24 Thiermedieinische Rundschau etc.
1886/87. No. 2.
Theil zu nehmen. Epenso die Herren Pepartementsthier- ärzte Schmidt-Stade und Ollmann-Greifswald und Herr Hofthierarzt Lies-Braunschweig.
Ende September ist in Cassel die Zusammenkunft von Schlachthof-Vorstehern geplant worden. Es soll dann mit Gründung eines Vereins deutscher Schlachthof- Beamten vorgegangen werden. Soweit verlautet, soll dapei auch über die Frage der Qualification der Leiter eines Schlachthauses— ob Thierarzt oder nicht Thierarzt— er- örtert werden. Hoffentlich werden dann die thierärztlichen Leiter von Schlachthäusern die Beantwortung jener Frage gründlich beantworten.
Erster österreichischer Thierärztetag. Am 4. 5. u. 6. October d. J. fand in Wien eine Zusammenkunft öster- reichischer Thierärzte statt. Die Fröffnung fand durch den nieder-österr. Landes-Bezirksthierarzt Hodurek in Mödling statt. Von den bisher pekannt gegebenen Gegen- ständen der Tagesordnung seien folgende erwähnt: 1. Reform der Thierarzneischule resp. des thierärzt- lichen Unterrichtes. Referent Herr Dr. Szpilmann in Lem- berg; Correferent Herr Obermayer in Wien 2. Ueper das Kurschmiedewesen und die thierärztliche Kurpfuscherei. Referent Herr Bondy in Marienbad; Cor- referenten die Herren Kubicki in Lemberg und Rudofsky in Maria-Zell. 3. Ueber die materielle Stellung der Bezirksthierärzte. Beferent Herr Pelschimofsky in Braunau; Correferent Herr Salus in Leitmeritz. 4. Er- richtung eines Veterinär-Pepartements im k. k. Ministerium des Innern Beferent Herr Lischtiak in Wien; Correferent Herr Dauscher in Wien. 5. Ueber militär-thierärztliche Standes-Angelegenheiten. 6. Ueber Fleischbeschau. BReferent Herr Salus im Leitmeritz; Correferent Herr Hofer in Teschen. 7. An- träge in Bezug auf die Abänderung der bestehen- den Vorschriften für Pferdeschlächtereien. Befe- rent Herr Toscano in Wien; Correferent Herr Postolka in Wien.— Man sieht aus vorstehender Tagesordnung, dass in Oesterreich eine Reihe derselben Standesangelegen- heiten zur Besprechung stehen, wie solche theils den letzten deutschen Veterinärrath, theils die erste Sitzung der Cen- tralvertretung preussischer thierärztlicher Vereine beschäf- tigten.
Im Anschluss an den gelegentlich der diesjährigen Naturforscher-Versammlung stattgefundenen Commers aſter Herren der veterinär-medicinischen Landsmannschaften, welcher bedauerlicherweise durch plötzliche Abänderungen ursprünglich gefasster Beschlüsse nicht eine weitere all- gemeine Betheiligung haben konnte, hat auch eine Zu- sammenkunft alter Herren jener zum R. S. C. gehörigen Landsmannschaften stattgefunden. In erster Linie wurde bei diesem von Angehörigen fast aller Landsmannschaften besuchten Convente zum einstimmigen Beschluss erhoben, aljährlich während des Sommers einen Commers in gleicher Weise zu veranstalten. Als nächster Ort wurde Berlin pestimmt und gleichzeitig ein Comité gewählt, dem das Weitere übertragen bleibt.
In der Zeit vom 16. bis 19. September hat sich in Lölle der Ober-Veterinärrath Frankreichs versammelt. Gegenstände der Verhandlung haben das Gesetz über Aus- übung der Thierheilkunde, die Zusammensetzung des Ver- vollkommnungsrathes, Gestütsreformen, Verwaltung und Technik des Veterinärdienstes bei Seuchen, Fleischbeschau u. s. w. gebildet.
Per Verein rheinpreussischer Thierärzte ist, einer uns zugegangenen Mittheilung zufolge, in seiner General- Versammlung am 9. August d. J. in Köln über die An- träge des thierärztlichen Vereins in Cöslin und des Ver- eins beamteter Thierärzte in Magdeburg zur Tagesordnung übergegangen. Begründet wurde der Beschluss mit dem Hinweis, dass derartige Anträge vor die Central-Vertretung zu pringen sind.— Ferner ist der genannte Verein durch einstimmigen Beschluss der Centralvertretung der thier- ärztlichen Vereine Preussens peigetreten, indem er seinen Vorsitzenden Pepartementsthierarzt Schell in Bonn zum Delegirten und Departementsthierarzt Dr. Schmidt in Aachen zu dessen Stellvertreter ernannt hat.
Per practische Thierarzt und Lehrer für Thier- heilkunde an der Landwirthschaftsschule zu Liegnitz, vormals Königl. Rossarzt— wie der Titel lautet— Herr R. Beyer in Liegnitz, versendet Circulare, in denen er besonders Apotheker zum Vertriebe einer von ihm rationell zusammengesetzten Koliktinetur auffordert. Die Landwirthe, so heisst es in dem Circular, würden sich im Besitze der Tinetur durch deren Anwendung vor Ver- Stopfungskolik, Blasen- und Darmkrampf vollständig sicher stellen, ohne dass es nöthig sei, einen Thierarzt zu Rathe zu zichen. Für die Apotheker wäre„ein ganz pe- deutender Umsatz in diesem Artikel“ sicher. Herrn Beyer aber liegt nur daran, dem Geheimmittel die weiteste Ver- breitung zu geben. Komischer Weise findet sich in den
Ecken des Circulars eine sog. Schutzmarke, ein am Zaume gehaltenes Pferd darstellend, welche jene Geheimmittel ge- setzlich vor Nachahmung schützen soll. Wir möchten wohl wissen, nach welchem Gesetz dieser Schutz stattfinden Soll, da allgemein bekannt ist, dass in letzter Zeit solche Mittel- chen oft auf ihre Zusammensetzung und ihren Werth ge- prüft und das Resultat zum allgemeinen Besten öffentlich amtlich bekannt gegeben ist. Im vorliegenden Falle dürfte dies überflüssig sein, da jeder Thierarzt Herrn Beyer die Zusammensetzung verrathen kann. Natürlich fehlen dem Circular nicht die bekannten Zeugnisse von Fällen, wo die Tinctur genützt hat. Bezugsbedingungen sind fol- gende: Kleine Flasche für ein Pferd oder Rind 2 Mk., Dosis für 2 Pferde resp. Rinder 3,50 Mk. Bei fester dechnung 30%, bei Uebernahme in Commission 25% Rabatt ab Liegnitz excl. Emballage. Ziel 3 Monat. Für die nöthigen Annoncen zur Unterstützung der Bemühungen wird Herr Beyer Sorge tragen. Indem wir an dieser Stelle auf das wenig standesgemässe Verfahren des Herrn Beyer hinweisen, soll gleichzeitig nicht unerwähnt bleiben, dass ein derartiger Handel mit Thierheilmitteln in Preussen nicht gestattet ist. Einen Gewerbeschein aber zum Ver- triebe solcher Geheimmittel dürfte Herr Beyer wohl nicht besitzen.


