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Thiermedicinische Rundschau ete.
1886/87. No. 3.
Carl Hodurek. Landes-Bezirks-Thicrarzt in Mödling, statt.
Nach Erledigung dieser Formalien eröffnete Thierarzt Birusting!(Lübnit?) die Besprechung der wissenschaft- lichen Tagesfragen mit einem Vortrage über die Art der Pasteur'schen Impfungsmethode. Der Vortragende hatte sich bei der Sektion eines wuthkrank gewesenen Hundes eine Schnittwunde beigebracht und musste Pasteur's Hilfe in Anspruch nehmen. Er schilderte eingehend die Art des Heilverfahrens und führte weiter aus, dass er schon nach der zehnten Impfung vollständig geheilt ent- lassen werden konnte. Thierarzt Birnstingl schloss seinen Vortrag mit einer Beschreibung des Pasteur'schen Labora- toriums, um sich dann in scharfen Worten gegen die Gegner der Pasteur'schen Schutzimpfungen zu wenden. Anknüpfend an die letzten Worte des Vortragenden kritisirte Dr. Spil- mann-Lemberg das Vorgehen Pasteur's auf Grund eigener Erfahrung, um aus Beispielen darzuthun, dass zwar die Impfung mit dem Virus von bissigen Hunden von Erfolg begleitet sein könne, dass dies jedoch hinsichtlich des Virus von wüthenden Hunden nicht mit der allgemein verbreiteten Bestimmtheit zu behaupten sei. In dieser Be- ziehung lasse sich ein Urtheil noch nicht fällen. Es folgten hierauf die Besprechungen des thierärztlichen Unter- richts, welche Dr. Spilmann mit einem längeren Vortrage eröffnete. Seine Ausführungen gipfelten in dem Antrage, dass zum PFintritte in die Thierarzneischulen eine höhere Vorbildung gefordert werden möge und das Studium selbst auf vier Jahre zu erstrecken sei. In. der über diesen An- trage sich entspinnenden Debatte wurde geltend gemacht, dass die bisherige erforderliche Vorbildung— sechs Gymna- sialklassen— genüge, umsomehr, als die materielle Lage der Thierärzte eine prekäre sei.(W. med. W.)
— Per erste österreichische Thierärztetag war, wie die Vereinsschrift österr. Phierärzte schreibt, von 290 Mit- gliedern besucht, ein Resultat, wie es selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen und gezeigt hat, dass die Thier- ärzte Oesterreichs festen Willen genug besitzen, wenn es gilt für die gemeinsamen Bestrebungen des Standes ein- zutreten.
— Laut Bekanntmachung des Württembergischen Ministerii des Innern ist nachfolgenden Herren auf Grund bestandener Staatsprüfung die Approbation als Thier- arzt ertheilt worden: 1) Beitter, Gottlob aus Münchingen. 2) Bontz, Georg aus Langenau. 3) Deschner, Julius aus Stuttgart. 4) Ehrhardt, Carl, von Mrotschen. 5) Gmelin, Walter aus Stuttgart. 6) Göttelmann, Ernst aus Schlett- stadt. 7) Haag, Adolf aus Strassburg. 8) Metz, Philipp aus Seckenheim. 9) Müller, Rudolf aus Ulm.
— Auf Veranlassung des Herrn Ministers für die
Landwirthschaft, Domänen und Forsten sollen dem- nächst die Departements-Thierärzte Preussens sich an einem theoretischen und praktischen Cursus über die Milzbrandseuche betheiligen, welcher unter Leitung des Herrn Professor Dr. Schütz an der Berliner Thierarznei- schule stattfinden wird. Kreisthierarzt Lenhardt in Wiehe feierte vor Kurzem das Fest 50 jähriger Thätigkeit als prakt. Thierarzt. Die Generalversammlung des Phierärztlichen Centralvereins für die Provin? Sachsen und der Anhaltischen Staaten ernannte den Jubilar?u ihrem FEhrenmitgliede.
Aus Anlass des Rücktritts der Herren Geh.-Rath Dr. Leisering und Hofrath Dr. Sussdorf aus ihrer hisherigen Lehrthätigkeit an der Königl. Thierarzneischule zu Dresden fand am 16. October d. J. ein Fest-Commers statt an welchem sich ausser dem Lehrkörper der Austalt und sämmtlichen Studirenden eine grosse Zahl auswärtiger Thierärzte betheiligten.
— Der Semester-Antrittscommers der Studirenden der Veterinär-Medizin zu Berlin findet am 6. November i
— Geh.-Rath Virchow, der erste Geschäftsführer der 59. Naturforscher Versammlung in Berlin, giebt bekannt, dass Titelblatt, Inhaltsverzeichniss, Sach- und Namenregister vom Tageblatt jetzt erschienen und neben anderen bisher noch nicht empfangenen Nummwern seitens auswärtiger Mit- glieder und Theilnehmer vom Bureau, Leipzigerstrasse 75, auf Antrag zu erhalten ist.
— 0b das jetzt in der Thierheilkunde viel ange- wendete Eserinum sulfurfcum von Proguisten im Hand- verkauf abgegeben werden kann, ist schon öfters erörtert und stets verneint worden. Neuerdings haben sich auch die Gerichte mit dieser Frage zu beschäftigen gehabt., nämlich ob das Eserinum sulfuricum dem freien Verkehr überlassen oder dem Verkaufsrecht der Apotheker vorbe- halten ist. Das Schöffengericht hatte in einem Falle den angeklagten Droguisten freigesprochen, weil in der Tab. B. der Verordnung vom 4. Januar 1875 Eserin nicht enthal- ten, sondern nur die Calabarbohne. Auf die seitens der Königl. Staatsanwaltschaft eingelegte Berufung hob das Landgericht das schöffengerichtliche Erkenntniss auf und verurtheilte den angeklagten Droguisten zu einer Geldstrafe, indem es ausführte, dass der Angeklagte Eserin, den gif- tigen Stoff der Calabarbohne feilgeboten hat, ohne im Be- sitz der polizeilichen Erlaubniss zum Handel damſt gewesen zu sein und ohne dass der Handel mit diesem Stoffe frei- gegeben war. Die vom Angeklagten eingelegte Revision ist vom Oberlandesgericht verworfen worden, weil der Be- rufungsrichter die Kaiserl. Verordnung nicht unrichtig an- gewendet hatte.
— Nach einer Entscheidang des Reichsgerichts vom 1. Juli d. J. hat der Regel nach der Patient den Arzt für alle ärztlichen Leistungen zu honoriren, welche er von demselben entgegennimmt, auch wenn er sie nicht aus- drücklich gefordert hat; der Arzt hätte denn gewusst oder wissen müssen, dass dieselben ganz unnütz seien und dies dem Patienten verschwiegen.
— Die Herren Militär-Thierärzte Russ, Böhner, Duvinage, Engelen, Feldtmann, Hitschfeld, Junker, Kind, Kattner, Lüthens, Mesewinkel, Mittmann, Prasse, Reinemann, Rosenfeld, Schlake, Schmieder, Seyder- helm, Weishaupt und Zerler nehmen an dem im Winter- semester in Berlin stattfindenden Qursus für Oberrossärzte theil.
Sprechsaal.
Der Sprechsaal steht den Lesern der Rundschau zu Anfragen und zur Discussion streng sachlich gehaltener Artikel offen.
Unfallversicherung der Thierärzte. Der Fall, dass die Angehörigen von Thierärzten durch plötzlichen Todesfall oder längere Pienstunfähigkeit des in sehr unangenehme und drückende Lage gerathen, ist nicht selten. Die Unterstützung einzelner Fachgenossen und Vereine reicht dann nicht hin, die Lage viel zu bessern. Die Bestrebungen und Bemühungen der Thierärzte durch gemeinsame Beisteuerungen Unterstützungs- und Sterbe- kassen zu schaffen, werden bei der geringen Anzahl und meist geringen Betheiligung jener kaum je das gewünschte Resultat haben. Deshalb ist es zweckmässig und wün- schenswerth, nach guten soliden Versicherungsgesellschaf- ten, an denen kein Mangel ist, sich rechtzeitig umzusehen.
Für beamtete Collegen kann ich nach meinen Erſah- rungen den preussischen Beamten-Verein in Hannover zur Lebens-, Renten- und Aussteuer-Versicherung empfehlen. Für Sterbefälle, um der Familie sofort baare Mittel bis zu 600 Mk. zu verschaffen, kann die anerkannt gut situirte und coulante Sterbekasse zu Rothenburg(Oberlausitz) allen Collegen mitgetheilt werden.
Für Unfälle aller Art(Beschädigungen, Verletzungen durch Vich. auf Reisen u. s. w.) mit bestimmter Kurquote pro Tag, lebenslänglicher Rente bei dauernder Iuvalidität
Ernährérs


