4 PThiermedicinische Rundschau etc.
1886/87. No. 1.
geprüft worden. Es ergab sich, dass die Ent- wickelungsfähigkeit desselben aufgehoben wurde 1) durch Hitzegrade von mindestens 550 C. pei einer Einwirkung von 10 Minuten; 2) durch eine 5 Minuten dauernde Einwirkung einer drei- resp. fünfprocentigen Carpolsäurelösung; 3) eine zwei Minuten lange einprocentige Kalihypermanganicum- Lösung; 4) eine ebenso lange. von einem Chlor- wasser von 0,23 resp. 0,16 Chlorgehalt und 5) eine gleich lange von Sublimatlösung 1: 5000.
Kochendes Wasser, 3— 5 proc. Carbol- und 1% 0 Sublimatlösung dürften für die Zwecke der Praxis genügen.
Bezüglich der Bedeutung der BRot?bpa- cillen für die Diagnose der Rotzkrankheit erklärt Verf. den Nachweiss der typischen Rotz- paeillen in den der Untersuchung zugänglichen, noch nicht geöffneten Rotzknoten und Pusteln für wenig schwierig.
Von dem Inhalt des mit allen Vorsichtsmass- regeln geöffneten Abscesses werden mehrere Gläs- chen erstarrtes Blutserum, sowie einige Kartoffeln pesät und mit dem event. entstehenden gelben Belag einige Feldmäuse oder Meerschweinchen geimpft; auch lassen sich die Bacillen darin sehr leicht in gefärbten Deckglaspräparaten nachweisen.
Im Nasenausfluss ist der Nachweiss der Rotzpacillen schwieriger. Einwal erschweren die
Feststellung die in grosser Zahl vorhandenen Septicaemie erzeugenden Bacillen und anderer- seits ist die Erkennung durch eine untrügliche Farbenreaction nicht leicht. Auch Qulturversuche dürften hier nur den Geübteren zum Ziele führen. Wichtiger ist hier noch das Thierexperiment.
Es empfiehlt sich zu diesem Zwecke besonders wegen der charakteristischen Veränderungen in den Hoden und Nebenhoden 3—5 männliche Meerschweinchen durch PFinbringen grösserer Mengen Nasenausflusses in Hauttaschen zu impfen. In etwa 14 Tagen wird man dann immer bei einigen der Versuchsthiere die typischen Rotz- processe sich entwickeln sehen. Wegen ihrer Em- pfänglichkeit für septische Processe eignen sich Kaninchen und Feldmäuse zu diesem Versuch nicht.
Recht interessant sind noch die Angaben hin- sichtlich des Infectionsmodus. Verf. glaubt an- nehmen zu müssen, dass eine Infection niemals durch die unverletzte Haut oder Schleimhaut, sondern nur durch Pefecte derselben stattfinden könne. Die Infection vom Verdauungskanal aus sei bei Thieren und Menschen unwahrscheinlich. obwohl diese Frage wie auch die Infectionsmög- lichkeit durch die Luftwege noch experimentell zu prüfen wäre.
EineVererbung der Rot?krankheit auf den Fötus hült L. für möglich.


