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Thiermedicinische Rundschau ete.
1887. No. 22.
ferner zu berücksichtigen, dass die seither bei der Lungenseuche-Impfung verwendeten Instrumente (Spritze und Impfnadeln) keine ausreichende Ga- rantie dafür bieten, dass ein bestimmtes Quantum Lymphe an der Impfstelle in das Unterhautbinde- gewebe gelangt. Die Impftechnik hat in neuerer Zeit einige Fortschritte gemacht, die zum Theil bei der Lungenseuche-Impfung verwerthet werden können. Die Impfspritze, welche für die Rausch- brandimpfungen verwendet wird, eignet sich meiner Meinung nach auch für die Lungenseuche-Impfung sehr gut, da sie eine sichere Controle ermöglicht. dass ein ganz bestimmtes Quantum Lymphe durch die Impfwunde in das Unterhautbindegewepe ein- geführt wird. Keins von den seither gebräuch- ſichen Impfinstrumenten gestattet eine solche Kontrole, die doch unbedingt nothwendig ist, wenn man den Impferfolg möglichst sichern will. Die in Holland meist gebräuchliche Impflancette erscheint epenfalls als ein nicht genügend zuver- lässiges Instrument. Man darf wohl annehmen, dass die dort erzielten guten Impferfolge noch glänzendere gewesen sein würden, wenn eine ähnliche Spritze, wie die jetzt für die Rausch- brandimpfungen gebräuchliche, zur Verwendung gekommen wäre. Diese Spritze fasst genau 5 Gramm Wasser; ihr Stempel ist durch 4 Theil- striche in 5 gleiche Theile getheilt, die in der Mitte abermals durch Querstriche in 2 gleiche Hälften zerlegt sind. Fin am Stempel befind- licher Läufer, welcher jenen in seiner ganzen Länge in engen Spiraltouren zu umkreisen ver- mag, also peſiebig gestellt werden kann, macht es möglich, sehr genau das Quantum Lymphe zu bestimmen, welches man jedem Impfling mittelst einer mit der Spritze zu verbindenden Hohlnadel einverleiben will.
Für heute mag die kurze Andeutung dieser Gesichtspunkte genügen, nach welchen die be- treffenden Versuche sich zu richten haben würden. Von psonderen bacterioskopischen Vorkehrungen kann dabei ganz Abstand genommen werden, da dieselben nur eine secundäre Rolle spielen und soweit solche etwa wünschenswerth erscheinen
sollten, anderswo ihre Erleledigung finden könnten.
Die seither angestellten bacteriologischen Unter- suchungen sollen jedoch nachstehend kurz ange- führt werden. FEs haben sich mit solchen in
einigermassen nachdrücklicher Weise beschäftigt:
Pasteur in Paris, Dr. BRobert Koch in Berlin, Bruylants und Verriest, Professoren an der Uni- versität in Löwen, Professor Lustig in Hannover, Impfthierarzt Poels und Dr. med. Nolen in Rotter- dam, sowie Dr. van Kleef, die Thierärzte A. J. und L. Th. Janné in Mastricht.
Nur die holländischen Forscher sind zu Re- sultaten gelangt, welche ihrem wesentlichsten In- halte nach hier kurz angegeben werden sollen.
Poels und Dr. Nolen haben in den ent- sprechenden Produkten der Lungenseuche des Rindviehs einen Micrococcus gefunden, der in piologischer Hinsicht mit dem Friedlaender'schen Micrococcus der erupösen Pneumonie überein- stiwmt; derselbe kommt in den Exsudaten der Lungen und des Brustfelles in grosser Menge vor und kann auf Blutserum pei 370 C weiter gezüchtet werden. Wird mit Reinkulturen die Schwanzimpfung ausgeführt, so entsteht regel- mässig eine geringe. entzündliche, immer gut- artige Anschwellung. Aus der Impfstelle können die Microcoecen weiter kultivirt werden, was aus pösartigen Impfschwellungen, die stets durch andere Spaltpilze hervorgerufen werden, nie ge- lingt. Die mit solchen Reinkulturen geimpften 100 Versuchsrinder widerstanden sämmtlich im Spoelingsdistricte der Infectionsgefahr und pei keinem derselben entwickelten sich nach und in Folge der Impfung irgendwelche schwere lokale oder allgemeine Krankheitserscheinungen. Eine In- jektion solcher reinkultivirten Micrococcen verur- sachte pei einem Binde nach 7 Tagen ausgebrei- tete pneumonische Veränderungen.
In dem aus den Lungen lungenseuchekranker Rinder entnommenen Impfmaterial finden sich neben den Microcoecen stets eine Anzahl Stäb- chen, welche sich in der Lymphe bald vermehren und die bösartigen Impfschwellungen verursachen. Peshalb wirkt ganz frische Lymphe immer milder, als einen oder mehrere Tage alte LVmphe. Im Exsudate des Brustfelles fehlen zunächst die Stäbchen, während die Lungenseuche- Microcoecen in demselben reichlich vorhanden sind. Ganz frisches, mit der nöthigen Vorsicht und Reinlich- keit gesammeltes Impfmaterial aus dem freien Raume der Brusthöhle liefert deshalb sehr günstige Impfresultate.(Verslag aan den Koning van de Befindingen en handelingen van het veeartsenij- kundig Staatstoezicht in het Jahr 1885. Te's Gravenhage 1886. 8S. 114 bis 125.)
In dem vorhin angegebenen Berichte an den König der Niederlande haben auch Dr. van Kleef und die beiden Thierärzte Janné ihre gewonnenen Resultate mitgetheilt(S. 104— 112), welche indess in ihrem bacteriologischen Theile mit den An- gaben der Herren Poels und Nolen nicht über- einstimmen, weshalb diese Angaben mit grosser Vorsicht aufzunehmen sind.(S. 110 l. c. sagen die Mastrichter Berichterstatter, dass eine künst-
liche Kultur des Lungenseuchegiftes ausserhalb
des Thierkörpers vorläufig nicht möglich sei: sie stützen diesen Ausspruch einestheils auf ihre eignen Versuche, anderntheils auf die bezüglichen negativen Resultate Pasteur's zu Paris und Koch's zu Berlin.
Auf diese pacterioskopischen Studien soll hier nicht näher eingegangen werden, da die betreffen-


