Im Herbste 1835 hatte ich eine so reiche Obsternte, daß nur für das schönere ausgesuchte Obst Platz im Keller war. Das unansehnlichere und abgefallene verschiedener Sorten mußte an einem Platze aufgeschüttet werden, wo es vor der gleich Anfangs November eingetretenen heftigen Kälte nicht geschützt war. Es fror daher Alles steinhart zusammen und ich war nun nicht lange darüber verlegen, was damit anzufangen sey; denn ich erinnerte mich meiner früheren Most⸗ Fabrikation. Ich thaute also die Aepfel auf, machte in jeden ein Paar Schnitte übers Kreuz, und gewann mittelst einer kleinen vom Gr. Mont⸗ gelas'schen Obergärtner Herrn Seimel entlehnten Presse von jedem bayer. Halbmetzen(oder Vier— tel) Aepfel 7¼ Maß Most.
Die ausgepreßten Hülsen, in welchen im—⸗ mer noch einiger Saft zurückblieb, der mit etwas Wasser vermischt in einer zweiten Presse noch ei— ne geringere Sorte geben würde, gab ich den Kuͤhen und Schweinen, für welche sie, ihrem gierigen Fraße nach zu urtheilen, eine wahre Delikatesse zu sein schienen.
Der Most ist gleich nach der Presse etwas weniges trübe, aber angenehm zu trinken und vorzüglich süß.
Nach einem Theile der wenigen Gährung wird er goldfarbig hell und moußirend; verliert etwas Weniges von der Süßigkeit, gewinnt aber an Geist. Auch gesund ist er zu trinken, soviel ich bei meiner Familie vom Kleinsten bis zum Größten beobachtet habe, und ich glaube sogar, daß er wie guter Weinmost im Stande wäre zu berauschen.
Nachdem mir nicht anders bekannt ist, als daß bisher nur aus frischen und nicht aus ge⸗ frornen Aepfeln Most bereitet wurde, der aber in jeder Beziehung dem obigen weit nachstehen muß, indem bei der Fabrikation eine viel grö—
ßere Ausbeute und ein besseres Produkt erzielt wird, was jeden Oekonomen, insbesondere aber die Obstkulturanten interessiren muß, so finde ich für allgemein nützlich, meine obigen Erfahrungen hierdurch zur allgemeinen Bekanntmachung mit⸗ zutheilen.
Georg Mayr, Eigenthümer des Bades Brunthal.
Wirkung der Elektrizitaͤt auf die Obstfruͤchte.
Unstreitig ist die Elektrizität das wesentliche belebende Prinzip in der Natur, und sie ver— diente von irgend einem leidenschaftlichen Lieb— haber physikalischer Versuche sorgfältiger, als bisher geschah, geprüft und beobachtet zu werden; denn die vielerlei Spielereien, die man damit treibt, verdienen keiner Erwähnung. Ein kleiner, interessanter Beitrag ist Folgendes: Bei Hya— zinthen und anderen Zwiebelblumen spürt man bekanntlich, wenn sie erst heran wachsen, noch nichts von dem ihnen eigenen Geruch. Elektri⸗ sirt man aber einige derselben verschiedene Tage nach einander(etwa Morgens eine halbe Stunde und Abends wieder so lange), dann bekommen sie ihren eigenthümlichen Geruch früher, als die nicht-elektrisirten. Wenn man Gefäße mit vorher noch nicht⸗elektrisirten Blumen, die aber schon ihren eigenthümlichen Geruch erhalten haben, isolirt, und sie mit der Elektrisir-Maschine in Verbindung bringt, so bemerkt man, wo man diese in Bewegung setzt, daß der Geruch dieser Blumen sich nun viel weiter verbreitet, als vor dem Elektrisiren, so daß diese Vergrößerung der durch die Ausflüsse der Blumen riechenden Atmo⸗ sphäre fast immer ein Drittel oder auch die Hälfte des vorigen Raums, in dem sie eingeschränkt war, zu betragen scheint. Uebrigens ist der Er— folg immer der nemliche, man mag dieselben Versuche in einem Zimmer oder im Freien an⸗


