8 Thiermedicinisch
pflamenreiche einzelne Individuen gleich eine ganze Reihe von verschiedenen Alkalciden in ſprem Leibe aufstapeln, so scheint auch den pathogenen Bacterien die Macht verliehen zu sein, ptomaine und Toxine in mannigfacher Anzahl ihrem Nährboden zu entziehen.“
Pin anderes von B. aus Tetanusculturen her- gestelltes Toxin— Tetanotoxin genannt— mit der Formel C3 H1N ist bei Weitem nicht s0 giftig, als das Tetanin. Nach 20 Minuten folgen oft erst die Zuckungen. Der Tod erfolgt unter ausserst intensiven Krampfanfällen. Manche Thiere sind aus pisher unbekannten Ursachen sehr wider- standsfähig gegen die Wirkung dieses Giftes.
Ferner fand sich noch ein Gift in sehr ge- ringer Menge vor, das neben Erzeugung von Tetanus auch noch die Speichel- und Thränen- secretion sehr lebhaft anregt; Erscheinungen, welche bei den übrigen Toxinen der Tetanus- gruppe nie beobachtet wurden.
Pas letzte Ghlied der Toxine des Tetanus wurde vom Verf. Spasmotoxin genannt. FEs streckt, in minimalen Mengen Thieren beigebracht, diese unter heftigen tonischen und klonischen Krämpfen nieder. Die Bildung aller dieser Basen geht mit sehr lephafter Schwefelwasserstoffent- wickelung einher und es lässt sich deshalb voraus- setzen, dass auch im erkrankten menschlichen Organismus der Tetanuspacillus im Vereine mit seinen Begleitern eine derartige Gasproduetion anregen wird. keine schädigende Wirkung aus, da Erscheinungen einer giftigen Wirkung des Schwefelwasserstoff-
gases sowohl pei tetanischen Menschen, als auch pei tetanischen Thieren bisher noch nie beob- achtet wurden. Der Urin eines tetanisch kranken
Menschen Thieren injicirt, hatte keine schädliche Wirkung.
Dass nun thatsächlich die 4 peschriebenen Toxine aus der Thätigkeit des Tetanusbacillus und nicht anderen beigemengten Bacterienspecies ihren Ursprung verdanken, geht daraus mit Sicherheit hervor, dass alte Culturen, die früher sicher die Tetanusmikroben in grosser Zahl be- herbergt hatten, zwar Fleisch unter widerlichem Geruche auflösten, indessen pei Thieren, denen derartige Fleischeulturen supcutan injicirt worden waren, gar keinen Pffect hervorriefen, und dass dieselben nur Ammoniak und Cadaverin. aber kein specifisches Toxin enthielten.
Bezüglich des Ursprungs des Tetanus- pacillus und betreff seines Hineingelangens in den Erdboden erinnert Verf. an den namentlich von Verneuil und Larger angenommenen e4 ui-
nen Ursprung des Tetanus. Vu Gunsten dieser Annahme jener Forscher scheint auch der Um- stand zu sprechen, dass Verf. aus menschlichen
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Die Gasentwickelung übt jedoch
e Rundschau ete. 1887. No. 1.
Leichentheilen, die übereinander geschichtet monate- lang dicht operhalb eines Pferdestalles faulten, neben anderen Ptomainen auch Tetanin herstellen konnte. Pinspritzung von Pferde- und Kuhmist unter die Haut von Meerschweinchen und Kaninchen er- zeugten keinen Tetanus sondern eine totale Läh- mung, an welcher die Thiere innerhalb 24 Stun- den zu Grunde gingen. Auch wenn Fleischbrei mit Milch, Pferde- und Kuhmist beschickt wurde, konnte kein Gift isolirt werden, das die Thiere tetanisch tödtete. Was die Therapie des Wundstarrkrampfes an- pelangt, so glaubt Verf., dass. abgesehen von dem etwaigen Auffinden von specifischen Mitteln, das mehr oder minder ein Werk des Zufalls sein wird.„nach Kenntniss der Constitution der Toxine es ermöglicht sein wird, Atomgruppen dem kran- ken Organismus einzuverleiben, die sich mit den schädlichen Substanzen zu ungiftigen Verbin- dungen paaren. Am Ende des im Verein für innere Medicin gebaltenen Vortrages demonstrirte B. noch einen purgunderrothen Farbstoff, dessen Grundsubstanz von den Cholerabacterien geliefert wird.
Arzneimittellehre.
Weitere Mittheilungen zur physiologischen Co-
cainwirkung. Von Dr. Feinberg I. und Dr. Blumen- thal.(Berlin. klin. Wochenschrift, 1887.)
Aus den ziemlich zahlreichen Versuchen an Hunden ziehen die Verfasser folgende Schlüsse: 1. Cocain ist ein mächtiges Anästheticum.
2. Local applicirt, beschränkt sich die Anä- sthesie auf eine begrenzte, mit dem Cocain in Berührung gekommene Fläche.
3. Auf einen entblössten Nerven angebracht. pringt es locale Anästhesie mit Verbreitung der-
selben auf die Peripherie, während das centrale Ende und die Motilität unversehrt bleiben. 4. In einer Dose von ½— 1 gr beim Kanin- chen etwas mehr beim Hunde bringt Cocain Anästhesie der Cornea, Pupillendilatation, Retrac- tion der Augenlider, Exophthalmus hervor. 5. Respirationsstörung verschieden beim Kanin- chen und Hunde.
6. Coordinationsstörung in den Extremitäten bei beiden Thiergattungen.
7. Nach 1— 2gr des Mittels beim Kaninchen und bei 2— 3 gr desselben beim Hunde, stellen sich tonische und Flonische Krämpfe ein, die in der Mehrzahl der Fälle zum letalen Ausgange führen.
8. Die Krämpfe sind epileptiforme und sind von Bewusstseinsverlust begleitet.
9. Bei mittleren Posen ist der Primäreffect pei Hunden Excitation aller Sinnesorgane mit


