Miscellen.

Fortsetzung.)

Ja man kann annehmen, daß der Roggen in nördlicheren Gegenden mit mehr Gewißheit gebaut werden kann, als in Gebirgsstrichen, wo die Wit⸗ terung sehr wechselnd ist, weil später Frost oder Reif, wenn er den Roggen in der Blüthe trifft, die⸗ sen gänzlich zerstört. Was den Boden anlangt, so liebt er den mehr leichten, lockern, er kommt in ei⸗ nem solchen, welcher 85 Procent Sand hat, recht gut fort und selbst im Sandboden, der nicht geradezu Flugsand ist, wo selbst der Buchwaizen nicht gut sort will, gedeihet der Roggen dennoch, wenn ein solcher Boden nur nicht zu arm an pflanzennähren⸗ den Theilen ist, und lohnt die auf ihn verwendete Mühe und Arbeit. In vielen Sandgegenden ist der Roggen die einzige Körnerfrucht, und fur diese die unschätzbarste Wohlthat. Uebrigens geräth der Rog⸗ gen in einem mehr bindigen Boden, wenn dieser nur reich genug ist, sich nicht zu fest schließt, muͤrbe bleibt und an der Luft leicht zerfällt, um so desser, besonders der Stauden⸗Roggen, und giebt einen um so größern Ertrag an Körnern und Stroh. Be⸗ sonders gut gedeihet der Roggen in dem sogenann⸗ ten Gerstenboden, welcher dem Klee gut zusagt und wo noch Waizen mit Vortheil gebaut werden kann. Hat der mehr thonige Boden eine Beimischung von Kalk oder Mergel in seiner Oberfläche, so ist er für den Roggen ebenfalls geeignet, weil diese Be⸗ standtheile die Oberfläche des Bodens mürbe erhal⸗ ten. Was die Tiefe der Bodenkrume anlangt, so gedeihet der Roggen allerdings um so besser, je mehr er mit seinen Wurzeln eindringen kann, und diese gehen im lockern Erdreiche bis zu einer nicht unbe⸗ trächtlichen Tiefe herab, doch nimmt er auch mit einem flachen Boden mehr vorlieb, als viele andere Feldgewächse, weil die Wurzeln dann, anstatt in die Tiefe zu gehen, sich mehr seitwärts ausbreiten und einen Filz bilden. In einem feuchten und sehr bin⸗ digen Boden, welcher dem Waizen zusagt, kommt

der Noggen nicht gut fort, er wintert leicht aus; wenn er fest wird, können sich die Wurzeln nicht genugsam verbreiten und die Pflanzen bleiben klein und setzen kleine Aehren und wenig Körner an. Ist die Witterung günstig, so wächst er in solchem Boden mehr ins Stroh, als er Körner giebt. Nas⸗ ser Boden und solcher, wo sich beim Thauwetter Wasser sammelt, paßt zum Bau des Roggens nicht, weil er meistens auswintert. Einen gewissen Grad von Säure im Boden verträgt er mehr, als andere Feldgewächse, und er kann daher im Moorboden, wenn dieser gehörig trocken gelegt ist, gebaut wer⸗ den; auch kommt er im Haideboden fott. Je kräf⸗ tiger der Boden ist, um so besser gedeihet der Rog⸗ gen, er kommt aber auch in einem magern, we⸗ nig Humus enthaltenden Boden fort, und für Außenfelder, welche eine Reihe von Jahren zu Weide liegen gelassen werden, um einige Kraft zu sammeln, ist er die schätzbarste Frucht, weil er nicht nur ei⸗ nen sehr schaͤtzbaren Ertrag an Stroh, sondern auch durch den Köͤrnerertrag einigen Gewinn giebt. Man hat solche Ländereien, die in 4, 6 auch mehr Jahren einmal mit Roggen bestellt werden, ohne daß sie je Düngung erhalten, und ist der Boden nicht zu arm an Humus und nicht zu trocken, so daß der Graswuchs nicht zu unbedeutend ist, so nimmt man an, daß er, wenn er 2 Jahre als Schasweide liegen bleibt, eine gute Roggen-Ernte zu tragen vermag, ohne erschöpft zu werden. Je überwiegender die Sandtheile in einem Boden sind, um so feinhülsiger, mehlreicher und schwerer werden die Samen. Je feuchter und kälter das Klima ist, um so weniger mehlreich sind die Körner. Fortsetzung folgt.)

Anekdote.

In der Anlage werden Sie zwei Louisd'ors fin⸗ den, schrieb Jemand an Herrn L., vergaß aber dieselben dem Briefe beizulegen.

Sogleich zieht Herr L. seinen Rock an und eilt in us königlichen Anlagen, um dort die Louisd'ors zu uchen.

Druck und Verlag der G. D. Brühl' schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.

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