15. Oktober.

Thiermedicinische Rundschau etc. 19

ralis. Kurz nach Beginn des Vortrages erscheint der vortragende Rath im Ministerium für Land- wirthschaft, Domänen und Forsten, Herr Geh. Ober-Regierungsrath Beyer und ehrte bis zum Schlusse der Sitzung durch seine Anwesenheit die Versammlung.

Der Vortragende hob in der Finleitung seines Vortrages zunächst hervor, dass anatomisch beim Pferde zwei Formen von Brustseuche zu unter- scheiden seien. Bei der einen Form treten die Infectionsheerde als gelbe nekrotische Bezirke so- wohl inmitten der Lunge, wie auch unmittelbar unter der Pleura in dem rothen Lungengewebe hervor. Dieses sind dann die Stellen, wo die Wirkung des Contagiums einsetzt. Von diesen Primärheerden kann durch Infection des Nach- bargewebes eine Ausbreitung des Processes ein- treten. Geht die Ausbreitung auf die Pleura über, so entsteht die sog. Ausbreitungspleuritis. Bei der anderen Form der Brustseuche kommt es nicht zu jener heerdweisen Erkrankung im Lungenparenchym, es sind vielmehr nur kleine graue Heerde in der Umgebung der Bronchien nachzuweisen, im Uebrigen findet sich eine solche Lunge im Zustande der Hepatisation. Die Com- bination dieser Erscheinungen giebt der Lunge ein eigenthümliches Aussehen, das von Fried- berger als granitähnlich mit Recht bezeichnet

wurde. Die erste Form könnte als Pneumonia multiplex mortificans bezeichnet werden und stände der Lungen-Gangrän sehr nahe. Die zweite Form, welche mit der croupösen Pneu- monie des Menschen zu vergleichen ist, ist eine Pneumonia simplex.

Als wichtigste Frage war nun zu beantworten, ob beide Formen ätiologisch gleichwerthig sind, oder ob ihnen verschiedene Ursachen zu Grunde liegen. Redner bemerkt hierbei, dass er früher die Ansicht ausgesprochen, dass alle Pneumonieen des Pferdes ätiologisch als gleichbedeutend an- zuschen seien. Die Auffassung hätte er später geglaubt corrigiren zu müssen. Um im vorliegen- den Falle zum Resultat zu kommen, wären ohne Auswahl alle Fälle von Brustsenche, gleichgültig welcher Form sie angehörten, auf die Anwesen- heit specifischer Organismen geprüft worden. Bis jetzt wäre dies in 20 Fällen geschehen. Die bacteriologischen Untersuchungen hätten nun in allen zwanzig Fällen das gleiche Resultat ergeben. Bei Prüfung mittels Deck- glaspräparaten konnte in den nekrotischen Heer- den der Lunge stets ein eiförmig gestalteter Mikroorganismus in grosser Zahl nachgewiesen und durch Gentiana violett gefärbt werden. Stets fanden sich die Organismen zu zwei aneinander- gereiht als Diplobacterium. Bei weiteren Unter-

weil die Wahrheit nicht in ihrem ganzen Um- fange auf einmal und von Allen zugleich er- kannt wird.

In grossen Zügen entwarf dann der Redner ein Bild des Entwickelungsganges der Natur- wissenschaften von dem Momente an, als Galvani die Zuckungen des Froschschenkels unter dem Pinfluss des Contacts mit verschiedenen Metallen beobachtete.

Die mit grossem Beifall aufgenommene Rede schloss mit einem Hoch auf den deutschen Kaiser, in welches die grosse Versammlung dreimal be- geistert einstimmte.

Hierauf erklärte Geh.-Bath Virchow die 59. Versammlung für eröffnet und theilte gleich- zeitig mit, dass sowohl der Kaiser wie auch die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin ihr Bedauern hätten ausdrücken lassen, der EFin- ladung zur Versammlung nicht nachkommen?u können. Se. Majestät habe zu Ehren der Ver- sammlung je eine Festvorstellung im Opern- und Schauspielhause befohlen.

Staatsbehörden durch Unterstaatssecretär Lucanus, der ein längeres Schreiben des durch einen Trauerfall in der Familie am persönlichen Er- scheinen verhinderten Cultusministers Dr. Gossler verlas.

Alsdann nahm Oberbürgermeister von Forcken- beck das Wort zur Begrüssung im Namen der städtischen Behörden und der gesammten Be- völkerung der Stadt Berlin. Gleichzeitig über- reichte derselbe die von der Stadt gewidmete Festschrift. Zuletzt erbat sich der Rector der Universität Geh.-Rath Dr. Kleinert das Wort. um auch seitens der Universität, die den Zu- sammentritt des Congresses wie ein eigenes Fest begehe, die Theilnehmer zu begrüssen. Der Redner schloss mit den Worten: Ihnen, den Vertretern des Universums sei es Namens der Univer- Sitas litterarum zugerufen: Herzlich willkommen!

Als Versammlungsort für die nächste 60. Ver- sammlung wurde hierauf Wiesbaden und als erster Geschäftsführer Geh.-BRath Fresenius, als zweiter Arn. Pagenstecher gewählt.

Es folgte dann die Begrüssung seitens der(Forsetzung folgt.)