6 Thiermedicinische Rundschau ete. 1887. No. 1.

sudat infiltrirt. Aus einer tiefgehenden Stich- wunde neben dem After rechterseits sickert schmutzig-röthliche seröse Flüssigkeit.

In der Bauchhöhle röthliche Flüssigkeit mit beweglichen kurzen Bacillen. Schleimhaut des Magen- und Darmkanals schmutzig-rothbraun berw. grau- oder gelbröthlich gefärbt, Mastdarm- schleimhaut geschwollen, blutig serös infiltrirt. Leber dunkelpraunroth, Leberzellen getrübt und geschwollen. Nieren auf der Schnittfläche dunkel- braunroth, Ephitel der Harnkanälchen im Zerfall begriffen. In der Brusthöhle und im Herzbeutel röthliches Exsudat mit kurzen, beweglichen Ba- cilen. Lungen mit dunkelrothen Flecken(2), Schleimhaut der Luftwege schmutzig-roth imbibirt.

Blut schmutzig braunroth, flüssig, kurze be- wegliche Bacillen enthaltend. Rothe Blutkörperchen im Zerfall begriffen, Samen röthlich.

Mit einigen Tropfen Blut dieses Pferdes wurde ein Kaninchen am 30. Oetober am Rücken und an den Ohren geimpft und starb am 2. November.

Section: An den Impfstichen am Rücken eingetrocknetes Blut, an den Ohren oedematöse Schwellung. Unterhautbindegewepe serös infiltrirt. Magen und Dickdarm röthlich hyperaemisch, Leber und Nieren blutreich.

In der Brusthöhle wenig wässerige Flüssigkeit. Im Blute und in den Exsudaten bewegliche Mikrococcen und kurze bewegliche Bacillen.

Mit Exsudat aus dem Bindegewebe das Kanninchens wurde ein Schaf am 3. November geimpft und fiel am 7. November.

Section: Supeutis mit röthlicher Flüssigkeit und Gasen(²) infiltrirt, Muskulatur an einzelnen Stellen durch- feuchtet, schmutzig-roth. Böthliches Exsudat in der Bauchhöhle, Brusthöhle und im Herzbeutel. Der Befund an den einzelnen Organen stimmt im Wesentlichen mit dem peim Pferde aufgenommenen überein. Im Blute, in den Exsudaten, in der Leber, den Nieren und Muskeln kurze bewegliche Baeillen; letztere zeigten sich in den serösen Höhlen länger als an anderen Stellen.

Mit einem Tropfen Blut aus dem Herzen des Schafes wurde am 8. November ein Meerschweinchen geimpft, welches am 9. November zu Grunde ging.

Section: Knisterndes Geräusch bei Druck auf die Haut. Subcufis und Muskulatur schmutzig rothbraun, gashaltig und serös-sulzig-infiltrirt. Leber und Nieren fettig degenerirt. Blut schmutzig praunroth. Bacillenbefund wie oben, ausserdem fanden sich noch bewegliche Coccen.

Mit einigen Tropfen Filtrats der getrockneten, mit Wasser verriebenen Muskeln, Milz und des Blutes des am 9. November gefallenen Meerschweinchens wurde ein Meer- schweinchen am 22. Decempber geimpft und starb nach 20 Stunden.

Section: Röthliches Exsudat an der Impfstelle, weit- verbreitete Gasansammlung in der Subeutis. Muskulatur am Oberschenkel dunkelbraunroth infiltrirt. Bewegliche Coccen und Bacillen vom halben bis 6 fachen Durchmesser eines rothen Blutkörperchens fanden sich auch hier wieder. Die kurzen Bacillen beweglicher als die längeren.

Auf Grund des Vorstehenden schliesst S., es mit Rauschbrand zu thun gehabt zu haben.

(Wenn wir auch die Richtigkeit des gezogenen Schlusses nicht bezweifeln wollen, so bleibt es doch mindestens auf- fallend, dass einmal die Destruction der Musculatur bei den Impflingen keine nennenswerthe gewesen zu sein scheint, und das ferner beim Impfling 1 und 2 die Incubations- dauer 4 Tage betragen hat, die sich sonst doch auf 12 pis 48 Stunden zu beschränken pflegt. Es ist bedauerlich, dass der Fall nicht durch Erzeugung von Reinculturen der specifischen Bacillen vollends klar gelegt worden ist).

W.

Pathologische Anatomie und Pathogenese.

Ueber die wesentlichsten Unterscheidungsmerk- male zwischen Mihkbrand und Rauschbrand. Von Ströbel-Ufenheim.(Woch. f. Thierh. No. 3 u. 4 1887.)

Ueber die Erscheinungen, den Verlauf und Ausgang, die Prognose, Therapie und Sections- erscheinungen hielt Bezirks-Thierarzt Ströbel- Uffenheim bei der Generalversammlung des thierärztlichen Kreisvereines von Mittelfranken einen eingehenden Vortrag und stellte als die wesentlichsten Unterschiedsmerkmale zwischen Milzbrand und Rauschbrand nach den An- gaben von Koch, Bouley, Hafner, Bollinger, Feser. Arloing, Cornevin, Thomas, Sie- damgrotzky, Pasteur, Semmer, Oemler u. A. folgende auf: 1. Der Milabrand ist wie der Rausch- prand parasitärer Natur, der erstere unterscheidet sich jedoch dadurch, dass seine Bakterien immer unbeweglich sind, während die Mikroben des letzteren sich lebhaft bewegen und schon im Thierkörper endständige Sporen tragen. 2. Das Milzbrandgift hat nach directer Einverleibung in die Blutgefässe und schon bei cutaner, wie sub- cutaner Impfung bei nicht immunen Thieren den PTod des betreffenden Individuums zur Folge; das Gift des Rauschbrandes hingegen, wenn es direct in eine Vene eingespritzt oder nur cutan geimpft wird, ohne in das umgebende Bindegewebe zu gelangen, zieht keine erheblichen Krankheitser- scheinungen nach sich, namentlich keinen Rausch- prand. Hieraus geht hervor, dass sich das Rausch- prandgift wesentlich anders verhält, wie das Milz- prandgift und gewöhnliches Fäulnissgift. 3. die Milzbrandpacillen sind im ganzen Organismus verbreitet, während die Rauschbrandmikroben in den localisirten Krankheitsprodueten concentrirt sind. 4. Bei der Impfung finden die Milzprand- pacillen einen sehr günstigen Boden und rapide Entwicklung im Organismus des Kaninchens und der Ratte, während diese Thiere gegen die Mi- kroben des Rauschbrandes sich absolut wider- standsfähig verhalten. 5. Das Milzbrandgift geht pei trächtigen Thiren nicht auf die Leibesfrucht über, während das Bauschbrandgift die Placenta passirt und bei dem Fötus analoge Veränderungen, wie bei der Mutter, hervorruft.(Von Straus