15. August.
Thiermedicinische Rundschau ete.
wirthen wohl wolle. Er sei ursprünglich ein Gegner des Seuchengesetzes gewesen und habe nicht geglaubt, welchen Vortheil es nun thatsäch- lich geschaffen habe. Im Fehrbelliner Ländchen sei die Lungenseuche ganz verschwunden seit der Purchführung des Gesetzes. Auch die Perlsucht werde verschwinden, wenn man das vorgeschlagene Gesetz habe.
Prof, Orth meint, sein Vorschlag sei durch- aus nicht so unausführbar, er habe sich schon vor 6, 8 Jahren mit der Sache practisch be- schäftigt und auch mit Mechanikern die Angelegen- heit erörtert.
Prof. Alex. Müller meint, dass es sich doch vielleicht der Mühe lohne. Versuche anzustellen. ob sich nicht ein specifisches Gift gegen die Perl- sucht ausfindig machen lasse, wie es beispiels- weise Kusso gegen den Bandwurm sei? Man müsse doch auch erwägen, dass verschiedene Gifte ganz verschieden auf die Organismen wirken; so verweise er auf einen Fall, wo Strychnin von Motten— ob es gerade zoologisch richtige Mot- ten gewesen, wolle er dahin gestellt sein lassen— ohne schädliche Wirkung aufgefressen worden sei. Er wolle ferner fragen, ob bereits Versuche da- rüber angestellt seien, in welchem Alter die Thiere am empfänglichsten gegen die Ansteckung seien und wie es speciell in der Kolostrumzeit ist? Da die Bacillen nach des Vortragenden Ausführungen nur bei 320 C. keimfähig bleiben, so würde folgen, dass bei einer niedrigen Temperatur Milch und Butter frei sein müssten von lebenden Bacillen.
Prof. Dieckerhoff erklärt nochmals, dass seiner Ansicht nach die Perlsucht niemals mit Medikamenten geheilt werden könne, weil sich die Bacillen in derben und käsigen Herden ausser- halb des Stoffwechsels befinden. Was die zweite Frage anbetreffe, so seien nach den pisherigen practischen Erfahrungen vorzugsweise die älteren Kühe der Tuberkulose unterworfen, Färsen und Kälber weniger. Er habe freilich auch schon vierwöchentliche kranke Kälber gesehen, die wahr- scheinlich durch den Genuss pacillenhaltiger Milch angesteckt seien. Die Frage bezüglich der kalt gewordenen Milch sei noch nicht geprüft, aber practisch ohne Bedeutung, denn wenn die Milch virulent sei, würde sie durch die niedrige Tempe- ratur doch nicht desinficirt. Die Vegetationsfähig- keit der Bacillen werde durch die Kälte nur ge- hemmt, könne sich aber bei der Erhöhung der Temperatur und unter sonst zutreffenden Be- dingungen wieder einstellen.
Infectionskrankheiten.
Der heutige Standpunkt der Lungenseuche- Impfung nach den seitherigen Ergebnissen der praktischen Erfahrung und der experimentellen
Forschung. Von Pütz. Eeitschrift des landwirth- schaftl. Central-Vereins der Provinz Sachsen, Heft 4, S. 1— 11, 1887.)(Schluss.)
Das Rauschbrandgift kann man durch ein- faches Trocknen auf flachen Schüsseln oder Glas- platten bei 30— 350 C für einige Jahre gegen Verderbniss und Verlust seiner Wirksamkeit schützen. Da man in Holland(staatl. Impfthier- arzt Poels und Pr. Nolen) festgestellt hat, dass das Lungenseuchegift am reinsten in dem Exsudate des Brustfelles enthalten ist, so wäre vorzugs- weise dasselbe zu sammeln und für die Impfung zu präpariren. Es muss dies in einer Weise ge- schehen, bei welcher jede Verunreinigung der Lymphe möglichst ausgeschlossen ist. Sobald diese gerinnt, ist der wirksame Impfstoff weitaus
zum grössten Theile in dem geronnenen und viel
weniger in dem flüssigen Theile des Exsudates enthalten. Man würde demnach den seither be- folgten Modus der Lymphebereitung ganz zu verlassen haben, event. den geronnenen Theil des Exsudates durch vorsichtiges Trocknen zu kon- serviren suchen und den flüssigen Theil sofort verimpfen können, oder unter Vermeidung jeder Verunreinigung in sterilisirte Pipetten überführen und aufbewahren, falls die Trocknung der ge- ronnenen Bestandtheile der Lymphe sich nicht bewähren sollte. Auf diese Weise gesammelte Lungenseuchelymphe soll eine milde Wirkung haben und an einem kühlen Orte, gegen Licht geschützt, über einen Monat lang sich aufbe- wahren lassen. Nach den neuesten Mittheilungen des Pistrictthierarztes Janné in Mastricht(Verslag an den Koning etc. 1886 S. 112) kann durch die nach der Lungenseuche-Impfung bei Kälbern entstehende Gelenkentzündung eine gute reine Lymphe stets sicher erzeugt werden, da die in den Gelenken eintretende Ausschwitzung das
Lungenseuchekontagium wirksam enthalten soll; somit könnte dieselbe leicht gesammelt und gegen
Verderbniss längere Zeit bewahrt werden, event. durch Einbetten der ausgeschnittenen Gelenke in Glycerin, Oel u. s. w. Fs würde dies für die event. zu errichtenden Impfstationen von grosser Bedeutung werden können.
In wie fern diese Mittheilungen sich bestätigen und zur Vervollkommnung der Lungenseuche- Impfung führen werden, müssen entsprechende Versuche und Beobachtungen lehren. Auf jeden Fall wird hierdurch die Lungenseuche-Impffrage wesentlich geklärt und ihrer Lösung entgegen- geführt werden. Bei diesen Versuchen ist dann


