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Thiermedicinische Rundschau ete.

1887. No. 23.

dass der Herzschlag schon wenige Minuten nach der Beibringung des Medicaments schneller und überaus kräftig wird und der Puls sich dement- sprechend in der Frequenz steigert, in der Wellen- höhe sehr deutlich bebt. Das Arterienrohr erscheint

dabei stark gefüllt und stärker als normal gespannt. Bei dem einen der mit dem Mittel behandelten

Pferde, einer zwar sehr kräftigen, aber weniger als mittelgrossen älteren Schimmelstute, machte ich die Beobachtung, dass nach der zweiten In- fusion ein Zustand ausgesprochener Berauschung eintrat, welcher sich nicht nur durch Erschei- nungen der Depression in der sensoriellen Sphäre, sondern auch durch Herabsetzung der Sensibilität und Störungen im Bereiche des Bewegungsappa- rates zu erkennen gab. Was die letztgedachten Anomalien anlangt, so trat namentlich eine Schwäche der Hinterhand in der Weise in die Erscheinung, dass das auf einem freien Platze lose an der Trense gehaltene kranke Thier nach der linken Seite zu umzufallen drohte und sich davor nur durch fortgesetztes Seitwärtstreten mit dem Hintertheil nach der angegebenen Richtung hin zu schützen vermochte. Der Effect dieser Bewegung musste natürlich der sein, dass Patient mit der Hinterhand ganz langsam, aber ununter- brochen, Kreise peschrieb um einen Mittelpunkt, innerhalb dessen sich die vorderen Gliedmassen des Thieres in entsprechend verzögertem Tempo drehten. Auf gerader Linie fortbewegt, verrieth das Thier indess nur eine Unsicherheit der Hal- tung und des Ganges, bei welcher sich die Be- wegungsorgane in ziemlich gleichem Grade sich petroffen zeigten. Nach etwa einer Stunde waren die Symptome der Betäubung verschwunden; letꝰtere hatte ihren Ursprung in einer etwas zu hoch be- messenen Dosis, vielleicht auch darin, dass die zweite Infusion der ersten schon nach Ablauf von ca. 15 Minuten folgte. Die jedesmalige Gabe des Mittels betrug in diesem Falle gut 16 17 g. Dosen bis zu 15 g dürfen gegeben werden, ohne den Eintritt von störenden Zufällen der eben er- wähnten Art befürchten zu müssen. Grosse Thiere werden auch grössere Mengen Aether vertragen, ohne in Betäupung zu verfallen; zu berücksich-

tigen bleibt hierbei aber, dass der Arzneikörper bei 35,5 0 C. bereits ins Sieden kommt, also schon bei der Temperatur des Parmes in die Dampfform übergeht, wodurch eine vorhandene Tympanitis leicht eine plötzliche gefahrdrohende Steigerung erfahren könnte.

Die günstige Wirkung des Schwefeläthers gegen Aufblähungszustände mag einerseits durch chemische Zerset?ung und Bindung von Parm- gasen eintreten, sie wird andererseits darauf be- ruhen, dass in Folge der gesteigerten Propulsiv- kraft des Herzmuskels die Blutcirculation reger wird und sich hierdurch die Bedingungen für die im Darmrohr stattfindende Absorption von Gasen günstiger gestalten. Fin gar nicht unerheblicher

Antheil an dem Zustandekommen des Heileffekts

muss übrigens auch der physiologischen Erregung der Darmmuskulatur zuerkannt werden, welche durch die Anwendung des Schwefeläthers mit be- dingt wird. Das steht so ausser Zweifel. dass man das Mittel auch gegen jene Kolikfälle mit Vortheil wird benutzen können, bei welchen die Bekämpfung tympanitischer Erscheinungen nicht gerade als die Hauptaufgabe des Therapeuten zu betrachten ist.

Die Anwendung des Schwefeläthers per os hat mir bis dahin wenigstens bei Pferden stets weniger günstige Prfolge als die viel be- quemere und dabei ganz gefahrlose Application des Mittels in den Mastdarm ergeben.

Es mag das seinen Grund darin haben, dass bei diesen Thieren die Umsetzungsvorgänge, welche zur Entwickelung grosser Gasmengen zu führen vermögen, vorzugsweise in den vom After her directer als vom Maule aus und deshalb auch sicherer zu erreichenden Dickdärmen zum Ablauf gelangen.

Die blähungswidrige Wirkung des Schwefel-

äthers ist den Thierärzten übrigens seit vielen

Decennien bekannt; es ist dieselbe mit Rücksicht auf Pferde in den letzten Jahrzehnten aber wenig in Anspruch genommen, wahrscheinlich weil der mit der vorzugsweise peliebten Einverleibung des Mittels durch das Maul verbundene Erfolg mur selten befriedigte.

Tod durch Blitzsdhlag bei einem Pferde.

Von H. Schmidt, Departementsthierarzt in Buxtehude.

Am 23. Mai v. J. kam gegen Abend in hiesiger Gegend ein ziemlich starkes Gewitter zum Aus- pruch. Auf einer Gutsweide in der Nähe von Buxtehude wurde am anderen Morgen vom Be- sitzer eines seiner Pferde todt vorgefunden. Ich wurde alsbald ersucht, die Todesursache festzu- stellen, und fand dabei im Wesentlichen folgendes:

Cadaver liegt auf der linken Körperseite und ist stark aufgetrieben. PTodtenstarre gut aus- geprägt. Schenkel gestreckt; die oberen stehen

wagerecht; die Hufe derselben etwa 1 Fuss vom Erdpoden entfernt. Schneidezahngebiss geschlossen. Augenlieder halb geöffnet. stark geröthet.

Conjunctiven ziemlich Der Schweif ist nach dem Rücken