Samstag, den 20. Juli 1932.
250000 neue Wohnungen.
Seit 1919 rund 2 800 000 Wohnungen mehr!
Die Wohnungsbautätigkeit des Jahres 1931 hielt sich nach ,, Wirtschaft und Statistik" trotz der im Laufe des Jahres eingetretenen Finanzierungsschwierigkeiten noch auf beachtlicher Höhe. Insgesamt wurden 251 700 Wohnungen neu erstellt, Der Abgang an etiva ein Viertel weniger als im Vorjahr Wohnungen betrug 18 100. Der Reinzugang belief sich also auf 233 600 und dürfte damit ungefähr dem Zugang an Haus haltungen entsprochen haben.
Von den neuerstellten Wohnungen trafen auf
Neubauten
Umbauten
1931 231 342 20 359 251 701
1930 307 933
22 327 330 260
Zugang insgesamt Von den Neubauwohnungen wurden 229 800( 1930: 305 300) in Wohngebäuden und 1500( 2600) in sonstigen GeDurch bäuden( Fabriken, Anstalten und ähnlichen) errichtet.
Um, An- und Aufbau wurden 20 400 Wohnungen erbaut, das sind 9 v. H. weniger als im Vorjahr, ihr Anteil an der gesamten Wohnbautätigkeit stieg auf 8 v. H.( 1930: 7 v. H.).
Jahr: Zugang Abgang an Wohnungen 1926. 220 529 14 736 1927.. 306 834 18 199 1928. 330 442 20 680
„ Steponer Geltung"
1919..
Jahr: Zugang Abgang an Wohnungen 60 861 1920. 108 307 1921. 141 498
4.147 5215 7275
8355
7607
8874 12 882
1929. 338 802 1930 330 260 1931251 701
21 120
19 289 18 053
Der Kleinwohnungsbau ist am wenigsten zurückgegangen; sein Anteil am gesamten Wohnungsbau hat daher eine beträcht liche Steigerung erfahren. Während sich im Vorjahr die Kleinund Mittelwohnungen noch fast die Waage hielten, waren 1931 über die Hälfte aller in Neubauten gelegenen Wohnun gen solche mit 1 bis 3 Wohnräumen( einschließlich Küche). Die verhältnismäßige Zunahme der Kleinwohnungen war in allen Gemeindegrößenklassen festzustellen. Am verbreitesten war der Ban dieser Wohnungen in den Gemeinden mit 10 000 bis 50 000 Einwohnern, in denen von 100 Nemvohnungen 60 auf Kleinwohnungen entfielen( 1930: 49); in den Großstädten betrug ihr Anteil 57.7 v. H.( 1930: 50 v. H.). In den Gemeinden mit unter 5000 Einwohnern wurden am wenigsten Kleinwohnungen gebaut. Auf dem flachen Lande überwog sogar die Zahl der erstellten Mittelwohnungen beträchtlich.
1922. 154 970 1923 125 940 1924. 115 376 1925 191 812 Der Reinzugang an Wohnungen betrug somit im Jahre 1931 233 600 Wohnungen; er war um 77 300 Wohnungen oder ein Viertel kleiner als im Vorjahr.
Der Rückgang der Wohnbautätigkeit ist hauptsächlich auf die Einschränkung der für den Wohnungsbau zur Verfügung gestellten öffentlichen Mittel zurückzuführen.
Obwohl die Kürzung der Unterstützungen sich im Berichtsjahr vor allem bei den Bauplanungen auswirkte, die Fertigstellungen aber nur in der zweiten Jahreshälfte in stärkerem Maße beeinflußte, ist die Zahl der mit Hilfe von öffentlichen Mitteln ( Hanszinssteuermittel, Bürgschaftsübernahme, Darlehen aus Anleihen usw.) errichteten Wohnungen in Wohngebäuden um 30 v. H. zurückgegangen, während die Zahl der übrigen, also rein privat finanzierten Wohnungen nur um 6 v. H. gesunken ist. Troßdem entfielen auf die ersteren immer noch 74 v. H. ( im Vorjahr 79 v. H.) aller in Wohngebäuden errichteten Wohnungen. Deffentliche Mittel wurden besonders zum Bau von Kleinwohnungen aufgewendet, von denen etwa vier Fünftel öffentliche Zuwendungen erhielten.
Mit der Bauleistung des Jahres 1931 sind dem deutschen Wohnungsmarkt seit 1919 rund 2,8 Millionen Wohnungen zugeführt worden( einschließlich etwa 83 000 Um-, An- und Aufbauwohnungen, die von 1919 bis 1924 von der Statistik nicht erfaßt wurden). Der gesamte Wohnungsbestand im Deutschen Reich belief sich Anfang Januar 1932 auf 16,4 Millionen denen Wohnungen, von 2 744 000 oder 17 v. S. Neuwohnungen waren, gegenüber 15,5 v. H. Anfang 1931 und 14 v. H. Anfang 1930.
Die Zahl der fertiggestellten Wohngebäude belief sich auf 94 100, ist also gegenüber 1930 um 27 000(= 22 v. H.) zurückgegangen. Von den Wohngebäuden waren 72 300 Kleinhäuser mit 1 bis 2 Wohngeschossen und höchstens 4 Wohnungen( um 20 v. H. weniger). Die Zahl der erstellten Kleinhäuser war gemessen an der Gesamtzahl der errichteten Wohngebände in den letzten Jahren ständig gesunken. Jin Jahre 1931 bahnte sich auch hier eine rückläufige Entwicklung
Wie im Vorjahr war der Anteil der mit Hilfe von öffentlichen Mitteln erstellten Wohnungsbauten in den ländlichen Gemeinden besonders niedrig( 46,5 v. H.), während er in den Groß- und Mittelstädten fast neun Zehntel betrug. Von den insgesamt 94 100 neuerstellten Wohngebänden wurden 59 v. H. mit Unterstüßung aus öffentlichen Mitteln errichtet.
Unter den Bauherren standen die privaten Auftraggeber an erster Stelle. Ihr Anteil am Wohnungsbau belief sich auf 51,7 v. H.( 1930: 51,3 v. H.). Damit ist gegenüber der
an.
Nr. 30
* Dienstjubiläum. Gewerbeinspektor Melcher kann am 1. August auf seine 25- jährige Dienstzeit an dem Gewerbeaufsichtsamt Gießen zurücbliden. Der Jubilar verstand in diesen Jahren seinen nicht immer leichten Dienst korrekt zu versehen.
Ernst Rudelshaus ist seit 25 Jahren als Badewärter Seine und Masseur in der Medizinischen Klinik angestellt. Anstellung erfolgte am 1. August 1907.
* Werteschaffender Freiwilliger Arbeitsdienst. Im Bereich des Arbeitsamts Gießen stehen gegenwärtig 27 Prozent aller Arbeitsuchenden werteschaffend im Freiwilligen Arbeitsdienst. Der oberhessische Bezirk Gießen steht damit an der Spitze im ganzen Reich.
Von den erstellten Wohngebäuden waren 77 v. H. Kleinhäuser gegen 75 v. H. im Vorjahr, 80 v H. im Jahre 1929 und 83 v. H. 1928. Jm Durchschnitt hat sich die Größe der Wohngebäude nicht erheblich verändert. Auf ein neuerstelltes Gebäude trafen durchschnittlich 2,4 Wohnungen( 1930: 2,5, 1929: 2,4 und 1928: 2,2).
* Straßensperrungen. Wegen Verlegung von Fernsprech kabel wird die Wilhelmstraße von Ludwigstraße bis Frankfur terstraße am 29. Juli 1932 für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperre und Umleitungsschilder sind zu beachten." Das Verbindungsgäßchen ,, An der Wieseck" zwischen Bleich- und Alicenstraße wird wegen Bauarbeiten auf dem Grundstück Alicenstraße Nr. 23 bis auf weiteres polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperrschilder sind zu beachten.
1200 Mark für das schönste Kinderfoto! Die Münchner Jl= lustrierte bringt in ihrer neuen Nummer( Nr. 31) ein schönes Ferien- Preisausschreiben. Für die schönsten Fotos sind 1200 Mark und 300 Trostpreise ausgesetzt.
*
Wagenborn- Steinberg. Durch einen plötzlich eingetretenen Erdrutsch in der Lehmgrube der hiesigen Dampfziegelei Kruse wurde der 40 Jahre alte Arbeiter Karl Schmidt verschüttet. Bevor dem Bedauernswerten geholfen werden konnte, war er erstickt. Er hinterläßt eine Frau und vier unmündige Kinder.
Bei den Nichtwohngebäuden war die Verringerung der Bauleistung annähernd ebenso stark wie bei den Wohnungsbauten. Insgesamt wurden 69 000 Gebäude für öffentliche, gewerbliche und landwirtschaftliche Zwecke mit 50,4 Millionen Rubikmeter umbautem Raum erstellt. Nach der Zahl der Gebäude blieb das Ergebnis hinter dem des Vorjahres um ein Fünftel, nach dem Rauminhalt um 28 v. H. zurück. Bei den öffentlichen Gebäuden( 1800) sank das Volumen um fast die Hälfte auf 6,5 Mill. Kubikmeter( 1930: 12,3 Mill. Kubikmeter) und bei den gewerblichen und landwirtschaftlichen Gebäu den( 67 200) um nicht ganz ein Viertel auf 43,8 Mill. Kubikmeter( 1930: 57,5 mill. Kubikmeter). Die stärkste Bautätigkeit wurden in den ländlichen Gemeinden entfaltet. Zweidrittel sämtlicher Wirtschaftsbauten mit 28,9 Mill. Kubikmeter umbautem Raum wurden auf dem flachen Lande in den Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern errichtet. Die Größe der errichteten Bauten war in den einzelnen Gemeindegrößen recht unterschiedlich. Im Reichsourchschnitt trafen auf einen öffentlichen Bau 3700 Kubikmeter( 1930: 4320 Kubikmeter), auf ein gewerbliches und landwirtschaftliches Gebäude 652 Rubikmeter( 1930: 686 Rubikmeter). Dem Zugang an Nichtwohngebäuden stand 1931 ein Abgang von 12 200 Ge bänden gegenüber, so daß sich ein Reinzugang von 56 800 Nichtwohngebäuden gegenüber 73 700 im Vorjahr ergab.
Stockheim. Seinen schweren Verletzungen erlegen ist der Lokomotivführer Schäfer, der am Montag von einer Rangierlokomotive überfahren worden war. Außer dem Verlust eines Fußes hatte er einen schweren Schädelbruch davongetragen. Er hinterläßt eine Frau und fünf Kinder.
Bad Nauheim. Bis zum 28. Juli 1932 betrug der Gesamtbesuch 15 810 Gäste, darunter 2622 Ausländer. Anwesend waren an diesem Tage 3450 Gäste.
Mit dem Motorrad in eine Personengruppe. Hermannstein( Kr. Biedenkopf). 3wei junge Leute von Azlar bemächtigten sich eines Motorrades und unternahmen damit eine Schwarzfahrt. Auf der belebten Straße gerieten die Fahrer in eine Gruppe junger Leute. Zwei junge Leute von hier wurden schwer verletzt. Die beiden Fahrer kamen mit leichteren Verletzungen davon.
Stillegung von Erzgruben.
Dillenburg. Wegen Absatzmangels hat die Siegerländer Erzgrube ,, Eisenzecherzug" Stillegungsanzeige zum 31. August erstattet. 330 Bergleute werden arbeitslos. Auch die Grube ,, Ameise" stellt Ende August den Bergbau ein, wodurch etwa 200 Bergleute arbeitslos werden. Durch diese erneuten Stillegun gen wird der völlige wirtschaftliche Zusammenbruch der betref= fenden Ortschaften nicht mehr aufzuhalten sein.
Großfeuer in Kassel.
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Kassel. In dem stillgelegten Dietrichschen Sägewerke im Industriestadtteil Bettenhausen brach heute abend gegen% 8 Uhr ein verheerendes Schadenfeuer aus. Das Sägewert wurde bis auf den Grund zerstört. Das Feuer griff dann auf die Richtersche Maschinenfabrik über, die innerhalb einer Stunde in ihrer gesamten Ausdehnung von 138 Meter Front in Flammen stand. Die Feuerwehr mit allen ihr zur Verfügung stehenden Löschzügen hatte fast drei Stunden heldenhaft gearbeitet, um das Uebergreifen des Feuers auf die Großgarage mit den Oel- und Benzintanks zu verhüten, was ihr gegen 11 Uhr auch gelang.
Entwicklung der letzten Jahre sinkender Anteil der rein pri Lokales und aus Nah und Fern. Der Brand dauert noch fort.
vaten Bautätigkeit unter dem Einfluß der öffentlichen Unterstützung des Wohnungsbaus ein Umschwung eingetreten. Die Bautätigkeit der gemeinnützigen Bauvereinigungen hielt sich anteilmäßig ebenfalls noch etwas über dem Stand des Vorjahres, während die der öffentlichen Körperschaften weiter zu rückgegangen ist.
Von 100 Wohnungen in Wohngebäuden wurden erbaut 1931 1930 1929 1928 8,0 8,9 9,6 10,4 40,3 39,8 34,9 30,0 51,7 51,3 5515 59,6
von öffentlichen Körperschaften von gemeinnüß. Gesellschaften von privaten Bauherren
Von den öffentlichen Körperschaften und gemeinnütigen Bauvereinigungen wurden wiederum überwiegend Kleinwohnun gen, von den privaten Bauherren Großstädten
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Mittelwohnungen erstellt.
Der Abgang an Wohnungen bezifferte sich auf 18 100, um 6 v. H. weniger als 1930. Durch Abbruch und Brände kamen 14 100 Wohnungen( 1930: 16 000), durch Umbau 3900 Wohnungen( 3300) in Wegfall. Langfristige unkündbare
Darlehen
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Sonntagsgedanken.
Das Korn steht ernteschwer auf dem Acker. Weit und breit dehnt sich in fatter Fruchtbarkeit das Land hin. Der Sonne Strahlen füssen lebendipendend an den Halmen die Aehren und an den Bäumen die Früchte, daß sie vollends reifen.
Es ist Erntezeit! Wir haben gesät und sammeln jetzt die Früchte unserer Arbeit ein. Rings um die Dörfer bietet sich das gleiche Bild; fleißige Hände regen sich, um das kostbare Gut zu bergen. Und Millionen freuen sich an den reichen Gaben des Sommers und danken dem dort oben, der seinen Segen spendete, als der Landmann das Samenkorn ausstreute, der es aufgehen ließ und Sonnenschein und Regen gab und die Frucht reifen ließ.
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