22 Thiermedicinische Rundschau ete.

1886/87. No. 2.

Diese letztere Bestimmung ist erst neueren Datums.

Hatten auch in früherer Zeit die Studirenden beim Militär eine bestimmte Dienstuniform, so wurde dieselbe doch nur sehr selten und bei ver- einzelten rein militärischen Anlässen getragen. Nach den jetzigen, schon einige Jahre bestehen- den Verordnungen haben die Studirenden dauernd in Uniform zu erscheinen. An sich würde man hierin nichts Auffälliges zu finden haben, dass Jemand, der Militär ist, auch seine Uniform zu tragen hat. Allein hier liegen die Verhältnisse doch derartig. dass eine Aenderung dringend er- forderlich erscheint. Zunächst ist es für die an- gehenden Militär-Thierärzte in hohem Grade lästig und beschwerlich die Thätigkeit in der Klinik in Uniform auszuführen, wo oft genug, wie man sich durch den Augenschein überzeugen kann, viele Unannehmlichkeiten bei der Behandlung kranker Pferde hervorgerufen werden. Ein weit grösseres Uebel aber ist, dass die Studirenden jeden Augenblick und meist in wenig angenehmer Weise an ihre Stellung als Gemeiner in der Armee erinnert werden. Begegnen dieselben auf dem kurzen Wege von der Wohnung zum Garten der Thierarzneischule einem Unteroffizier, Trompeter, Wachtmeister u. s. w., so haben sie demselben militärische Ehren zu Theil werden zu lassen, obwohl sie selbst, bestände nicht jene einschrän- kende Vorschrift, welche eine Beförderung unter- sagt, längst Unteroffiziere hätten sein können. Recht peinlich muss ihnen dabei ihre Lage oft vorkommen, wenn sie, was jetzt oft genug der Fall, im Besitz des Maturitätszeugnisses mit jenen gerade aus dem anatomischen Institut kommenden Studirenden des militärärztlichen Instituts zufällig zusammentreffen. Auch diese jungen Männer sind Militärs, wohnen in einem besonderen Gebäude und sind der militärischen Ordnung unterworfen. Allein ein derartiger Zwang, eine ganz bestimmte Uniform dauernd zu tragen, besteht nicht. Die Studirenden dienen vielmehr, während sie bereits Aufnahme in jenes Institut gefunden haben, wie jeder andere Student der Medicin ein halbes Jahr mit der Waffe und geniessen nach bestandenem tentamen physicum in höheren Semestern sogar den Vorzug, noch vor abgeleisteter Staatsprüfung oder nach theilweiser Erledigung derselben, in der Uniform der Unterärzte gehen zu dürfen.

Obiger Zwang des Uniformtragens während der Studienzeit wird noch besonders empfindlich in der Klinik. Hier gehen fast täglich höhere Militärs ein und aus, und führen den jungen Stu- direnden inmitten der Lernthätigkeit ihre äussere Stellung immer von Neuem zum Bewusstsein. Dass gerade die Unteroffizierchargen hierauf besonders Gewicht legen, braucht gewiss nicht besonders erörtert zu werden.

Vielleicht dürfte hier ein mit den Verhält- nissen nicht näher Vertrauter den Einwand machen, dass es doch selbstverständlich wäre, wenn Jemand, der Soldat ist und zunächst im Range des Gemeinen steht, auch die damit verbundenen anfänglichen Unannehmlichkeiten der unter- geordneten Stellung zu ertragen habe. Diesem Einwande gegenüber ist aber hervorzuheben, dass selbst der mit der einfachsten Schulbildung ver- schene Soldat, welcher als drei- oder vierjähriger bei einem Truppentheil eintritt, um seiner Dienst- pflicht zu genügen, bei guter Führung schon nach drei Jahren als Unteroffizier entlassen oder bei der Truppe bleiben kann. Selbst auf den Unteroffizierschulen sind die mit dieser Charge entlassenen Soldaten nicht älter als der eben seine Laufbahn beginnende junge Militär-Thierarzt. Diesem ist selbst bei bester Führung beinahe ein Jahrzehnt nach Eintritt beim Militär jede höhere Rangstellung verschlossen. Rechnen wir zwei Jahre ehe er zum Studium kommt und vier Jahre Studienzeit, so bleibt der junge Primaner im günstigsten Falle sechs Jahre in der Stel- lung eines gemeinen Soldaten. Aber auch nachher blüht ihm nur der Rang eines Wacht- meisters, über den er selbst bei guten Leistungen nach den jetzigen Avancementsverhältnissen kaum vor den nächsten 10 Jahren hinauskommt. Dass diese Sachlage weder dem angehenden Militär- thierarzt Freudigkeit und Hingebung für seinen Beruf schaffen kann, wird wohl mit Grund nicht angenommen werden. Auch ist leicht einzusehen, dass es für Jemand, der fast zwanzig Jahre seines Lebens in der Unteroffiziercharge zugebracht und nicht eine sehr gute und feine Erziehung von Hause aus mitgebracht hat, sehr schwer ist, sich später mit Geschick in die höhere Stellung des Oper-Rossarztes zu finden, und den gesellschaft- lichen und militärischen Ansprüchen der Stellung zu genügen. Gerne wollen wir zugeben, dass neuerdings immer mehr auch schon der junge Militär-Veterinär Gelegenheit findet, seine äussere Stellung durch sein ganzes persönliches Auftreten, den Prwerb moglichst vielseitiger allgemeiner Bildung u. s. w., möglichst wenig empfindlich für sich zu machen, dennoch besteht in der Hauptsache der bisherige Zustand fort, so dass ein grosser Theil derselben die nothwendigen Dienstjahre pei der Truppe möglichst schnell abzuleisten sich be- müht, inzwischen auf Staatskosten den Ober- Rossarztkursus durchzumachen bestrebt ist, in gleicher Weise das Kreisthierarztexamen apsolvirt, und dann in der Stellung eines Kreisthierarztes, Vorsteher eines Schlachthauses u. s. w. eine selb- ständigere und angenehmere Thätigkeit mit pesserer socialer Lage zu erringen sucht. Die militärische Carrière ist für die meisten dieser Herren ein Durchgangsposten, um die materiellen