20
Thiermedicinische Rundschau etc.
1886/87. No. 2.
suchungen zeigte sich, dass die gefundenen Or- ganismen eine Theilung nach zwei Richtungen eingehen, sowohl in der sagittalen, wie in der verticalen. Bei Reinculturen zeigte sich, dass der Organismus am besten in Fleischwasserpep- tonlösung gedeiht, wo er unter der Oberfläche kugelige Rasen bildet, ohne die Gelatine zu ver- flũssigen. In Form und Wachsthum erscheint der Organismus von allen bisher gefundenen ver- schieden. In dem von Friedländer gesehenen Bacterium wuchs der Organismus über die Ober- fäche der Nährflüssigkeit bei Qulturversuchen knopfförmig heraus— sog. Nagelcultur. Dies fehlt bei dem vorliegenden. Bei Lustig trat Verflüssigung der Gelatine ein, was gleichfalls hier nicht stattfindet. Der von Fränkel ge- schene wuchs nur bei 350, der hier gefundene gedeiht bei Zimmertemperatur. Im Uebrigen gehört der vom Vortragenden gefundene Krank- heitserreger zu den sog. Ausscheidungsorganis- men. Weiter hat Redner auch Infectionsversuche angestellt, die sehr interessante Resultate lieferten. Impfungen von Mäusen mit den Reinculturen der aus der Lunge des Pferdes gewonnenen Or- ganismen tödteten diese Thiere unter den Er- scheinungen einer Septikämie. Neben einer Hämorrhagischen Splenitis fand sich Fettleber vor, die ja bei der sog. Influenza früher eine grosse Rolle spielte. Im Blute der Thiere konn- ten die Organismen nicht nachgewiesen werden; als Ausscheidungsorganismen charakterisirt durch die Anwesenheit eines sie umgebenden ungefärbt bleibenden Hofes. Bei Kaninchen war die Reaction nach dem gleichen Versuch unsicher, ebenso bei Hühnern. Schweine blieben jedoch stets gesund. Bei Pferden trat nach Stich- impfungen in den Thorax der Tod meist nach
Verlauf von 8 bis 11 Tagen ein. In jedem Falle konnte Perforations-Pleuritis mit Uebergang auf die Lungen nachgewiesen werden— mortifi- cirende Pneumonie. Bei einem Inhalations- versuch mit einem Pferde wurde dasselbe zwar krank gemacht, allein der Tod des Thieres trat nicht ein. Dasselbe genas wieder. Die nach mehreren Wochen ausgeführte Section ergab die Erscheinungen chronischer Pneumonie.
Auch bei der andern Form der Brust- seuche konnte in den hepatisirten Theilen der Lunge derselbe Organismus gefunden werden. Diesen Thatsachen gegenüber kam der Vor- tragende zu der Erklärung, dass es beim Pferde ätiologisch nur eine wirkliche Pneumonie giebt, die aber anatomisch je nach der Virulenz der aufgenommenen Organismen, deren Menge, Wider- standsfähigkeit der Thiere verschieden sich ge- stalten kann. Auch wird dieselbe gelegentlich sporadisch auftreten können und in anderen Fällen wieder epizootisch. An der Thatsache, dass auf Grund aller bisherigen Beobachtungen dieselbe Ursache die Krankheit hervorruft, werden die verschiedenen Wirkungen derselben fürderhin nichts ändern können. Immerhin sind noch eine Menge Fragen besonders bezüglich der Aufnahme- wege des Giftes zu lösen.
An diesen, seitens der Versammlung mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrag schloss sich eine Demonstration der Reinculturen des Pilzes und mikroskopischer Präparate aus kranken Lungenabschnitten.
DPamit war die Tagesordnung für die Sitzung erledigt. Als Vorsitzender für die nächste an gleicher Stelle stattfindende Zusammenkunft wurde Herr Professer Dr. Siedamgrotzky aus Dresden gewählt.(Schluss folgt.)
Standes-Angelegenheiten.
Die neue Militär-Veterinärordnung.
Aus den bisherigen Mittheilungen über den Anfang der militärthierärztlichen Lauf bahn wird man leicht ersehen können, dass dieselbe noch immer recht erhebliche Unannehmlichkeiten bietet, ehe es dem, der sich ihr widmet, vergönnt ist, als„Studirender“ sich zu fühlen. Kaum ist uns auch eine zweite Laufbahn bekannt, wo man so
leicht mehrere Jahre seines Lebens zwecklos hinzugeben in die Lage kommen kann. Fin Bei- spiel unter zu Grundelegung der erwähnten Be- stimmungen wird dies näher beleuchten. An- genommen, der junge Primaner, welcher den Beruf als Militärthierarzt ergreifen will, befindet sich in dem Durchschnittsalter von 18 Jahren. Er meldet sich bei einen Truppentheil zum April, wo er jedoch wegen mangelnder Vacanz oder aus sonstigen Gründen bis zum Oetober vertröstet wird. Er tritt nun ein und wird neben seiner militärischen Ausbildung, die wie bei einem Ge-


