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Thiermedieinische Rundschau etc.

1887. No. 23.

die in Folge eines Karbunkels gestorben war, fand Sangalli im Blute des Fötus ebenfalls Milz- brandbacillen, während Morisani bei einer dem Ende der Gravidität nahen Schwangeren, die an Pustula maligna litt und die ein todtes Kind gebar, den Fötus frei von Bacillen fand. Die der grossen Mehrzahl der früheren Beobachter widersprechenden Resultate von Kubassoff, wel- cher bei seinen Versuchen an Meerschweinchen fand, dass die Milzbrandbacillen stets von der Mutter auf den Fötus übergehen, sind so auf- fallend, dass dieselben einer besonderen Erklärung bedürfen. Da Kubassoff ausdrücklich post- mortale Veränderungen als Ursache seiner ab- weichenden Befunde ausschliesst, so wäre, die richtige Ausführung der Versuche vorausgeset?t, an eine besondere individuelle Disposition seiner Versuchsthiere oder an Blutextravasate in der Placente zu denken. Auf alle Fälle gehören die Milzbrandbacillen zu jenen Mikro- phyten, welche in der Begel die Placenta trächtiger Thiere nicht passiren, woran theils ihre Grösse, theils auch der rasche Verlauf des Impfmilzbrandes betheiligt sein mögen. Im Ubrigen

sei daran erinnert. dass die Bacillen beim Milz-

prand nur im Innern der Blutgefässe und nur bei Ruptur derselben extravasculär in den un- mittelbar angrenzenden Geweben sich vorfinden.

Rauschbrand. Nach Versuchen von Arloing, Cornevin und Thomas gehen die Bacillen des Rauschbrandes(Charbon symptomatique) in das fötale Blut über.

Rotz. Die klinischen Erfahrungen, wonach rotzige Stuten entweder gesunde Fohlen gebären können oder auch mit Rotz behaftete Fohlen zur Welt bringen, sind experimentell bestätigt worden. Löffler Konnte pbei einem trächtigen Meerschwein- chen, welches mit Rotzpacillen geimpft worden war, dieselben Bacillen im Fötus nachweisen. In ähnlicher Weise konnten Cadéac und Malet, die an Fseln, Hunden und Meerschweinchen Ver- suche anstellten, nachweisen, dass die Jungen rot?kranker Mutterthiere nur selten(unter 13 Ver- suchen 2 mal) rotzkrank geboren werden.

Wuthkrankheit. Den ganz verein?elten Fällen, wo sich die Wuth von Mutterthieren auf deren Junge übertrug, reiht Perroncito neuer- dings eine analoge experimentelle Erfahrung an: Pin nach der bekannten Pasteur'schen Methode mit Wuthgift geimpftes trächtiges Kaninchen gebar nach fünf Tagen 4 Junge, von denen eines kurze Zeit lebte. Vier Tage nach der Geburt starb das Mutterthier, mchäem es die Symptome der Wuth gezeigt hatte. Mit dem verlängerten Marke von zwei Föten wurden zwei Meerschweinchen geimpft und zwar je eines mit dem Marke eines der peiden Thiere. Nach circa 8 Tagen starb eines der

geimpften Meerschweinchen unter den Symptomen der Wuth, während das andere gesund blieb. Von dem verstorbenen Meerschweinchen wurden zur Sicherstellung der Diagnose zwei weitere Meerschweinchen und ein Kaninchen geimpft, die alle nach 7 11 Tagen an Wuth zu Grunde gingen. Sollten sich diese Versuche bestätigen, so würde sich das Wuthgift insofern dem Milzbrandgift ähn- lich verhalten, als von mehreren Föten desselben Mutterthieres ein Theil intrauterin inficirt wird, während der andere Theil verschont bleibt. Aehn- liche Beobachtungen wurden auch bei Variola des Menschen gemacht, wo von Zwillingen nur einer oder bei Prillingen nur zwei Kinder intra- uterin inficirt wurden(Kaltenbach). Lydtin berichtete(1876) einen Fall, wo eine trächtige, von einem wüthenden Hunde gebissene Stute während der Incubation ein gesundes und in der Folge auch gesund gebliebenes Fohlen warf. Dass die Incubationsperiode, namentlich eine so langdauernde wie bei der Wuth, in Bezug auf intrauterine Infection sich anders verhält als das Stadium des Ausbruchs oder der Acme, liegt auf der Hand.

Typhus. Eine intrauterine Uebertragung des

yphus kann meist nur insofern in Frage kommen,

als typhuskranke Schwangere in der Mehrzahl der Fälle(63 Proc.) abortiren. Die sehr nahe- liegende Annahme, dass ähnlich wie bei con- genitaler Syphilis die Früchte in solchen Fällen intrauterin durch das Typhusgift inficirt werden können, wurde durch Neuhauss wenigstens in einem Falle bestätigt. Derselbe war im Stande, in dem viermonatlichen Fötus einer typhuskranken Patientin, die am vierten fieberfreien Tage abor- tirte, in Lunge, Milz und Nieren Typhusbacillen nachzuweisen. Bekanntlich führen die Infections- krankheiten überhaupt ziemlich häufig zu vor- zeitiger Unterbrechung der Schwangerschaft durch Aportus oder Frühgeburt. In solchen Fällen ist immer zu untersuchen, ob der Fötus von der Mutter aus inficirt wurde oder nicht: dass vor- zeitige Unterbrechung der Schwangerschaft auch

durch hohe Temperaturen der Mutter und ander-

weitige Factoren herbeigeführt werden kann ohne jede Infection des Fötus, ist vielfach con- statirt worden und soll hier nur berührt werden.

Recurrens. Den intrauterinen Uebergang von Recurrens-Spirillen auf den Fötus haben Spit? und Albrecht constatirt.

Oholera. Tizzoni und Cattani wollen die Uebertragung der Cholera von der Mutter auf den Fötus beobachtet haben. In dem betreffenden Falle erfolgte am dritten Tage nach der Er- krankung der Mutter die Frühgekurt eines gut entwickeſten 5 monatlichen Fötus, der 20 Stunden später zur Untersuchung kam. An Stelle des