1. August.
Thiermedicinische Rundschau etc. 257
Früher erlassene Vorschriften bleiben, soweit sie durch die vorstehenden Bestimmungen nicht geändert sind, in Kraft, bis ihre ausdrückliche Aufhebung erfolgt.
Berlin, den 29. Juni 1887. (L. S.) Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten gez. Lucius.
— Ist auch das Alter der Hausthiere an den Ver- änderungen der Zähne in der Regel mit Sicherheit fest- zustellen. so kommen doch bei hoch gezüchteten bezw. stark gefütterten Thieren Ausnahmen vor, welche besonders in Rechtsstreitigkeiten, dann aber auch auf Ausstellungen Schwierigkeiten bereiten. Der preussische Minsiter für die Landwirthschaft hat infolgedessen die landw. Centralvereine ersucht, einzelne Landwirthe und Züchter zu ermitteln, welche in der Lage und geneigt sind, nach genauen Beob- achtungen dahingehendes Material zu sammeln.
Der deutsche Fleischerverband hat an den Reichstag eine Petition gerichtet des Inhalts, der Reichstag wolle die allgemeine Einführung einer Fleischschau, welcher jedes Stück Schlachtvieh vor und nach dem Schlachten wit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand zu unterwerfen sein würde, auf Staatskosten ins Auge fassen
— Die Petitionskommission des Reichstages hat eine Eingabe der Thierschutzvereine dem Fürsten- Reichskanzler„zur Erwägung“ überwiesen, aber die gegen das jüdisch-rituelle Schächten gerichtete Forderung der Thierschutzvereine in einstimmigem Beschlusse aus-
drücklich ausgenommen. Dieser Beschluss erfolgte nicht nur in Rücksicht auf religiöse Motive, sondern vornehmlich auf Grund der den 2500 Gegenpetitionen der jüdischen Gemeinden beigelegten Gutachten der hervor- ragendsten fachmännischen Autoritäten, welche einmüthig bekunden, dass das jüdisch rituelle Schlachten, weit entfernt, eine Thierquälerei zu sein, den wahrhaft humanen Schlachtmethoden gehöre, ja, nach der Ansicht einiger Gutachter, den Vorzug vor jeder anderen verdiene.
nahezu
ZU
Tagesgeschichte.
— An der Universität Berlin vertheidigte am 25. Juni d. J. Herr Thierarzt Anton Sticker aus Köln a. Rh. Sseine Inaugural-Dissertation„Ueber die Entwicklung und den Bau des Wollhaares beim Schafe“ pehufs Prlangung der Doctorwürde in der Mediein und Chirurgie der medi- einischen Facultät. Die vertheidigten Thesen hiessen: 1. Eine Verbindung des Studiums der Menschen- und Thierheilkunde ist für die Aerzte peider Disciplinen wünschenswerth. 2. Die Gestalt des Haares ist durch seinem Wachsthum entgegenstehende, mechanische Kräfte bedingt. 3. Das geschmeidig machende Fett der Haut, der Haare und Federn ist nicht das Secret der Talgdrüsen, sondern das von der Haut, den Haaren und Federn produ- zirte Cholesterinfett.— Als Opponenten traten auf ein Pr. med., ein Dr. med. vet. und ein Dr. jur. ut.—
— In Nr. 28 der deutschen medieinischen Wochen- schrift findet sich nachfolgende Erklärung: Sehr gechrter Herr Redacteur!
In der Nr. 27 der„Deutschen medicinischen Wochen- schrift“ befindet sich ein anonymer Artikel über„die Er- hebung der preussischen Thierarzneischulen zu Hochschulen“
in welchem es nach einer Darlegung der neuen Rectorats- verfassung an der Berliner Anstalt u. A. heisst, dass die Thierarzneischule in Hannover, welche ebenfalls den Hoch- schultitel erhalten habe, dem bisherigen Director, welcher den Charakter als Geheimer Regierungs-Rath erhalten habe, nach wie vor unterstellt bleibe, und dass dem Ver- nehmen nach vorläufige Veränderungen in ihrer Organi- sation nicht eingetreten seien, und dann hinzugefügt wird: „es war dies bei dem entschieden ablehnenden Verhalten des dortigen Directors gegenüber irgend welchen Verände- rungen seiner Stellung vorauszusehn.“ Diese Angabe ist eine unrichtige. Erstens bin ich niemals danach gefragt worden, ob ich in eine Veränderung meiner Stellung ein- willigen wolle, ich habe also auch gar keine Gelegenheit gehabt, mich dem gegenüber ablehnend zu verhalten. Und zweitens habe ich, auch ohne nach meinen persönlichen Wünschen gefragt zu sein, jederzeit, sowohl bei der Be- rathung der Organisationsfrage in der technischen Depu- tation für das Veterinärwesen, als auch später meinem Herrn Ressort-Minister gegenüber bestimmt petont, dass, wenn die Rectorats-Verfassung an der Berliner Thierarznei- schule eingeführt werde, dies nach meiner Ansicht unbe- dingt auch an der hiesigen Anstalt geschehen müsse. Wenn der Herr Minister mich trotzdem genau in meiner bisherigen Stellung belassen hat, so wird er wohl seine schwerwiegenden Gründe hierfür gehabt haben.
Hannover, den 10. Juli 1887. Dr. med. Dammann,
Geheimer Regierungs-Rath und Medicinal-Rath, Director der thierärztlichen Hochschule.
Soweit wir sehen, ist durch vorstehende Erklärung der Kern jener Mittheilung in Nr. 27 der Deutschen medicini- schen Wochenschrift nicht berichtigt. Dieser pesteht doch wohl darin, dass Herr Geh.-Rath Dammann einer der ersten und schärfsten Gegner der Erhebung der preussischen Thierarzneischulen zu Hochschulen war.
Wenn es Herrn Geh.-Rath Dammann wirklich Ernst ist mit innerer Gleichstellung der Thierärztlichen Hoch- schule Hannover und jener in Berlin, so wird er hierzu reichlich Gelegenheit haben bei dem in Aussicht stehenden Statut für diese Hochschule. Gelingt es Herrn Geh.-Bath Dammann wieder, den Geist des Friedens, der EFintracht und der Arbeitsfreude in die von ihm geleitete thierärzt- liche Hochschule einzuführen, so wird diese Thatsache die beste Berichtigung früherer Vorkommnisse sein.
— Ein Antrag auf die Erhebung des Wiener Thierarznei-Instituts zur Hochschule ist Ende Mai d. J. im österreichischen Abgeordnetenhause der k. K. Regierung zur Erwägung übergeben worden.
— Pas älteste Semester der Studirenden an der thierärztlichen Hochschule in Berlin hat dem bis-— herigen Repetitor jetzigen Kreisthierarzt Herrn Peters in Aschersleben ein Album mit ihren Photographien zum Andenken überreicht.
— Aus Anlass der in Nr. 20 gebrachten näheren Mittheilungen über die Inauguration der thierärztlichen Hochschulen sind uns für die der Bedeutung des Ereig- nisses entsprechende innere und äussere Ausstattung dieses Theiles der Nummer so zahlreiche Beweise der An- erkennung zugegangen, dass wir an dieser Stelle hiefür unseren Dank aussprechen. In vielen jener Zuschriften wird der dringende Wunsch laut, es möge die für nächstes Semester in Aussicht genommene Feier rechtzeitig vor- bereitet werden, um eine der Bedeutung angemessene Kundgebung aller Betheiligten zu sichern.— Wie wir nun vom Ausschuss der Studirenden der thierärzt- lichen Hochschule in Berlin erfahren, ist der 5. No- vember für den Festcommers zur Feier der Hochschule und Einweihung dés Hochschul-Banners in Aussicht ge- nommen. Der Einsendung eines der Feier angemessenen


