15. August.
Thiermedicinische
Rundschau etc.
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den Untersuchungsresultate vorläufig noch zu wenig zuverlässige Anhaltspunkte bieten, um für unsere practischen Zwecke verwerthet werden zu können. Glücklicherweise sind wir denn auch in der Lage, die Frage der Lungenseuche-Impfung ohne bacteriologische Forschungen weiter studiren zu können. So hat ja auch die Pockenimpfung des Menschen schon seit Jahrzehnten ihre Seg- nungen über die Menschheit verbreitet, ohne dass der Erreger fraglicher Krankheit bis jetzt sicher erkannt worden ist. Die bacterioskopische Forschung ist nicht Jedermanns Sache. Soll diese neue Dis- ciplin zunächst nicht allzu grosse Verwirrung an- richten, sondern den ruhigen und besonnenen Fortschritt der Wissenschaft und Praxis fördern, 8o ist es unbedingt nothwendig, dass dieselbe von besonderen Specialisten, welche nicht nur die ein- schlägige Technik beherrschen, sondern auch die erforderliche Ruhe und Objeetivität besitzen, um ihre Untersuchungsresultate richtig interpretiren und an den klinischen Thatsachen prüfen zu können, schrittweise weiter entwickelt wird. für diesen neuen Forschungszweig geeigneten Institute und Mittel zu schaffen ist Sache des Staates; an den Universitäten, Veterinär-Instituten und an anderen der naturwissenschaftlichen For- schung dienenden Hochschulen sind die Aussichten für deren Gedeihen jedenfalls am günstigsten. Vorläufig erscheint es rathsam, diese Seite der Frage bei unsern Versuchen als Nebensache zu behandeln und uns zunächst lediglich der klinischen Seite derselben zuzuwenden.
Die Versuche, welche erforderlich sein werden, die Lungenseuche-Impffrage für die practischen Zwecke gründlch zu erforschen, werden einige Jahre Zeit und ein entsprechendes Geldopfer er- fordern, das jedoch im Verhältniss zu dem in Aussicht genommenen Ziele als ein unbedeutendes betrachtet werden kann. Wenn man nur ½ bis 1 Procent der Durchschnittssumme von 200 000 MK., welche in den letzten 10 Jahren alljährlich aus der Provinzialkasse als Entschädigung für lungen- seuchekrankes, auf polizeiliche Anordnung ge-
Die
tödtetes Rindvieh gezahlt worden ist, also 1 bis 2 Tausend Mark jährlich für fragliche Versuche aufbrächte, so würde man vielleicht in wenigen
Jahren dahin gelangen, den Kampf gegen die
Lungenseuche mit weit geringeren Mitteln und mit weit besserem Erfolge auch in landwirth- schaftlichen Fabrikgegenden durchführen zu können.
Die Versuche zur Prüfung des Werthes der Schutzimpfung dürften am einfachsten und pilligsten ausgeführt werden in einem seuchenfreien Rind- vichbestande eines nicht verseuchten Districtes unserer Nachbarschaft, wofür der betreffende Eigenthümer natürlich in angemessener Weise entschädigt werden müsste. Die Prüfung der
Impflinge auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Wirkung des Lungenseuchegiftes kann dann später an Ort und Stelle event. durch eine Triel- impfung und demnach in verseuchten Stallungen erfolgen.
Der Werth etwaiger Nothimpfungen nach dem vervollkommneten Impfrerfahren würde na- türlich nachher wie vorher nur in bereits infi- eirten, oder direct durch Lungenseuche bedrohten Viehbeständen festgestellt werden können.
Da eine Sparsamkeit am unrechten Orte zur grössten Verschwendung werden kann, so ist nicht zu verkennen, dass die Inhaber landwirth- Schaftlicher Fabrik-Wirthschaften ihre eignen Interessen nur schädigen würden, wenn sie die erforderlichen Mittel nicht bewilligen wollten, um dem Antrage das Tractandum 4 in Rede stehen- der Tagesordnung gerecht zu werden. Wohl alle Vereinsmitglieder werden der Meinung sein, dass tolche Versuche eigentlich schon früher hätten angestellt werden sollen, weshalb die gebotene Gelegenheit nicht versäumt werden darf, das in dieser Angelegenheit bis jetzt Versäumte mög- lichst nachzuholen.
Nach Professor Dr. Püt?z sprach der Correfent, Herr Amtmann Lüpke, sich in ähnlichem Sinne aus, indem er gleichzeitig einige Mittheilungen über die im Kreise Neuhaldensleben aus Vereins- mitteln gewährten Entschädigungen bei Verlusten in Folge der Lungenseuche-Impfung machte.
Herr Veterinär-Assessor Steffen-Magdeburg erklärte, dass er kein Impfgegner sei und die Bewilligung reichlicher Geldmittel für fragliche Versuche empfehle.
Herr Amtsrath Säuberlich-Gerlebogh machte Mittheilungen über seine nunmehr 35 Jahre lang fortgesetzten Lungenseuche-Impfungen, durch welche er die Verluste durch fragliche Krankheit wesentlich beschränkt habe.
Herr Landrath v. Nathusius-Althaldensleben empfahl, im Finvernehmen mit den beiden Refe- renten. Punkt a und b des Tractandums 4 anzu- nehmen, dagegen Punkt e für spätere Zeiten zu vertagen.
Die Versammlung beschloss demgemäss mit Stimmeneinheit und beauftragte den Vorstand mit der Ausführung ihres Beschlusses.
„Damit ist endlich der Weg der exacten Forschung betreten, auf welchem die so lang und so heiss umstrittene Frage der Lungenseuche- Impfung hoffentlich bald zur Entscheidung kommen wird. Welcher Nutzen daraus dem Nationalver- mögen erspriessen wird, ist a priori nicht an- nähernd zu taxiren, nur so viel ist sicher, dass derselbe ein sehr bedeutender sein muss, wenn die Versuche den auf sie gesetzten Erwartungen einigermassen entsprechen.“


