Das Pfropfen im Spalt ist die gefäahr⸗ lichste Veredlungs⸗ Methode. Ich würde sie in Baumschulen nur im hochsten Nothfalle anwenden, weil dabei der ganze Stamm mitten durch das Mark gespalten wird, und bis ins tiefste Alter des Baumes eine innerliche Wunde hinterläßt, und später immer die ichste Veranlassung zum Faul⸗ oder Hohlwerden und unzähligen andern Krankheiten der Bäume gegeben wird.
Die beste Zeit zum Propfen ist im Fruͤh⸗ Jahre, ehe der Saft in die Bäume tritt. Es wird ebenfalls so nah wie möglich an der Wur⸗ zel verrichtet, und selbst noch am Vortheilhaf⸗ testen, wenn es so tief geschieht, daß die Ver⸗ edlungsstelle in der Erde aufängt. Natürlich gilt dieses nur bei schwächern Bäumchen. Star⸗ kere oder ältere veredelt man entweder in der Krone selbst, oder nahe unter derselben. Bei starken Bäumen muß man darauf sehen, daß das Edelreis im Spalte auch nicht so sehr ge⸗ quetscht wird, und in diesem Falle mit einem kleinen Keile, welchen man in den Spalt schiebt zu Hülfe kommen. Nicht selten ist es der Fall daß die Rinde des Zrundstammes bedeutend stärker ist, als die des Edelreises, weil erstere gewöhnlich mehrere Jahre, diese aber immer nur ein Jahr alt ist. Wird nun in diesem Falle genau die Vorsicht befolgt, welcher zu Folge die beiden Rinden von der Außenseite sich mit ein⸗ ander vereinigen müssen, so r ⸗ist man eben nicht auf dem rechten Wege. Bei dem Einsetzen des Reises sehe man In darauf, daß beide Ninden sich mit ihren innern Seiten gleich sind und berühren. Denn hier erzeugt sich der Bil⸗ dungssaft, welcher allein die Materie ist, die das eigene oder vielmehr das vereinigte Leben und Zusa mmenwachsen der beiden Holzarten be⸗ fördert und verrichtet. Diese Bemerkung dürfte
bei alten Bäumen mit oft einer schon liniendicken Rinde von großer Wichtigkeit sein, weil hier der Abstand der beiden Linien von einander schon bedeutend wird. 8 Beim Verbinden der fropfst llen muß man sehr darauf sehen, ob die Spalten entweder zu schwach oder zu stark sind. Im letzteren Falle hilft man sich, wie schon vorhin bemerkt, mit kleinen Keilen, im ersteren mit festerem Umbinden. Ein eignes Verfahren beim Pfropfen, d. h. beim Zuschneiden des Wildlings hatte ich hier öfter Gelegenheit zu beobachten im Garten des Herrn N. N., welches, so viel mir bekannt, wohl die Erfindung des genannten Herrn ist. Derselbe schneidet nemlich den Grundstamm (statt daß er sonst gerade, oder höchstens nach dem sogenannten Rehfuß geschnitten wird, wo aber dann das Edelreis aus der höoͤchsten Fläche des Abschnitts gesetzt wird) schräg ab, von unten nach oben(einen Kopulirschnitt von 1— 1½ Zoll) und setzt das Edelreis an der nie⸗ drigsten Stelle des Abschnitts ein, so daß die obere Spitze des Abschnitts noch einen Zoll hoch neben dem Edelreise empor ragt. Hier sollte man nun denken, es wäre fast unmoglich, daß eine solche Stelle sich ganz verwachsen könnte, wenigstens dürfte man glauben, es müßte sehr langsam von Statten gehen.— Aber gerade umgekehrt, in der möͤglichst kürzesten Zeit sieht man keine Spur mehr von einer Wunde. Mit unglaublicher Schnelligkeit häuft sich der Bil⸗ dungssaft an, und drängt sich nach oben und
umwächst die ganze Stelle. Für die Aechtheit
dieses Verfahrens habe ich mehrere Beweise vor Augen, und es zeigt sich deutlich, daß die da⸗ neben stehenden Bäume, welche auf die gewohn⸗ liche Art gepelzt wurden, nochmal so lange
Zeit brauchten, bis die Wunden ganz zugeheilt sind. (Fortsetzung folgt.)
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Berichtigung aus Kreisblatt M 8. Seite 3, Zeile 9 von unten, lies statt entworfen— ausgeworfen. Seite 4, Zeile 5 von oben, lies statt Einrichtung— Enkrichtung.


