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Thiermedicinische Rundschau etc.

1887. No. 23.

Arzneimittellehre.

Die subcutane Application von Abführmitteln bei

Haussäugethieren. von Prof. Dr. Ellenberger. (Arch. f. Thierheilk. Bd. XIII, 1. und 2. Heft.)

Um der jüngst durch Prof. Dieckerhoff in die Thierheilkunde eingeführten subcutanen Appli- cationsmethode von Abführmitteln eine breitere Basis zu verschaffen, veranlasste E. seine Assistenten Graaf und Kroppe, später den Prosector Edel- mann unter seiner Leitung mit verschiedenen Mitteln, die zum Theil erst per rectum applicirt wurden, Versuche anzustellen, deren Resultate wir nachstehend wiedergeben:

1. Das Aloin.

Von einer Lösung 1: 10 Glycerin traten beim Pferde nach Application von 2,0 Kolikerschei- nungen und schmerzhafte Anschwellungen an der Finstichstelle ohne Durchfall ein. Beim Schafe waren 0,1 bis 0,2 subcutan wirkungslos; per rectum verwendet erfolgte mehrmalige Pefaecation weicherer Faeces.

Für sich allein ist Aloin als Abführmittel zur subeutanen Injection bei Pferden und Widerkäuern ungeeignet.

2. und 3. Podophyllin und Podophyllotoxin.

1, 1,5 und 2 g einer spirituõsen Lösung(1: 10) von Podophyllin erzeugten bei Pferden Lähmung des Hintertheils, des Darmkanales und der Blase, sowie schmerzhafte oedematöse Anschwellungen an der Einstichstelle. Unter Sinken der Tempe- ratur, Beschleunigung und Kleinerwerden des Pulses erfolgte bei zwei Pferden der Tod fünf Tage nach der Injection.

Nach innerlicher Verabreichung von Podo- phyllotoxin stellte sich beim Hunde nach 0,01 Erbrechen, nach 0,013 Erbrechen und Durchfall (erst nach 3 Stunden) ein, während nach sub- cutaner Anwendung von 0,001 bei einem 2 kg schweren Hunde dieselben toxischen Erscheinungen mit letalem Ausgange, wie bei den Pferden nach Podophyllin, auftraten.

Erweiterung des Darmkanales(Darmlähmung) und starke venöse Stauung im Hinterleibe fand sich bei der Section der Pferde und des Hundes, pei diesem auch noch Gehirnoedem und Gastro- enteritis.

Wegen der unsicheren und erst sehr spät er- folgenden Apführwirkung und wegen der toxischen Figenschaften(Gegengift noch unbekannt) sind die Mittel nicht zu empfehlen.

4. Nitropentan.

Bei Hunden erfolgte erst nach 0,15 bis 0,2 g innerlich gesteigerte Defaecation, nach 0,3 g schon Vergiftungserscheinungen, wie Unruhe,

Krämpfe. Speichelfluss etc., dabei trat Koth- und Harnentleerung, aber kein Durchfall auf. Von der folgenden Schwäche erholten sich die Thiere erst nach einigen Tagen.

Gleiche Erscheinungen wurden nach subcutaner Anwendung beobachtet.

Bei Pferden waren O.1 0,3 g, bei Schafen 0,03 0,1 g subcutan applicirt wirkungslos.

Da selbst bei hochgradigen Vergiftungserschei- nungen noch keine eigentliche Diarrhoe auftrat, so ist das Nitropentan als Abführmittel nicht empfehlenswerth.

5. Coloeynthinum purissimum.

Innerlich gegeben(0,05 0,1 g) bedingte es 6 8 Stunden nach Verabreichung bei Hunden abführende Wirkung; nach subeutaner Injection spirituõser Lösung erfolgte Purchfall.

Nach Injection von 0,05 0,25 g trat bei Pferden noch keine Wirkung ein; nach 0,3 und 0,4 g Koth wasserreicher und öfter abgesetzt, dabei Unruhe und Drang zum Uriniren. An der Ein- stichstelle Anschwellung mit tiefer Abscedirung.

Nach 0,3 0,4 g per clysma bei Pferden wurde weicher Koth einige Male abgesetzt.

Bei Schafen bedingten Klystiere mit 0,1 bis 0,2 gesteigerte Peristaltik und wasserreiche Faeces. Subeutan wurden 0,005 0,09 g injicirt. Die kleineren Dosen waren wirkungslos; grössere von 0,5 g hatten Unruhe, häufiges Uriniren und Ab- setzen wasserreichen Kothes im Gefolge. Pie Wirkung trat aber erst nach einigen Stunden ein.

6. Colocynthidin(Citrullin). Das Mittel entfaltet, innerlich und per clysma

(0,2 0,02 g) gegeben, Abführwirkung. 0,005

bis 0,012 g subeutan angewandt, verursachte beim Hunde in der Regel keine Abführwirkung, wohl aber eine stark reizende örtliche Nebenwirkung.

Dasselbe wurde bei Pferden nach subeutaner Injection von 0,05 0,3 g beobachtet.

Bei Schafen erfolgte nach Klystieren mit 0,02 bis 1,5 g häufiger Kothabsatz, die subeutane Injection des Mittels blieb auch hier ohne Wirkung.

Demnach ist weder das Colocythin noch das Citrullin als selbständig wirkendes Abführmittel zu subeutaner Injection zu empfehlen.

7. Die Mittelsalze.

Die subeutane Anwedung von 0,1 1 g Natrium, Kalium und Magnesium sulfuricum bei Pferden, Schafen, Rindern und Hunden rief zwar bei einigen Thieren vermehrte Peristaltik hervor, die Wirkung ist jedoch eine so unsichere, dass eine reizende Einreibung in die Bauchwand der subeutanen Anwendung genannter Mittel vorzuziehen ist.