Krankheiten frei, und wenn diese auch erst in seinem Alter kommen. Diese Krankheiten ent— stehen oft dadurch, daß die Schwierigkeit, womit die äussersten Zweige seiner Krone Nahrung aus der Wurzel ziehen, immer in dem Verhältnisse größer und größer wird, wie die Entfernung zwi— schen den Zweigen und der Wurzel zunimmt und die Gefäße mehr erstarren und gestopft werden. Ein solcher Nachtheil läßt sich aber größtentheils verhüten, wenn man junge Schößlinge auf junge Aeste propft; der Baum erhaͤlt dadurch neue Kraft, welche sein Leben auf unbestimmte Zeit hinaus verlängert. Auch mit folgender Düng— erde kann man alten schwächlichen Bäumen wie— der aufhelfen. In einer Ecke des Gartens macht man zur Herbstzeit ein geräumiges Loch, legt die ausgegrabene Erde daneben hin und schuͤttet in das Loch einige Körbe voll Erde von oben hin— weggenommenem bebauten Lande. Den Winter über sammelt man beim Metzger Ochsen- oder Nindsblut, gießt es in die Grube auf die hin— eingeworfene Erde, hackt sie jedesmal gut durch— einander und wirft von Zeit zu Zeit, während dem Hineingießen von frischem Blut, von der nebenliegenden Erde dazu. Alles mengt man gut untereinander. Zeitig im März gräbt man den alten Baum rings um die Wurzeln herum eine Hand breit hoch auf; die davon herrührende Erde bringt man weg und an deren Stelle legt man die mit Blut vermengte Erde rings umher einen halben Fuß hoch. Diese Bluterde bedeckt man wieder mit etwas anderer Erde.
Von Obstbäumen, die an Mauern stehen, gehen bisweilen einige Aeste zu Grund, während andere gesund bleiben. Dieß rührt von den na⸗ genden Wirkungen des Nostes der Nägel und Hacken her, womit solche Bäume befestigt wer— den. Zur Verhütung jener üblen Folgen braucht man daher nur dafür zu sorgen, daß die Rinde der Bäume mit dem Eisen in keine Berührung
kommt. Zuweilen trauert ein Baum, ohne daß man die Ursache der Kränklichkeit ausfindig zu machen im Stande ist. Eine Maus kann z. B. daran Schuld seyn, wenn sie die Wurzel zernagt hat. Solche Bäume lassen sich gewöhnlich da⸗ durch wieder frisch und gesund machen, daß man ihren Stamm acht Tage lang täglich einmal mit frischem Wasser abwaͤscht. Vorzüglich bei Hitze und Trockenheit kurirt dieß Mittel die kränkeln⸗ den Bäume. Die sogenannten Baumwanzen verderben die Bäume, besonders die Pfirschen⸗ und Aprikosenbäume, wenn sie dieselben anfallen. Bestreicht man die Bäume im Winter mit Oel, so gehen keine Wanzen daran. Haben die Bäu⸗ me auch schon einige Aeste und Zweige verloren, so treiben sie dafür wieder viele neue aus. In⸗ secten überhaupt vertreibt man von Obstbäumen dadurch, daß man letztere 2—3 Wochen lang, wöchentlich ein paarmal, mit einer starken, er⸗ kalteten Abkochnng von Tabak und zarten Hol— lunderzweigen vermöge eines Pinsels besprengt. Wendet man dieses Mittel frühzeitig an, wenn die Knospe sich entfaltet, so vertreibt es die Flie— gen. Die Insecten überhaupt werden dadurch ver— tilgt, und die Blätter bleiben so lange grün, bis sie abfallen. Auf 4 Maas Wasser rechnet man 1 Unze Tabak und ungefähr 2 Hände voll Hol⸗ lunder. Insecten, welche Aepfelbäumen schaden, werden auch durch eine Mischung von Urin, Kuhmist und Kalk vertilgt, wenn man damit im Monate März die Bäume bestreicht. Die, vor⸗ nehmlich in trockenen Jahren und bet heißem Wetter fast allen Obstbäumen so schädliche, sehr kleine rothe Spinne vertilgt man am sicher⸗ sten durch bloßes Wasser, wenn man damit, und zwar vermöge einer Spritze, zu wiederholten Malen die Stellen bespritzt, wo sie sich befindet. Um Schnecken von den Obstbäumen abzuhalten, binde man, 2— 3 Fuß vom Boden, eine dicke pferdehaarene Schnur um den Stamm. Stehen die Bäume an Mauern, so nagle man an diese, ungefähr einen halben Fuß uͤber dem Boden, ein schmales Stück dickes Pferdehaar-Tuch. Wei⸗ ter bis an die Pferdehaare können die Schnecken nicht kriechen. Sobald sie dieß demungeachtet versuchen, so verletzt das Pferdehaar ihre weichen Leiber se, daß sie sterben.
(Fortsetzung folgt.)
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.


