigen Erfahrung nicht.
Infectionskrankheiten.
Neue Abschwächungsmethode des Virus der Schaf-
pocke. Bedeutung für die Praxis. von P. Pour- quier.(Compt. rend. No. 10, 1887, Seite 703)
Pourquier impfte ein Thier an zehn aufeinanderfolgen- den Tagen mit demselben Virus und fand, dass die vier ersten Stiche, trotzdem sie zu ganz verschiedenen Zeiten geimpft waren, in vollständiger Pntwickelung und voller Secretion vom vierzehnten zum fünfzehnten Tage nach Beginn des Experimentes waren. Die Entwicklungsdauer war also ungleichmässig: der erste kam in 15 Tagen, der zweite in 14 Tagen, der dritte in 13 Tagen, der vierte in 12 Tagen zur Secretion. Durch diesen Enterschied in der Entwicklungsdauer wurden auch die Dimensionen der Pusteln vorändert; die Durchmesser derselben nahmen immer wehr ab.
Es folgt also aus Obigem, dass die erste Impfung das Ter- rain schon nach den ersten 24 Stunden verändert hatte. Die Immunität war vom sechsten zum siebenten Tage erworben, denn am sechsten Tage entstand noch eine Blatter, an den folgenden Tagen nichts.— P. impfte nun mit der Flüssig- keit der Pustel, die sich bei dem ersten Versuch in zwölt Pagen gebildet hatte, ein Thier zehn Mal. Es bildete sich
dieselbe Reihe von Pusteln mit demselben Durchmesser und derselben Entwicklungsdauer wie beim ersten Versuch. Nahm er nun aus der Pustel, die sich bei dem zweiten Experiment am zwölften Tage entwickelt hatte, Stoff zum Impfen eines neuen Thieres, so zeigte es sich, dass die Pusteln, die nun entstanden, einen geringeren Durchmesser besassen und sich in weniger als 15 Tagen entwickelten. Impft man nun wieder mit dem Stoff, der sich in der Pustel fand, die sich in zwölf Tagen gebildet hatte, so kam der Augenblick, wo die erste Impfung immer am zwölften Iags zur Secretion kam.— P. fand nun, dass die Impfung mit der Pustel, die sich vom elften zum zwölften Tage entwickelte, den PThieren Immunität verlich, ohne dass das Thier die Pocken pekam. Das Virus war in Vaccin umgewandelt.
Um durch die Schutzimpfung nicht einen wahren In- fectionsheerd zu schaffen, empfiehlt P. die Impfung mit dem abgeschwächten virus am Ende des Schwanzes. Der
tich soll zur Secretion kommen in zwölf Tagen, am elfften LTage schneidet man das Ende des Schwanzes ab. Diese Thiere sind von dieser Zeit an geimpft, denn sie bekommen die Krankheit nicht, wenn sie mit pockenkranken Thieren in Berührung kommen: andererseits sind sie auch keine neue Inſectionsquelle, da gesunde Thiere, die mit ihnen zusammenkommen, nicht erkranken. E. B.
Innere Medicin.
Ueber die percutane lnjection von Flüssigkeiten in die Trachea, deren Verbreitung in der Lunge und Wirkung auf Lunge und Gesammt- organismus. von Sehrwald.(Deutsch Archiv für klin. Med. Bd. XXXIX 1886.
Verf. hat auf Veranlassung von Prof. Ross- bach Versuche angestellt, um durch das physio- logische Experiment zu zeigen, ob und in wel⸗ chem Umfange eine rein locale Finwirkung von Medicamenten auf die Krankheitsherde in der Lunge sich ermöglichen lässt. Das Verfahren, welches bekanntlich bei grösseren Thieren für Heilzwecke schon verwerthet ist, gestaltete sich sehr einfach. Man sticht die Canüle einer Pra- vaz'schen Spritze in der Gegend der oberen Ringe durch die Haut hindurch in die Trachea ein und lässt langsam, tropfenweise die Flüssigkeit aus der Spritze in die Luftröhre einlaufen. Bei eini- ger Vorsicht ist die Reaction auf die intratracheale Injection so gering, dass Lösungen der zunächst
therapeutisch in Betracht kommenden Antiseptica
von der Schleimhaut der Luftröhren gut ertragen werden. Lösungen von 5 Proz. Borsäure, 1 Proz. Salicylsäure und 1: 5000 Sublimat lassen sich ohne Störungen in mehr als genügender Menge in die Lungen einbringen. So sind 10— 25 g Flüssigkeit für einen mittelgrossen Hund völlig bedeutungslos, obgleich sie ½ 5— 10 seiner Lungen- luftmengen ausmachen. Selbst 100 g in einer Sitzung eingeführt werden noch gut ertragen. Dass so grosse Flüssigkeitsmengen ertragen wer- den beweist, wie rapide und ausgiebig die Re- sorption der Flüssigkeit in der Lunge sein muss. Versuche lehrten auch, dass Alkaloidwirkungen


