die Unterplatte mit der Oeffnung L, die Deck- platte(Fig. 45) hat die Oeffnungen H und I. Fig. 43 giebt den Längendurchschnitt; in dem Kasten sind zwei Zungen, k und i, erstere von Mauerziegeln, letztere von Dachziegeln, aufge⸗ mauert; sie stehen an beiden Seitenwänden an und sind oben durch den Dachziegel h verbunden. In dem Naum zwischen beiden steigt die kalte Luft durch die Oeffnung L in die Höhe, und tritt bei 1 wieder aus. Eben so strömt sie durch p in den Naum M zwischen den von der Decke des Kastens bis auf 6 Zoll vom Boden nieder⸗ gehenden Zungen J und 2, und tritt erwärmt bei r aus. Solche Vorrichtungen sind natürlich besonders bei langsam und ausdauernd heizenden Oefen vortheilhaft, welche, wenn sie auf zweck⸗— mäßige Weise damit versehen sind, dann ohne Zweifel im Allgemeinen für unsere zweckmäßigsten Zimmeröfen gelten können. Uebrigens ist eine Luftheizungsröhre fast bei jedem bestehenden Ofen auf eine oder die andere Weise noch anzubringen. (Schluß folgt.)

Die Vorhaut der Obstbaͤume.

Eine der merkwürdigsten Stellen aus dem Alterthum über Obstbaumzucht ist diejenige, welche wir im dritten Buche Mosis Cap. 19 V. 23— 25 finden; dort heißt es nämlich:

„Wenn ihr ins Land kommt und allerlei Bäume pflanzet, davon man isset, sollt ihr derselben Vorhaut beschneiden und ihre Früchte. Drei Jahre sollt ihr sie unbeschnitten achten, daß ihr sie nicht esset. Im vierten Jahre aber sollen alle ihre Früchte heilig und gepreiset sein dem Herrn. Im fünften Jahre aber sollt ihr die Ftüchte essen und sie einsammeln; denn ich bin der Herr euer Gott.“

Moses stützte diese Verordnung, wie wir sehen, auf Gottes eigenen Befehl, und es muß ihm daher viel daran gelegen gewesen sein, daß sie von den Juden genau beobachtet würde. Fra⸗ gen wir nun nach dem Grund solcher Vorschrift,

so finden wir ihn allerdings in der Natur der neugepflanzten Obstbäume. Bekannt ist es daß öf⸗

ters neugepflanzte Obstbäͤume, besonders veredelte,

wenn nicht gleich im ersten Jahre, doch im zwei⸗ ten und dritten ihrer Verpflanzung Blüten und Früchte ansetzen; aber eben so bekannt ist es, daß die Pomologen diese allzuschnelle Fruchtbarkeit nicht gern sehen; denn der frischgepflanzte Baum, der noch nicht hinlänglich Zeit hatte, um in dem neuen Boden seine Wurzeln gehörig zu befestigen und auszubreiten, ist meist von kurzer Dauerhaf—⸗ tigkeit; die Kraft, die er vorerst zu seiner bloßen Existenz nöthig gehabt hatte, geht in die Bluͤten und Früchte über, die dabei doch nicht zu der gehörigen Vollkommenheit gelangen. Ein solches Bäumchen übertreibt sich und geht früher ganz verloren, ähnlich denen, die man durch den so⸗ genannten Zauberring, oder durch Unterbinden mit Draht zum frühen Tragen zwingt. Moses gebot daheß, was nach ihm auch andere Baum⸗ züchter der Natur abgelernt haben und beobachten, und nur der Ausdruk„Vorhaut“ ist dabei auf⸗ fallend; allein den an der Vorhaut selbst beschnit⸗ tenen Juden war diese bildliche Redensart desto verständlicher. Sie sollten die ersten Blüten ab⸗ brechen und eine voreilige Fruchtbarkeit verhin⸗ dern, damit die Bäume desto mehr erkräftigen und zum künftigen Tragen um so geschickter würden. Damit aber keiner sich verleiten ließe, solche Erstlings-Früchte sich dennoch angenehm sein zu lassen, verbot das Gesetz, sie zu genießen, vielmehr sollten sie dieselben, wie sie es gegen die unbeschnittenen Heiden thaten, mit Abscheu betrach⸗ ten und wegwerfen, und zwar sollten sie dieß in den ersten drei Jahren nach der Anpflanzung thun. Im vierten Jahre als der eigentlichen erstmaligen Obsternte waren die Früchte wie alle Erstlinge bei den Juden dem Herrn geheiligt, d. h., sie wurden in den Tempel gebracht, und von den Priestern theils zu Opfern, theils zu ihrem ei⸗ genen Gebrauch verwendet. Im fünften Jahre endlich durfte der Baumpflanzer die Früchte seines Fleißes einsammeln und nach Belieben verwen⸗ den.— Auch waren in diesem mosaischen Gesetz die Weinpflanzungen mit inbegriffen.

Dr. Porsch.

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