Miscelle.
(Fortsetzung.)
Die hauptsächlichsten Ursachen, warum der Roggen in gesetztes Land gesäet besser geräth, mögen wohl sein: daß der Samen in solchem Lande viel besser und gleichmäßiger untergebracht wird; daß der Boden sich feuchter erhält und die Saat gleichmäßiger und einen geschlossen Stand bildet, was unter allen Umständen wuͤnschenswerth ist; daß der gesetzte Boden weniger bei Nässe breiartig zusamenläuft und dann bei Trockenheit nicht so leicht erhärtet; daß er vom Frost nicht so leicht in die Höhe ge— zogen wird und mithin die Pflanzen des Roggens weniger leiden, wenn dieser Umstand eintritt; und endlich, daß in dem eine Zeit lang gelegenen ge— pflügten Lande viele der oberflächlich liegenden Un⸗ krautsamen keimen, die durch das Eineggen der Saat zerstört werden und die, wenn dieß nicht der Fall ist, fortwachsen und dem Roggen Nahrung entziehen. Wird dagegen der Roggen in das frisch gepflügte Land gesäet, so erfolgt die Unterbringung des Samens nicht gleichmäßig, ein Theil wird in dem lockern Boden tief, oft zu tief vergraben, ein anderer bleibt oberflächlich liegen, und die Saat geht ungleich auf, mit ihr schoßt das Unkraut zu⸗ gleich auf, und die Saat, welche nicht gleichmäßig geschlossen steht, vermag es nicht zu unterdrücken. Folgt bald nach der Saat Negen, so werden viele Samen in die Höhe gespült und sie treiben dann nur schwächliche Pflanzen, welche bei der Durch⸗ witterung größtentheils verloren gehen. Ohne Rück⸗ sicht auf die Vortheile einer spätern oder früheren Saat machen es in manchen Wirthschaften die Ver— haltnisse nothwendig, dem Roggen von dem im lau— fenden Jahre erzeugten Mist so viel als möglich zu— kommen zu lassen, und die Saat dauert dann so lange, als es die Witterung gestattet. In einem sandigen Boden kann dieses Verfahren allerdings eine Rechtfertigung finden, in mehr gebundenem ist
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es aber durchaus nachtheilig, und eine Wirthschaft, wo dieß stattfindet, leidet an einem großen Fehler in ihrer Organisation. Eine besondere Veranlassung zu einer früheren Saat liegt auch darin, ob der Roggen langsam und spät gereift ist; in diesem Falle geht er langsamer und später auf, und dergleichen Same muß früher gesäet werden. In vielen Ge— genden herrscht der Glaube, daß der Zeitraum vom 10. bis 20. October ein ungünstiger für die Saat des Roggens sei. Der um diese Zeit gesäete Nog⸗ gen soll namlich sich bei dem darauf folgenden Kei⸗ men in die Höhe ziehen, obenauf liegen bleiben und größtentheils verderben, so daß gewöhnlich im Früh⸗ jahre ein zu dichter Stand der Pflanzen erfolgt. (Fortsetzung folgt.)
Anekdoten.
Ein vierjähriger Knabe, der noch bei seiner Mut— ter schlief, bekam Durst und begehrte Wasser. Diese, nur in halber Besinnung, hielt ihren Söhnchen im Taumel des Schlafes erwas auf dem Nachttischchen Stehendes an den Mund mit den Worten:
„Da trink, Männchen.“
Der Knabe sträubte sich; die Mutter wiederholte ihre Einladung.
„Warum willst du nicht trinken, Herz?“
Es ist ja der— Kerzenleuchter.
Ein Landmann, der zum Erstenmal ein Dampf— schiff sah, betrachtete es von allen Seiten, und sagte endlich zu dem neben ihm stehenden Nachbar:
„s' Dampfschiff wär' freilich schön, und auf das Kommodeste eingerichtet, wenn aber einmal das Was— ser recht groß wird, so läuft es halt doch zu den Fenstern hinein.“
Ein Krämer begegnete einem Arzte, und versteckte sich hinter einer Mauer. Um die Ursache gefragt, sagte er:„Ach Gott, ich schame mich, diesem Arzt unter die Augen zu kommen, weil ich so lange nicht krank gewesen bin.“
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.


