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1. November.
PThiermedieinische Rundschau etec. 3
Bezeichnung„Thiermedizinische Rundschau“, red. von Pr. Schneidemüh!l zu Halle a. S., im Drucke erscheint als gerechtfertigte Fortsetzung der früher in Osterwieck er- schienenen„Rundschau“ anerkennt und zu fördern gedenkt, welche den wirklichen Interessen der thierärztlichen Wissen- schaft und des Standes Rechnung trägt.
Die Generalversammlung des Thierärztlichen Cen- tralvereins für die Provinz Sachsen, die Thüringischen und Anhaltischen Staaten(Vorsitzender Prof. Püt?) hat in der letzten Sitzung am 19. Oetober h. a. auf Antrag des Herrn Veterinär-Assessor und Landesthierarzt Wolff-Dessau einen Beschluss folgenden Inhalt gefasst: der Thierärzt- liche Centralverein der Provinz Sachsen etec. erklärt, dass ihm die Aeusserung des Druckereibesitzer Zickfeldt„aus den Einnahmen der in seinem Verlage erscheinenden Rund- schau aljährlich eine Summe zu einem wohlthätigen Zwecke im Interesse der deutschen Thierärzte zur Verfügung stellen zu wollen“ mit der Würde des Thierärztichen Standes un- vereinbarlich erscheint. Der Verein erklärt ferner, dass er fragliche Rundschau, für welche eine thierärztliche Redaction nicht genannt wird, als Organ zur Vertretung der Interessen des Thierärztlichen Standes nicht ansehen kann. Der Vorstand wird beauftragt diese Resolution zur Kenntniss der Centralvertretung zu bringen.
An anderer Stelle haben wir bereits mitgetheilt, dass Herr Medizinalrath Dr. Lydtin in Karlsruhe zum Ober- Regierungsrath ernannt worden ist. Mit dieser Auszeichnung, welche von Neuem ein Zeichen des Fortschritts des Veterinär- wesens in Baden einschliesst, ist abér nicht minder die Person des Ausgezeichneten wie der thierärztliche Stand geehrt. Gewiss aus dem Herzen aller Fachgenossen im deutschen Reiche und auch Vieler darüber hinaus, sprechen wir, wenn wir an dieser Stelle dem verehrten Manne, dem edlen Vorkämpfer für die Förderung des Veterinärwesens herzlichsten Glückwunsch abstatten. Mag es Herrn Ober- Regierungsrath Dr. Lydtin vergönnt sein, auch fernerhin zum Segen des Veterinärwesens in Baden und im übrigen Deutschland seine vortrefflichen Eigenschaften zu bethätigen.
Als recht erfreulich und vielleicht schon auf die neueste Ernennung eines veterinärärztlichen Mitgliedes im Reichsgesundheitsamt zurückzuführen, nehmen wir von der Bekanntgebung der Statuten und der Resolutionen der Centralvertretung Preussischer thierärztlicher Vereine in den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes Vermerk. Bei der grossen Verbreitung jener Veröffent- lichungen nicht allein in den verschiedensten Kreisen Deutschlands sondern aller Culturländer ist die Puplikation der Verhandlungen an jener Stelle von grossem Werthe.
Kleine Mittheilungen.
In einer am 17. September d. J. zu Berlin stattgefundenen Sitzung des Preussischen Medicinal- Beamten-Vereins wurden folgende vorgelegte Thesen angenowmen.
1) Die jetzige Stellung des Preussischen Physikus genügt den heutigen Anforderungen der öffentlichen Gesund- heitspfiege nicht und bedarf einer vollständigen Umge- Staltung. Dieselbe ist die dringlichste Seite der Medicinal- Reform.
2) Für jeden Kreis bezw. Medieinal-Bezirk ist nur ein Sanitätsbeamter— Physikus— als technisches Organ der Staats-Regierung sowie als technischer Beirath der die Gesundheits-Polizei ausübenden Behörden anzustellen. Derselbe fungirt für seinen Kreis auch als erster Gerichtsar?t und hat nöthigenfalls bei gerichtlichen Sectionen in benach- barten Kreisen als zwelter Gerichtsarzt thätig zu sein.
3) Mit dem Rechte und der Pflicht der Initiative aus- gestattet, sind die Kreis-Physiker verpflichtet, ihren Bezirk Periodisch zu bereisen, sich durch steten Verkehr mit den einzelnen Behörden und Aerzten genaue Kenntniss über alle das Sanitätswesen desselben betreffende Verhältnisse zu verschaffen und etwa vorgefundene sanitäre Uebelstände, bezw. Uebertretungen gesetzlicher Bestimmungen bei den zuständigen Behörden zur Anzeige zu bringen. Auch steht ihnen der Eintritt zu allen denjenigen Räumlichkeiten, wie gewerblichen Anlagen, Schulen, Krankenhäusern zu, deren Besichtigung und Untersuchung im öffentlichen sanitären Interesse geboten erscheint. In dringenden Fällen, z. B. beim Auftreten ansteckender Krankheſten, können sie vor- läufige Anordnungen treffen, die jedoch der zuständigen Behörde sofort behufs nachträglicher Genehmigung mit- zutheilen sind.
4) Die Ausführung des öffentlichen Impfgeschäfts ist den Physikern zu übertragen.
5) Die dem Physikus obliegenden Dienstgeschäfte sind durch eine Instruction genau festzustellen.
6) Dem Physikus sind ein seiner Thätigkeit ent- sprechendes Gehalt, Wohnungsgeld-Zuschuss und ein be- stimmtes Pauschquantum an Dienstaufwandsgeldern zu gewähren.
Die Privatpraxis ist demselben insoweit gestattet, als seine amtlichen Geschäfte darunter nicht leiden.
Im Weiteren wurde beschlossen, der bestehenden Kom- mission zu überlassen, welche Mittel und Wege mit Rück- sicht auf die im Vereine gepflogenen Berathungen behufs Realisirung der in denselben als nothwendig erachteten Reformen einzuschlagen seien.
— Unter dem Namen„Restorine Broick“ wird neuerdings in England ein Verdauungsmittel für Pferde fabrizirt, das man auch in Deutschland einzuführen versucht. Es stellt ein durch Mischen von Baumrinden und Kräutern gewonnenes Pulver dar.
— Prof Gscheidlen hat als Vorsteher im städtischen Untersuchungsamt zu Breslau 358 Gecheimmittel unter- sucht, darunter auch das sogenannte Restitutionsfluid von Engel. PDasselbe bestand aus Ammoniak, Campher- spiritus, spanischer Pfeffertinetur und Kochsalz.
— Wuthimpfung. Ein Knabe Mathias Videau, welcher am 24. Februar von einem tollen Hunde gebissen war und am 25. desselben Monats von Pasteur in Behandlung ge- nommen wurde, starb, nachdem er am 5. März als geheilt entlassen war, 7 Monate nach geschehenem Bisse an PTollwuth.
— In den Städten Sangerhausen, Schweidnitz, Zittau, Flatow, Greiz und Myslowitz ist der Bau eines öffent⸗ lichen Schlachthauses beschlossen worden.
— Das Schlachthaus in Kiel soll im Herbst d. J. der Benutzung übergeben werden. Ebenso ist in Rheine in West- falen und Ausbach mit dem Bau begonnen worden. Beiläufig sei hierbei von einer Noti? der„Deutschen Fleischer- zeitung“ Vermerk genommen welche den Bau öffentlicher Schlachthäuser als zu den Modekrankheiten unserer Zeit gehörend, bezeichnet, während grade jetzt von den höchsten Staatsbehörden im Interesse der öffentlichen Gesundheits- pflege auf die Errichtung jener bei den Magistraten hin- gewirkt wird.
Tagesgeschichte.
Erster österreichischer Thieräirztetag. Am 4., 5. und 6. Oetober hat der erste österreichische Thierärztetag in Wien seine Berathungen abgehalten. Am 4. October faud die Eröffnung des Phierärztetages und Begrüssung der Theilnehmer im Namen des Aktionscomités durch Herrn
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