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Thiermedicinische Rundschau ete.

1887 No. 22.

zu besonderem Danke dafür verpflichtet, dass mir Gelegenheit gegeben wurde, dieser Anschauung öffentlich entgegen zu treten und concrete Vor- schläge aufzustellen, durch deren Verwirklichung dem einzelnen Besitzer ein genügender Ersat?z für die mit der Perlsucht entstehenden und durch eigene Hülfe nicht abzuwendenden Verluste ge- währt werden kann.

Aus der dem Vortrage folgenden Discussion seien nachfolgende Frörterungen noch angeführt.

Rittergutsbesitzer Sombart fragt zuförderst, ob die Wissenschaft noch nicht auf dem Stand- punkt stehe, die Perlsucht medicinisch be- kämpfen zu könpen? Würde diese Frage ver- neint, so wäre die weitere Frage zu erörtern, wie es sich der Vortragende hinsichtlich der amtlich

angeordneten Tödtung denke, ob erst eine Ent-

schädigung eintreten solle, wenn nach dem Schlachten gefunden werde, dass das Thier krank gewesen, oder wie es sonst gehandhabt werden solle? Pann entstehe auch noch die Frage, ob nicht in gewissen Stadien der Krankheit, die aller- dings schwer zu ermitteln sein dürften, ein Aus- sondern des Viches noch möglich sei? Schliesslich möchte er noch die Frage stellen, ob nicht auch die Produkte aus der Milch, Butter und Käse, bei der Frage der Ansteckung zu berücksichtigen seien?

Prof. Dieckerhoff entgegnet in Bezug auf diese Frage, dass es in der That kein Heilmittel für die Perlsucht gebe. Fs sei auch nicht zu er- warten, dass jemals eine chemische Substanz ge- funden werde, welche die im Organismus des

schädlich seien, lasse sich nach thatsächlichen Feststellungen nicht mit Sicherheit entscheiden; man müsse sich daher bei Beantwortung dieser Frage eine gewisse Reserve auferlegen. Aber die Ansicht könne nicht widerlegt werden, dass nach dem Genusse der bei der Euter- tuberkulose infizirten Mileh die Schwind- sucht bei Menschen zum Ausbruch kommen könne. Wenn dem aber so ist. so werden auch die Milchprodukte vom menschlichen Konsum fernzuhalten sein.

Rittergutsbesitzer Gravenstein hegt die Be- fürchtung, dass die Verwirklichung des Diecker- hoff'schen Vorschlags noch zu lange daure, da aber schnelle Abhülfe der jetzigen Zustände nö̃- thig sei, sei er auf die Idee gekommen, eine Art Versicherung vorzuschlagen, wie sie bereits für Schäden bestehen, die durch kranke Schweine veranlasst werden. Jeder Viehbesitzer, der Vieh zum Schlachthof bringe, solle eine gewisse Prä-

mie zahlen, aus der dann etwaige Verluste gedeckt

Thieres versteckt liegenden Krankheitsträger ver-

nichte, ohne das Thier selbst zu tödten. Hin- sichtlich der gesetzlichen Regelung bemerkte er, dass wahrscheinlich ein Theil der Vorschläge, wie etwa die Anzeigepflicht, im Wege der Reichs- gesetzgebung resp. in Ergänzung des Viehseuchen- gesetzes zu erledigen sei. In der Hauptsache berühre die Angelegenheit aber die Gesetzgebung des Preussischen Staates. Vorwaltend würde die Feststellung der Krankheit nach dem Schlach- ten für die Entschädigung massgebend sein. Ausgeschlossen sei aber nicht, dass zur Aus- rottung der Krankheit in einem Bestande auch verdächtige Thiere auf Anordnung der Landes- polizeibehörde getödtet und dann auch, Ssoweit sie nach dem Schlachten gesund befunden werden, der Entschädigung unterliegen. In Preussen besteht ein derartiges Versicherungsgeset? noch

nicht, während in Baden, Württemberg und Sach- sen für die Thiere, die am Milzbrand gefallen

sind, eine Entschädigung aus Provinzialverbänden gewährt wird. Ob die Fabrikate der Milch

werden.

Prof. Dieckerhoff erklärt sich gegen diesen Vorschlag. Es sei nicht zu erwarten, dass eine Privatgesellschaft sich auf diese Art der Ver- sicherung einlasse und wenn dies geschehe, so werde die Prämie sich so hoch stellen, dass die Landwirthe sich auf den Vertrag mit der Gesell- schaft nicht einlassen.

Prof. Orth kommt auf einen von ihm bereits früher gemachten Vorschlag zurück, die Milch gleich auf dem Lande aufzukochen und nur so in den Handel zu bringen. Es würde dann wenig- stens die Milch nicht mehr kontagiös sein. Her- mann von Nathusius habe angenommen, dass unter den holländer Viehständen 50 Proz. infizirt seien. Bei grossen Viehständen könne man über- haupt mit Sicherheit vorausset?en, dass wenigstens eine kranke Kuh darunter sei. In Krankenhäusern koche man daher die Milch stets und sogar wieder- holentlich ab, im städtischen Krankenhause in Moabit alle paar Stunden. Was hier seitens der Aerzte geschehe, müsse von den Landwirthen all- gemein bewirkt werden, der reelle Milchhandel würde dadurch nur gewinnen.

Oberamtmann Mankiewiez hält den Orth- schen Vortrag für zu weitgehend, man wolle den Landwirthen im Interesse der Gesundheit der Städter schliesslich Alles aufbürden Der Land- wirth befinde sich so wie so schon in einem Ver- theidigungszustande dem Nahrungsmittelgesetze gegenüber, er wisse meistens gar nicht, dass das Vich, das er zu Markte schickt, krank sei. Dem Vortragenden danke er für den Fingerzeig, den er gegeben. Aufgabe der landwirthschaftlichen Vereine sei es nun, einen Druck auf die Regier- ung auszuüben, die im Allgemeinen ja den Land-