was noch häufiger der Fall ist, fur den ärmern zu kostspielig sind; besonders aber bei Denjeni⸗ gen, die noch nicht rechten Drang zur Aufklä⸗
rung in sich haben, solche Werke zum großen
Theile, namentlich auf dem platten Lande, nicht einmal bekannt. Um nun eben gesagten Um⸗ ständen entgegenzuwirken, bin ich der Meinung, daß es nicht am unrechten Platze ist, wenn ich hier in diesem Blatte— welches sich doch so manchen Lesers unter der Zahl der Süter- oder Grundstücke⸗Besitzer auf dem Lande erfreut— eine kurze, auf praktische Erfahrung gegründete Anweisung der Obstbaumzucht, ausschließlich die Aepfel⸗ und Birn⸗Bäume betreffend, in die Hand gebe. Indem ich dieses für die beste Gelegen— heit halte, besonders Denjenigen ein Hilfsmit⸗ tel an die Hand zu geben, welche gerade nicht besondere Ausgaben für Bücher machen wollen, so habe ich diese ganze Abhandlung in III Ab⸗ schnitte eingetheilt, uns so kurz wie möglich aus⸗ geführt, besonders habe ich Rücksicht genommen auf den Obstbau in eigentlichen Obstgärten und Obstpflanzungen an Straßen dc. und beschränke mich blos auf die Anzucht der Aepfel- und Birn⸗ Bäume. Dieses mag nun im Großen oder Klei— nen betrieben werden, so ist vor Allem die An⸗ legung einer Baumschule die nothweudigste Be⸗ dingung.
§. 4. Laze, Boden und Bearbeitung desselben zur Anzucht
der jungen Obstbaum⸗Wildlinge.
1. Lage. Was die Lage zur Anlegung einer Samenschule betrifft, so wähle man so viel wie möglich eine geschützte, aber von Ost und Süd frei liegende Lage, die jedoch den freien Luftzug nicht ganz entbehrt, damit die jungen Bäume zwar geschützt, aber doch nicht verweichlicht wer⸗ den. So sehr auch dazu von vielen Pomologen eine von Nord nach Süd hin abhängige Lage vorgeschlagen wird, so rathe ich doch, eine gleich⸗ hoch liegende Fläche vorzuziehen.
2. Boden. Was den Boden betrifft, so darf man bei der Wahl durchaus nicht so ängstlich
zu Werke gehen. Wenn gleich ein nicht zu schwer mit Sand vermischter Lehm⸗Boden jedem andern Boden vorzuziehen ist, wegen seiner gut aushal⸗ tenden Eigenschaften gegen Hitze und zu großer Feuchtigkeit, so eignet sich aber auch ein jeder leichter, nur nicht zu hoch oder tief liegender Garten-Boden dazu. Nur sey man das Jahr vorher, ehe man die Korner anbaut, darauf be— dacht, daß man den Boden durch Düngen und öfteres tiefes Umgraben in einen lockeren und kräftigen Zustand versetze, und so viel wie mög⸗ lich vom Unkraut befreie. Beides erreicht man am Besten dadurch, wenn man denselben mit recht kurzem Dünger düngt, und den Sommer uber mit Hackfrüchten, z. B. Kartoffeln, Kraut ꝛc. bestellt. Auf diese Art verwest der Dünger ge⸗ hörig und wird bei der spätern Bearbeitung recht mit der Erde vermischt. Ein frisch gedüngter Boden eignet sich zur Aussaat der Obstbaͤume durchaus nicht, noch weniger aber ein zu magerer Boden. Im erstern wachsen sie nur zu üppig und werden dadurch gleichsam verzärtelt, und im letzteren gedeihen sie gewöhnlich gar nicht, oder verkrüppeln wenigstens alle darin und brauchen sehr lange Zeit, oft viele Jahre, bis sie nur so weit herangewachsen sind, daß man sie in die Baumschnle versetzen kann.
Im Herbst, wenn das Land abgetragen ist, muß es sorgfältig und wenigstens einen Schuh tief umgegraben werden. Tiefer zu graben, finde ich nicht für nothwendig, weil die jungen Bäum⸗ chen, welche entweder nur 1 oder 2 Jahre auf dem Saamen-Beete stehen bleiben, mit ihren Wurzeln so tief wie gescharrt ist, ausfüllen, wo⸗
durch sie hinlänglich Raum genug haben, ver⸗ hältnißmäßige Wurzeln zu bilden. Ich habe so⸗ gar Beweise dafür, daß ein mehrere Schuh tief gegrabener Boden zu Saamenbeeten für Obstkerne
nur nachtheilig ist; denn ich fand, daß in diesem
die jungen Baͤumchen in 2 Jahren fast alle nur einzelne mehrere Schuh lange Wurzeln gebildet hatten. Ports. folgt.
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