Migcellen.
Ein Mittel, die alten Obstbaͤume zu be— handeln, damit sie tragen.
Als ich einem alten erfahrnen, mir wohlge⸗ wogenen Gärtner vor einigen Jahren eröffnete, daß ich in meinem Küchengarten zwei, wohl zwanzigjährige Bäume von der kleinen Muska— tellerbirne haͤtte, die aber wenig oder nichts trü— gen, rieth er mir:
„In den heißesten Tagen des Sommers, und in den heißesten Mittagsstunden die Baum— schäfte von der Krone an bis auf die Wurzel gänzlich zu schälen.“
Ich bezeugte meinem Freunde meinen Un— glauben hierüber. Er führte mich aber in den Baumgarten und zeigte mir einen alten Tümp⸗ lingbirnbaum, der wohl viermal dicker war, als meine kleine Muskatellerbirnbäume. Diesen hatte er, weil er,(wie ich schon von des Gärtners Herrn gehöret hatte) viele Jahre nichts getragen hatte, völlig, wie oben gemeldet, geschälet, und der Stamm hatte wieder seine völlig glatte Schale. Wo er ins Holz zu scharf geschnitten hatte,(denn die ganze rauhe Schale und die darunter sitzende weiße Schale muß bis auf das Holz, ohne Gefahr rein abgeschälet werden) hatte die Schale des Baumes einen kleinen Schlitz, daß die Schale nicht völlig zusammen gewachsen war. Er eröffnete mir, daß es davon herkäme, daß er bei der Abschälung der Schale des Bau—
mes etwas zu tief gekommen und in das Holz des Stammes geschnitten habe; unterdessen that es den Früchten nichts. Ich ließ darauf einen meiner Muskatellerbäume, nach der erhaltenen Anweisung, vor einigen Jahren schälen, den an— dern aber, gleich dabei stehenden, in seiner natür— lichen Verfassung stehen. Der geschälte bekam sofort eine glatte neue Rinde vor Winters, trug die folgende Jahre vielfältig mehr, als der un— geschälte. Und da er später auch viel mehr Blüͤ⸗ then gehabt, als der ungeschälte neben ihm ste— hende, so soll der andere in folgender Sommer— hitze gleichfalls geschälet werden. Sollte diese Behandlung nicht mehr Nachahmung verdienen, und dadurch mancher schon verloren geschaͤtzte Baum wieder gewonnen werden können?
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Anekdoten.
Ein Junker am Hofe zu Dresden rühmte sich über Tafel, er hätte in Wittenberg mehr als 2000 Thaler verstudirt. Monsieur, sagte Taubmann ihm ins Ohr, wenn Er einen finden kann, der Ihm für seine Gelehrsamkeit 100 Thlr. wieder giebt, so verkauf' Er dieselbe ohne Beden⸗
ken; denn Er wird sie schwerlich höher anbringen.
„Bei Vicenza, log ein Neisender, fand ich ein Echo, das neun und neunzigmal wiederhallte.“ „Das ist eine Kleinigkeit,“ antwortete jemand, „auf meinem Gute ist eines,— wenn ich dem zurufe: „Guten Tag, Miß Echo!“ so antwortet es:„Ich bedanke mich, Herr Baron!“
Berichtigung: In Nro. 34 dieser Blätter, Seite 2 Zeile 15 von oben heißt es: und am 7. zu Nidda verkauft, muß heißen: und
7 Stück zu Nidda verkauft
Druck und Verlag der G. D. Br üh l'schen Buch⸗ und Steindruckerei in Gießen.
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