15. September.

Thiermedicinische Rundschau ete.

1 Jahr und aufje 1000 vorhandene Pferde, so kommt man zu folgendem Resultat:

Es sind pro Jahr auf 1000 vorhandene Pferde gezahlt worden

a) aus Provinzial, b) aus der c) zusam-

bezw. Communal- Staatskasse. men.

verbänden.

in Ostpreussen 380,24 M. 25.00 M. 105,24 M. Westpreussen Brandenburg. Berlin 0 Pommern 143,48 29,24 172,72 Posen Schlesien Sachsen. 8859 12, 15086 Schleswig-Holstein. Hannover 6 65 60 Westfalen 44 6 14870 Hessen-Nassau Rheinprovinz. Hohenzollern'sche Lande 94,84 0,46 95,30

Im Staat im Purchschnitt 155,28 M. 22,78 M. 178,06 M.

Hiernach haben die grössten Opfer pehufs Tilgung der Rotzkrankheit bringen müssen die Provinz

Posen mit 390,45 M. pro Jahr auf 1000 Pferde; 0 Stadt Berlin 22326 1000 Schlesien 6000

während die übrigen Provinzen unter dem Durch- schnitt von 155,28 M. geblieben sind.

Aus der Staatskasse wurden pro Jahr auf 1000 Pferde gezahlt in der Provinz

Rheinprovin 54,17 M. Posen 42,76 Pommern 2924 Schlesien 2 Hessen-Nassen 27,54 Ostpreussen 25,00 M., während

die übrigen Provinzen sämmtlich weniger als den Purchschnitt von 22,78 M. in Anspruch nahmen.

Verfolgt man die Fortschritte in der Tilgung der Rotzkrankheit in den einelnen Provinzen während der 10 Berichtsjahre. so lässt sich nicht verkennen, dass gerade diejenigen Provinzen den schnellsten und grössten Prfolg gehabt haben, welche die Staatskasse am stärksten in Anspruch genommen haben, besonders Ostpreussen, Posen, Pommern, Schlesien und die Rheinprovinz.

Im ganzen Staat wurden im Durchschnitt der 10 Berichtsjahre auf je 1000 vorhandene Pferde pro Jahr gezahlt

a) von den Provinzial- bezw. Comunalverbänden 155.28 M. b) aus der Staatskasse 22,78

Als Gesammtergebniss des vorliegenden statis- tischen Materials über die ersten 10 Jahre der Wirksamkeit des preussischen resp. des Reichs- viehseuchengesetzes ergiebt sich somit in Bezug auf die Rotzkrankheit, dass dasselbe pei Aufwendung einer verhältnissmässig geringen Summe, die noch zum allergrössten Theil von den Pferde- besitzern selber aufgebracht worden ist und von welcher der Staatskasse nur ein verschwindend kleiner Theil zur Last fällt, seinem Zwecke voll und ganz entsprochen hat. Die constante Abnahme der Erkrankungsfälle berechtigt zu der Annahme, dass die Rotzkrankheit in nicht allzu langer Zeit zu den verhältnissmässig selten vorkommenden Krankheiten gehören dürfte.

Zusammen 178,06 M.

eine Summe. die in Anbetracht des hohen Werthes, welchen der Pferdebestand des preussischen Staates repräsentirt, gewiss nicht als hoch petrachtet werden kann.

Pathologische Anatomie und Pathogenese.

Neuere Beobachtungen über den Uebergang pathogener Mikroorganismen von Mutter auf Kind(intrauterine lnfection). von Prof. O. Bollinger in München.(Schluss)

Hühnercholera. Die für die Kaninchen pathogenen Bacterien der Hühnercholera sind im Stande, die Placenta zu passiren, wie Strauss und Chamberland durch mikroskopische Unter- suchung und Impfung mit dem fötalen Blute nachgewiesen haben.

Kaninchensepticämie. Während Gaffky auf Grund eines negativen Resultates den Schluss z0g, dass eine Uebertragung der Septicämie-Bac- terien durch den Placentarkreislauf auf den Fötus nicht erfolge, kam Kroner unter Beopachtung aller Cautelen auf Grund einer grösseren Versuchs- reihe an trächtigen Kaninchen zu dem Resultate. dass die Kaninchensepticmie in der grossen Mehr- zahl sich intrauterin auf die Jungen überträgt, obwohl er die Bacterien niemals im fötalen Blute fand und seine Folgerungen auf die erfolgreichen Impfungen basirt.

Pyämie. Der Streptococeus der Pyämie geht intrauterin beim Kaninchen auf den Fötus über (Simone).

Tuberculose. Die Jungen von Versuchs- thieren, namentlich Meerschweinchen, die vor oder nach der tuberculösen Infection trächtig wurden, sind, wie Koch nachgewiesen hat, bei der Geburt niemals tuberculös und bleiben noch Monate lang gesund. ¹à) Wie Weigert berichtet, fand Jani in einem Falle von acuter allgemeiner Miliartuber- culose, in dem die Patientin im fünften Monat der Gravidität starb, in keinem Organ des Fötus

¹) Diese Erfahrung von Koch wurde bei Versuchen,

die im Winter 1887 von Hern. Dr. Hirschberger im Pathologischen Institut zu München angestellt wurden und

die demnächst veröffentlicht werden, mehrfach bestätigt.