1. October.

Thiermedicinische Rundschau etc.

13

auch ein tödtlicher Feind werden. Es bestehen jetzt keine Zweifel mehr über die Uebertragbarkeit auf den Menschen der Rotzkrankheit, des Milzbrandes, der Tuberculose, Krankheiten, welche nur zu oft bei den Thieren aufzu- treten pflegen. In Anbetracht dieser Thatsachen ist es um so mehr geboten, für die Behandlung erkrankter Thiere nur Männer zuzuziehen, welche Specialstudien genossen und technische Wissenschaften erworben haben, die mit einer staatlichen Approbation versehen, der Landwirthschaft einestheils und der öffentlichen Gesundheit anderntheils die nöthige Gewähr zu liefern vermögen.

Der schädliche Einfluss der Empiriker ist so fühlbar und so gefürchtet, dass der Gesetzgeber von 1881 in dem Viehseuchengesetze die Behandlung seuchekranker Thiere allen denjenigen untersagte, welche sich nicht im Besitz einer thierärztlichen Approbation befinden. Diese Em- piriker werden aber dann besonders zu einer wahren Land- plage, wenn ansteckende Krankheiten unter den Haus- thieren zum Ausbruch kommen; denn das Wesen, die Entstehungsursachen, die Uebertragungsweise der Seuchen verkennend, und statt dieselben beim Erscheinen den Be- hörden anzuzeigen, behandelt sie der Pfuscher ohne alle Vorsicht und verschleppt sie nur zu oft von Stallung zu Stallung wenn nicht gar von Ortschaft zu Ortschaft.

Kommt dann, durch die angerichteten Verheerungen, der Ausbruch einer Seuche zur Kenntniss der Behörde, so ist es meistens nur mit grossen Geldopfern möglich, deren Vorwärtsschreiten zu hindern. Die Geschichte der Seuchen, welche zu verschiedenen Zeiten der Landwirth- schaft ungeheure Verluste verursacht haben, beweist an der Hand der amtlichen Untersuchungen und Feststellungen, dass, sowohl im Auslande als in Frankreich, die Pfuscher unter die eifrigsten Verbreiter jener verderbenbringenden Krankheiten zu zählen waren. Es ist also billig, wenn das Seuchengesetz von 1881 die Behandlung seuche- kranker Hausthiere den Pfuschern verbietet, weil sie oft aus Unkenntniss der Entwicklung der Seuche Vorschub leisten, oder aber aus Geldgier, um eine Gelegenheit des Gewinnes auszubeuten, die Krankheit, wenn sie diese auch erkannt haben, nicht anzeigen, und sich der gerichtlichen Verfolgung entziehen unter dem Vorwand, sie hätten die Seuche nicht erkannt. Das einzige Mittel, um diesem ver- derbnissbringenden Zustande abzuhelfen, besteht in der Forderung einer thierärztlichen Approbation von allen denjenigen Personen, welche sich mit der Behandlung kranker Phiere beschäftigen; das ist der Zweck dieser Gesetzesvorlage.

Kleine Mittheilungen.

Ueber die Veränderung der Mileh durch das Gefrieren machen Prof. Dr. Kaiser und Dr. Schmieder in Hannover interessante und Practisch wichtige Mittheilungen. Sie liessen von einer Milch, deren Zusammenstellung ana- lytisch festgestellt wurde, je ein Quantum halb bezw. ganz gefrieren und analysirten im ersten Falle das Milcheis sowohl wie die flüssigen Antheile für sich. Die ganz gefrorene Milch liessen sie bei Zimmertemperatur langsam bis zur Hälfte aufthauen und untersuchten gleichfalls ge-

sondert das Milcheis und flüssigen Antheile. Die erhaltenen Resultate zeigten, dass Säure. Casein, Milchzucker und Salze in der weitaus grössten Menge im flüssigen Antheil ent- halten sind. Für das Butterfett stollte sich heraus, dass dasselbe je nach der Art des Gefrierens eine verschiedene Vertheilung annimmt Prfolgt das Gefrieren nämlich sehr schnell, so dass der Milch nicht die zum Abrahmen nöthige Zeit gelassen wird, so findet sich das Butterfett ziemlich gleichmässig im Milcheise wie im flüssigen Antheil vertheilt. Prfolgt das Gefrieren jedoch langsam, so steigt das Butter- fett in die Höhe und wird von den Eisplättchen der oberen Schichten mechanisch eingeschlossen. Das Milcheis ist in solchem Falle reicher an Fett wie die Flüssigkeit. Für die practische Verwerthung ergiebt sich, dass man niemals Milch, welche noch Eis enthält, verkaufen soll, sondern stets dafür Sorge tragen muss, das das Eis geschmolzen ist. Erst wenn dies eingetreten und die Mileh gut durch- geschüttelt ist, erhält sie die ursprüngliche Zusammensetzung und kann verkauft werden. Milch-Ztg. 1837)

EPine neue Zuckerprobe, welche die Prommer'sche an Zuverlässigkeit übertreffen soll und sich jahrelang hält, giebt Prof. Almén-Upsala an:

Natr. caustic. 8,0 in Wasser 100,0 Tart. natron. 4,0

Bismuth subnitr. 2,0

Der Urin wird zuerst durch Erhitzen und mit Acia nitr. auf Albumen geprüft und eventuell filtrirt. Dann nimmt man 1 Theil obiger Lösung auf 10 Theile Urin, auf welche Weise noch 0,05% Zucker zu ermitteln sein sollen. (Phe Medic. Record. 23. 4. 1887 und Deutsche Med.-Ztg. Nr. 53. 1887.)

Um die übeln Finwirkungen der Carbolsäure an den Händen zu verhüten empfiehlt Vogel-Eisleben (Aerztl. Centralanzeiger 10. 87) sich des Borax zu bedienen, derart, dass man nach gehöriger Einseifung der Hände einen Theelöffel des Pulvers in die Hand nimmt mit einigen Tropfen Wasser sorgfältig mit dem Seifenschaume verreibt, mit dem dann die Hände vor dem Eintauchen in Carbol- säure-Lösung gewaschen werden.

Valenta(Memorabil. Jahrg. 31, Heft 7) empfiehlt zu demselben Zwecke die Hände mit Ungt. emolliens einzu- reiben, die Salbe durch Aufgiessen von Spir. saponat. in die Hohlhand zu verseifen und dann abzutrocknen. Nach der Operation wäscht man die Hände in gleicher Weise 12 mal unter Zuhilfenahme von warmem Wasser.(Deutsche Med.-Ztg. Nr. 56. 1887.)

Um antiseptische Schwämme herzustellen em- pfichlt Bernbeck im Vereinsbl. d. pfälz. Aerzte 5. 1887 folgendes Verfahren:

Schwämme von mittelgrosser Porosität(zu feinporige Waare ist sehr schwer vom Sande und Muschelkalk zu befreien) werden zunächst in der Wärme gut getrocknet und durch wiederholtes Klopfen mit Rohrstäben vom groben Sande befreit; alsdann bringt man dieselben auf ein grobes Haarsieb und wäscht so lange mit Wasser aus, bis letzteres absolut klar und sedimentlos abläuft.

Hierauf digerirt man die Schwämme in Caliumper- manganatlösung 1: 1000 ca. 2 Stunden lang und setzt dann

so viel rohe Salzsäure hinzu, bis die violette Farbe voll-

ständig verschwunden. Letztere Manipulation bietet 3 Vor- theile, indem die Schwämme 1. desinfieirt, 2. durch die Bildung freien Chlors aus Kaliumpermanganat und Salz- säure gebleicht und 3. die Reste des oft intensiv anhaften- den Muschelkalkes durch den Salzsäureüberschuss gelöst und so leicht entfernt werden.

Durch wiederholtes Waschen mit Wasser reinigt man das Präparat weiter und zwar so lange, bis das Wasch- wasser blaues Lackmuspapier nicht mehr röthet.

Hierauf trocknet man die Schwämme gut aus und ver- bringt dieselben in eine Sublimatlösung 1 1000, in welcher