1. Oetober.
Thiermedicinische Rundschau etc. 7
und Chamberland wird jedoch behauptet, dass auch die Milzbrandbacillen in das Blut der Frucht um Uterus übergehen). 6. Thiere, welche durch Impfung Imunität gegen Milzbrand erlangt haben, sind nicht geschützt gegen Rauschbrand und um- gekehrt. 7. Das Blut der an Milzbrand gefallenen Thiere gerinnt in den meisten Fällen nicht voll- kommen, während das an Rauschbrand gefallener Thiere stets vollkommen gerinnt. 8. Bei den an Rauschbrand verendeten Thieren findet man bei der mikroskopischen Untersuchung regelmässig kleine, kurze, stets bewegliche Stäbehen. 9. Ebenso constant sind beim Rauschbrande die emphyse- matösen und hämorrhagischen Infiltrationen im Unterhautbindegewebe und der Muskulatur, da- gegen 10. fehlen beim Rauschbrande grosse Ver- änderungen im Magen und Darmkanale. Die
Punkte 7— 10 sind es besonders, welche(nach
Hafner) die Diagnose des Rauschbrandes sichern.
Ein bisher nicht beobachteter Parasit des Schafes.— Von Ebertz.—(Vierteljahrsschrift für gerichtl. Med., Bd., 47, S. 102).
Bei einem jungen Schafe zeigte sich Schwäche der Bewegungen, Muskelzittern, öfteres Nieder- stürzen, schlechte Enährung, Verlassen der Heerde und später Hustenanfälle. Nach dem Schlachten des Thieres hatte der betreffende Schlächter einen erst jüngst angestellten Fleischbeschauer des Ortes scherzweise mit der Untersuchung des Fleisches auf Trichinen peauftragt. beschauer entnahm Proben aus dem Zwerchfell, Lenden, Vorderschenkel und, weil sie krank aus- sah, auch von der Lunge. In den entnommenen Proben fanden sich zahlreiche Parasiten, welche besonders reichlich in den Theilen der Lunge vertreten waren, deren seröser Ueberzug getrübt und schwielig verdickt erschien. E. constatirte dann, dass die Parasiten eine grosse Aehnlichkeit mit frisch eingewanderten Muskeltrichinen pesassen. Sie waren fadenförmig, in verschiedenen Formen gewunden und verschlungen und zeigten lephafte
Der Fleisch-
schlängelnde Bewegung. Von Prichinen waren
sie durch die geringere Grösse, hellere Farpe und das Fehlen der bei starker Vergrösserung erkennbaren Querstreifung der Oberhaut, der Trichinen unterschieden. Geh. Bath Leuckart in Leipzig erklärte nach Untersuchung des ihm einge- schickten Präparates:„Der Parasit, um den es sich handelt, istder Jugendzustand entweder einer Filaria oder eines Strongyliden, eines Nematoden, der wahr- scheinlich bei dem Träger der Jugendform, also bei dem Schafe lebt und dann vivipar ist. Ich glaube nicht, dass der Wurm auf den Menschen übergeht, obwohl ich andererseits auch nicht gerade die Unmöglichkeit eines solchen Verhaltens
Die Entdecker nehmen
behaupten möchte. Jedenfalls ist das Vorkommen des Wurmes eine Bereicherung unserer helmin- thologischen Kenntnisse und von um so grösserem Werth, als die Krankheit des Schafes mit dem Parasiten in unverkennbarem Zusammenhange steht. E. empfiehlt sehr mit Recht, bei Krank- heitserscheinungen, wie die oben erwähnten, Fleisch und Eingeweide der betreffenden Schafe mikroskopisch untersuchen zu lassen bezw. Fütter- ungsversuche anzustellen, um vielleicht durch die let?teren Genaueres über die Uepertragbarkeit des Parasiten zu ermitteln.
Innere Medicin.
Zur Kenntniss der Aetiologie des Wundstarr- krampfes nebst Bemerkungen über das Cholera-
roth. Von Prof. Brieger in Berlin.(Deutsche med. Wochenschr. Nr. 15. 1887.)
Untersuchungen von Carle und Battone, Nicolaier und namentlich von Rosenbach haben sicher gestellt, dass der Tetanus durch anaerobe Mikroorganismen erzeugt wird. Der Erreger des Tetanus präsentirt sich als ein feines lineares Stäbchen, an dessen einem Ende sich ein anfangs noch färbbares Köpfchen, später eine noch kaum färbbare Spore befindet. Reineulturen konnten bisher noch nicht hergestellt werden. an, dass der Tetanus- bacillus ein chemisches Gift bilde, durch welches die fürchterichen Reizerscheinungen von Seiten des Nervensystems erst ausgelöst werden. Für diese Annahme spricht einmal, dass Bacillen im Körper von Thieren, die an künstlich erzeugtem Tetanus eingingen, wenig gefunden wurden, dass Rosenbach aus dem BRückenmark, den Nerven und den Muskeln tetanischer Kaninchen keine Bacillen unter sonst günstigen Bedingungen zu züchten vermochte.
Verf. wollte nun durch rein chemische Me- thode das Gift isoliren. Aus dem Fleischbrei von Tetanusculturen wurde ein giftiges Ptomain oder Toxin— von B. Tetanin— genannt, dar- gestellt. Wenige Milligramme dieses Tetanins rufen bei Thieren die gleichen Symptome hervor, wie sie Nicolaier und Rosenbach von ihren inficirten Thieren beschrieben haben. Die Starre geht auch bei diesen Versuchen von dem Orte aus, an dem das Tetanin zuerst eingedrungen ist.
„Die Lebensthätigkeit des Tetanusbacillus offen- bart sich nicht nur durch das specifisch wirkende Tetanin, sondern daneben werden in allerdings geringer Quantität noch andere Toxine geschaffen, die ebenfalls nur das Nervensystem als Angriffs- punkt erwählen. Die Natur ist eben sehr ver-
schwenderisch in ihren Gaben. Wie nun im


