1. September.
Thermediciinische
Rundschau ete.
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gewendet. Mastdarmschleimhaut vorgewulstet, dunkelroth, mit Blutgerinsel bedeckt. Scheiden- schleimhaut gleichfalls vorgedrängt und stark ge- röthet.
An der höchsten Stelle des Widerristes sind die Haare im Umfange eines silbernen Fünfmark- stückes angesengt. Von hier aus sicht man auf jeder Körperhälfte 2 etwa 1 em breite, durch Ansengung der Haare entstandene, unregelmässige Striche entspringen, von denen rechterseits der eine auf die Schulter hinabläuft, während der andere über die Rippen nach der Hinterbacke sich verfolgen lässt. Jede dieser Linien verläuft unregelmässig, theilt sich stellenweise, um sich aber bald wieder zu vereinigen, ist bald sehr deutlich, pald etwas weniger deutlich ausgeprägt. Der vordere Strich theilt sich am oberen Ende der Schulter in mehrere Stränge, die bald wieder zu 2 Hauptsträngen vereinigt, vor und hinter der Schulter liegen, sich an der inneren Fläche des Vorarms wieder zusammen finden und dann an der inneren Seite des Vorderschenkels bis auf den Huf verlaufen.
Die nach hinten strebende Linie geht quer
über die Hinterbacke bis an die innere Fläche des Hinterschenkels und an dieser hinab bis zum Hufe.
Beim Umwenden des Cadavers zeigt sich,
dass die beiden Linien auf der linken Körperseite An den
in ziemlich ähnlicher Weise verlaufen. inneren Flächen der 4 Schenkel sind fast alle Haare angesengt.
Nach Abnahme der Haut waren an dieser sowohl als auch am Unterhautbindegewebe im Verlaufe der Hauptlinien Blutaustretungen nach- zuweisen. Am stärksten waren diese an den Stellen vorhanden, wo sich Stränge wieder ver- einigten. Hier waren auch die zunächst gelegenen Muskeln blutig durchtränkt. An den Eingeweiden war nichts Abnormes wahrzunehmen.
Pathologische Anatomie und Pathogenese. Meuere Beobachtungen über den Uebergang
pathogener Mikroorganismen von Mutter auf
Kind(intrauterine Infection). von Prof. O. Bollinger in München. ¹)
Durch eine Reihe früherer Versuche ist der Nachweis geführt, dass gelöste Stoffe(z. B. Jod- kalium, Salicylsäure, Ferrocyankalium) ebenso wie gasförmige Körper(Chloroform, Kohlenoxydgas) fast ausnahmslos in relativ kurzer Zeit— schon nach einer Viertelstunde von dem mütter- lichen Organismus auf den Fötus übergehen.
¹) Münch. med. Wochenschrift.
Dagegen ist der Uebertritt geformter Körper wohl möglich, aber kein constantes Vorkommniss: So fand Pyle nach Injection von Ultramarin ins Mutterthier unter 61 Früchten 46 mal die fötalen Gewebe mit blauen Körnchen durchsetzt.
Durch den vor Kurzem von Waldeyer ge- führten Nachweis, dass die mit Endothel aus- gekleideten Zwischenzottenräume der menschlichen
Placenta mütterliches Blut enthalten, dass also die Fötalzotten unmittelbar in das mütterliche Blut eintauchen ist der intrauterine Uebergang corpusculärer Stoffe Sowie der pathogenen Mikro- organismen von der Mutter auf das Kind unserem
Verständniss näher gerückt.
In Folgendem soll der Versuch gemacht wer- den, die in neuerer Zeit bei den verschiedenen Infectionskrankheiten in dieser Richtung gemachten Erfahrungen in Kürze zusammenzustellen.
Milzbrand. Durch eine Reihe von Versuchen (Brauell, Davaine, Koch, Bollinger) war schon vor längerer Zeit der Nachweis geführt worden., dass die Placenta anthraxkranker Thiere— Pferd, Schaf, Meerschweinchen— einen physio- logischen Filtrirapparat darstellt, welcher den Uebertritt der Anthraxbacillen von dem mütter- lichen Organismus auf den Fötus verhindert.— Feser constatirte sogar, dass ein kräftig ent- wickeltes Lamm, welches von einem an Milzbrand erkrankten künstlich inficirten Mutterschaf kurz vor dem Tode gesund geboren wurde, bei künst- licher Ernährung vortrefflich gedieh und heran- wuchs; der Milzbrand des Mutterthieres wurde in diesem Falle nicht bloss durch die Section con- statirt, sondern auch erfolgreich weitergeimpft.— In ähnlicher Weise hatte M. Wolff, als er trächtige Kaninchen mit Milzbrand infieirte, bei der Unter- suchung der Föten nur negative Resultate zu ver- zeichnen. Ebenfalls bei Kaninchen gelang es v. Fodor, aus zwei Embryonen Milzbrandbacterien zu züchten, so dass er einen Uebergang der Bacillen von der Mutter auf den Embryo für möglich hält.— Ferner haben Strauss und Chamberland ge- funden, dass die Placenta nicht in allen Fällen
eine Scheidewand gegen den Uebertritt von Milz- brandbacillen in die fötale Blutbahn bildet. Strauss und Chamberland gelang es niemals. Milzbrand- bacillen in den fötalen Organen nachzuweisen;
ihre positiven Ergebnisse stützen sich auf Gultur-
versuche und Weiterimpfungen; wahrscheinlich waren die Bacillen nur in minimaler Menge im fötalen Blute vorhanden. Von den genannten Forschern wurde ferner in Uebereinstimmung mit Perroneito die interessante Thatsache festgestellt, dass das Milzbrandgift intrauterin auf einen Fötus desselben Mutterthieres übergeht, während ein anderer oder die anderen Föten ganz verschont
bleiben können.— Bei einer schwangeren Frau.


