1. Oktober.

Thiermedicinische Rundschau etc. 7

Arzneimittellehre.

Neue Arzneimittel, ein therapeutischer Rückblick. Von Dr. A. Langgaard.

(Dentsche med. Wochenschrift No. 32 u. 33 1886.)

Urethanum. Carboninsäure-Aethyläther.

00 Sn Dasselbe wird erhalten durch Ein-

wirken von Ammoniak auf Chlorkohlensäure-Aethyl- äther und stellt nach Angabe der Pharmakopoö- commission des deutschen Apothekervereins farb- lose, säulenförmige Krystalle dar von eigenthüm- lich kühlendem Geschmack, welche bei 480 pbis 50 schmelzen, gegen 1700 sieden und unzersetzt sublimiren, angezündet mit wenig leuchtender Flamme ohne Rückstand verbrennen, in Wasser, Weingeist, Aether, Chloroform leicht und klar

löslich sind und neutrale Reaction zeigen. Die Einführung in die Therapie verdanken wir Schmiedeberg, welcher die hypnotische

Wirkung an Thieren constatirte. Aus den Unter- suchungen dieses Forschers, sowie aus den jetzt vorliegenden Beobachtungen am Menschen geht hervor, dass das Mittel vorwiegend die Gross- hirnfunctionen beeinflusst, Sensibilität und Reflex- erregbarkeit aber in den gebränchlichen Dosen nicht beeinträchtigt. Dies geschieht erst durch grosse Dosen. Das Fehlen jedweder toxischen Eigen- schaften, und der Umstand, dass weder Respi- ration noch Circulation ungünstig beeinflusst wer- den, würde das Mittel zu dem werthvollsten Hypnoticum machen, wenn seine schlaferzeugende Wirkung ebenso sicher wäre, wie es unschädlich ist. Hinsichtlich der Dosirung gehen die An- sichten noch auseinander. Für gewöhnlich schei- nen 2 4,0 beim erwachsenen Menschen noth- wendig zu sein. Das Mittel kann in einfacher wässeriger Lösung oder mit einem Zusatz eines Syrups gegeben werden.

Hypnon Methyl-Phenyl-Aceton oder Aceto- phenon C3 Hg O2 oder 0 O. wurde im 5

Jahre 1857 von Friedel entdeckt und 1885 von Dujardin-Beaumetz und 6. Bardet als Schlaf- mittel in die Therapie eingeführt. Dasselbe wird erhalten durch trockene Destillation eines Gemenges von benzoösaurem und essigsaurem Kalk und stellt bei gewöhnlicher Tempeératur eine farblose, stark lichtbrechende, neutrale penetrante, nach bitteren Mandeln, Maiglöckchen und Orangen- blüthen riechende Flüssigkeit dar, welche bei 1980C. siedet. bei 4 50C. zu einer krystallinischen Masse erstarrt. In Wasser und Glycerin ist Hypnon unlöslich, leicht löslich dagegen in Al- kohol, Aether, Chloroform, Benzin. In Dosen von 0,2 ruft das Hypnon beim gesunden Menschen

nach 20 Minuten pis ½ Stunde ruhigen Schlaf hervor; Puls und Respiration bleiben normal, in manchen Fällen besteht nach dem Erwachen Schwere des Kopfes und Kopfschmerz. Die Dosis beträgt für den erwachsenen Menschen 0,2 0,5 am besten mit Oel oder Aether in Gelatinkapseln. Die subcutane Anwendung ist bei den stark ört- lich reizenden Eigenschaften nicht angezeigt.

Hyoscin. Passelbe findet in Form des brom- wasserstoffsauren undjodwasserstoffsauren Salzes Anwendung in der Praxis. Dieses Hyo- scin ist nicht zu verwechseln mit dem früher so benannten Spaltungsprodukt des Hyoscyamin. Das in Rede stehonde Alkaloid ist von Padenburg in dem Bilsenkrautsamen neben dem Hyoscyamin gefunden worden. Das Hyoseinum hydro- ein weisses, bis gelblich weisses krystallinisches, etwas hygroskopisches, in Wasser sehr leicht lös- liches Pulver dar.

Das Hyoseinum hydrojodicum(C17 H3 NO H) Ha 0) bildet kleine, gelblich ge- färbte, in Wasser ziemlich schwer lösliche Pris- men. Die physiologischen Wirkungen, welche 1883 von OClaussen, 1885 von Wood und Wetherill näher erforscht sind, charakterisiren sich als ausgesprochen schlafmachend. Respi- rationsthätigkeit wird herabgesetzt. Beim gesun- den Menschen rufen schon 0,001 nach Verlauf von ca. 20 Minuten häufig deutliche Vergiftungs- erscheinungen hervor. Als Hypnotieum hat sich das Mittel bei den verschiedensten Formen der Schlaflosigkeit bewährt. Zu erwähnen ist bei der Dosirung, dass das Mittel zu den schärf- sten Giften gehört und die Anwendung grosse Vorsicht erfordert. Beim erwachsenen Menschen wird für Einträufelung in das Auge eine Lösung von 0,01: 10,0 Aqua; für subcutane Injeetion 0,0001 0,0005 und innerlich 0,0005 0,001 in Lösung, in Wein oder Cognac oder in Pillen zu benutzen sein. G. Sch.

Antliche Bekanntmachungen, Erlasse etc.

Verordnung des Oesterreichischen Ministeriums des lnnern und des Handelsministeriums, be- treffend das Verbot des Verkaufes des Alkaloides Hopein etc. Vom 17. Juli 1886.

(Wiener medicinische Blätter No. 32, 1886 S. 987.)

Nachdem durch Untersuchungen desHopein und einiger aus demselben dargestellten Präparate, welche durch französische und deutsche Chemiker und insbesondere

auch durch den obersten Sanitätsrath veranlasst wurden, nachgewiesen wurde, dass das angeblich aus wildem