15. Oktober.
Thiermedicinische Rundschau ete. 1.
getheilt, dass Herr Geh. Rath Köhler eine Reihe von Fxemplaren der Schrift:„Das Kaiserliche Gesundheitsamt“ der Section zur Verfügung ge- stellt habe.
Hierauf wählte die Versammlung auf Vor- schlag des Professor Kaiser-Hannover zum Vor- sitzenden für die nächste Sitzung Professor Müller-Berlin und bestätigte gleichzeitig auf Vorschlag des Vorsitzenden den Schriftführer. Da der Raum in der Universität sich als zu klein, für in Aussicht genommene Demonstrationen als ungeeignet erwies, beschloss die Section auf An- trag des Vorsitzenden, die nächsten Sitzungen im Hörsaal des pathologischen Instituts der Königl. Thierarzneischule abzuhalten und Montag zu be- ginnen.
Montag den 20. September versammelten sich demgemäss die Mitglieder der Section in dem vortrefflich eingerichteten neuen pathologischen In- stitut, dessen Hörsaal zu dem genannten Zwecke festlich dekorirt war.
Nach Fröffnung der Sitzung erhielt zunächst das Wort
Herr Professor Dr. Fröhner-Berlin
zu seinem Vortrage über
Anaemia perniciosa der Pferde ¹).
Der Vortragende weist zunächst darauf hin, dass Zschokke in Fürich zuerst 8 Fälle perniciõser essentieller Anaemie beim Pferde beschrieben hat, wo die Identität mit dem gleichen Process beim Menschen nicht zweifel- haft ist. Es handelt sich hierbei um ältere Pferde; einmal erkrankten mehrere Pferde eines Stalles. Mattigkeit, allgemeine Depression, ver- mehrte Athem- und Herzthätigkeit, Blässe der Schleimhäute, Rückgang im Nährzustand bei im Uebrigen regelmässiger Futteraufnahme waren in der Hauptsache die Erscheinungen der Krank- heit. Der Verlauf war verschieden, meist trat nach vielen Monaten erst der Tod ein. Bei der Section fand sich allgemeine Anaemie, Fett- metarmorphose, Milz- und Lebertumor nebst Hae- morrhagieen an verschiedenen Stellen des Körpers. Die Untersuchung des Blutes ergab eine auch beim Menschen in diesen Fällen beobachtete Poikiloeytose und Anwesenheit Fröhner hat gleichfalls drei Fälle dieser Krank- heit beobachtet. In dem einen Falle war das Thier
¹) Bei der Wiedergabe der Referate folgen wir zum Theil den Berichten im Tageblatt der Naturforscher-Ver- sammlung.
von Bacillen.„
haben, so glauben wir es doch einem grossen Theile unserer Leser, die der Versammlung nicht beigewohnt, schuldig zu sein, Einiges über dis- selben und über die allgemeinen Sitzungen mit⸗ zutheilen.
Nachdem bereits am Donnerstag den 16. Sep- tember die Eröffnung der Ausstellung durch Geh.-Rath Bardeleben und Uebergabe der- selben an Geh.-Rath Virchow stattgefunden hatte, versammelten sich am Freitag den 17. Sep- tember abends eine grosse Zahl von Mitgliedern und Theilnehmern in dem hierzu vorzüglich ge- eigneten Wintergarten des Central-Hötel zur gegenseitigen Begrüssung. Allein der grosse aufs herrlichste geschmückte und elektrisch beleuchtete Raum konnte bei Weitem nicht die sowohl aus allen Gauen Deutschlands wie auch von fast allen Prdtheilen herbeigekommenen Gäste in sich auf- nehmen. Nur kurze Zeit konnte man wegen des immer stärker werdenden Zudranges sich dem fröhlichen Anblick des durch Begrüssen alter Bekannter, Ausbruch der Freude über unver- muthete Begegnungen sehr anziehenden und wechselvollen Bildes hingeben. Mühsam sam-
melten sich einige Fachgenossen, um den Rückzug in eines der benachbarten Restaurants zu be- rathen. Inzwischen hatte Geh.-Rath Virchow das Wort ergriffen, um in sehr humoristischer Weise im Namen des Comités und der Stadt Berlin die Gäste willkommen zu heissen.
Die eigentliche Eröffnung der Versamm lung erfolgte am Sonnabend den 18. September, um 11 Uhr im Circus Renz. Auch hier vermochte der weite Raum die dicht gedrängt sitzende und stehende Festversammlung nicht zu fassen. Einen überwältigenden Eindruck jedoch machte der zu einem Festraum prächtig decorirte Circus mit jener Versammlung, wie solche noch nie in demselben sich zusammengefunden hatte.
Als erster Geschäftsführer gab Geh.-Rath Virch ow in fast ein und einhalbstündiger glänzen- der Begrüssungsrede ein lichtvolles Bild über die Geschichte der Naturforscher-Versammlung, ihren Werth und ihre Bedeutung für die Nation. Redner verwahrte zunächst die Versammlung gegen den in jüngster Zeit öfters erhobenen Vorwurf, dass das Vergnügen dabei allmählich das Uebergewicht genommen habe. Er betonte, dass es weniger
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