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Nr. 51

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Samstag, den 24. Dezember 1932.

Gießener Zeitung"

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Es sprüht ein Stern in dunkle Nacht hinein. Da flammen auf viel tausend Tannenbäume! Und in den Herzen blüh'n liebholde Träume Bom ,, Wieder Kind" und Wieder glücklich sein. Odies Gescheh'n, da aller Schatten weicht! Lichtfülle ftrahlt bis in die tiefften Herzen. Und Glocken jubeln zwischen Wunderkerzen: Die schönste Stund' des Jahres ist erreicht!" Otto Promber.

Shanghai.

Aus Briefen eines englischen Soldaten. Deutsch von C. P. Hiesgen.

Fieberkrank schidte mich der Stabsarzt auf vier Wochen in bie Krankenstube nach Shanghai.

Nach Verlauf des Fiebers hatte ich die Erlaubnis, zur Mittagszeit eine Stunde auf dem Hofe spazieren zu gehen. Der Hof ist diesseits von einer modernen Straße, jenseits von einem staubigen Wege begrenzt, der sich an einer alten, hohen Mauer zum Chinesenviertel hinzieht.

Dem Hofe gegenüber fauern zwei gelbe Bürschlein an der Mauer und spielen mit zwei jungen Hunden. Für ihre fünf oder sechs Jahre sind die kleinen Chinesen sehr aufgeweckte Kerl­chen. Ihrem Aussehen nach fönnte man sie ebenso gut für Kin= der aus Arbeitervierteln in Europa halten. Viel flüger und selbständiger als gleichaltrige Kinder bei uns, haben sie sich ge­schickt aus vier Stöden, die sie in die Mauer hinein geklemmt haben, ein Häuschen gebaut und ein Stück geteertes Leinen dar­über gespannt.

mers beispiellofen Sieges Diesen wir schon an dieser icht nur die beste Mann Verbandes sei. Wir find al den Titel eines Ber in feinem Jahre so über Ee in diefer Spielzeit mit Nur einmal spielte bie Theo Hansen und Adolf n der Nationalelf gegen Igenden Knod- out- Runde werden die Landsknecte

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Die struppigen Hunde spielen mit den nadten Füßen der Kleinien, die singend ihren Hunger forttäuschen.

Sie haben seit gestern mittag nichts mehr gegessen. Die Soldaten erhalten bei der kritischen Lage der Stadt morgens nur ein viertel Liter Suppe. Davon können sie nichts verteilen.

Plötzlich rufen Hörner aus verschiedenen Richtungen des Fremdenviertels. Das ist das langerwartete Signal für die Kleinen. Hastig greifen sie nach ihren großen Konservenbüchsen, die ihnen die vierbeinigen Gesellen immer blank halten.

Vorsichtig umkreisen sie die Feldküche, die eben angekommen ist. Seit gestern sind besonders strenge Befehle angeschlagen. Es ist bei Arreststrafe verboten, Lebensmittel an die Chinesen zu verteilen.

Die Schar der hungernden Kinder umlagert die Feldküche mit Hungergeheul. Die Kleinen wissen schon, warum man ihnen nichts zu essen gibt.

Satte Stimmen verscheuchen den hungrigen Haufen: ,, Jagt dieses Ungeziefer zum Teufel!"

Flüche und Schandworte, die eher umgekehrt Berechtigung haben. Das wissen sie alles, die Kleinen, aber der Hunger zwingt sie zu schweigen.

Die Kleinen fennen die Gesichter, die ein Stüd Brot hin­werfen, um dann Eimer schmutziges Wasser über sie auszugießen oder mit dem Stod auf die hungergequälten Leiber loszuschlagen.

Immer wieder ballt der Hunger seine verzweifelte Meute zusammen. Auf allen Plätzen und Straßen stimmen die Kinder ihr Hungerkonzert an:

,, Soldat, gib Essen! sgossen!

Vater erschossen! Mutter er­Gib Brot! Mir, mir, mir, mir auch! Bin zu flein, fann noch nicht arbeiten! Soldat, gib Essen!" ,, Gib Brot, Soldat!" drängt sich ein verkrüppeltes Kind vor.

Sein Gebrechen gibt ihm mehr Mut als den gefunden Kindern. Manches Herz unter der Uniform und manches Gehirn unter dem Stahlhelm spürt sein Blut heißer pulsen, und nicht Strafen noch Befehle hindern die Matrosen und Soldaten des Otzidents, den Kindern der Entrechteten und Ermordeten des fernen Ostens soviel Brot zu geben, wie sie im Augenblid besitzen.

Trotz der drohenden Strafen und strengen Befehle haben die beiden Bürschlein ihre Konservenbüchsen voll Essen ergattert. Jauchzend rennen sie mit ihrer Hungerbeute unter das Dach an der alten hohen Mauer, um mit ihren zottigen Freunden einen Festschmaus zu halten.

Gierig verschlingen die jungen Hunde die Reste, und sorg­sam stellen die kleinen Chinesen die blankgeleckten Büchsen wieder in die Mauernische.

Ein Weilchen spielen sie noch mit ihren Hunden, dann streden sie sich lang und schlafen glücklich" unter der Wohltat des englischen Protektorats"!

Anfällige Kinder.

Von Dr. J. Peiser.

Wenn der Sommer vorüber und der Herbst ins Land ge= gangen ist, dann mehren sich die Erkältungskrankheiten. Diese Beobachtung wiederholt sich in jedem Jahre und erscheint der­art gesetzmäßig, daß eine Erkältung oft geradezu schicksalsmäßig hingenommen wird. Namentlich Kinder werden zahlreich von ,, Erkältung" ergriffen und nicht wenige zeigen eine Neigung und Bereitschaft ,, sich zu erfälten".

Solche Menschen, welche sich sehr leicht erkälten" nennt der Sprachgebrauch ,, anfällig" und oft wird der Arzt befragt, warum z. B. das Kind ,, so anfällig" sei und wie dem abgeholfen werden

tönne.

Der Begriff der Erfältung ist trotz ihrer Häufigkeit noch start umstritten. Viele Aerzte erkennen eine Erkältungsfrant­heit überhaupt nicht an. Sie vertreten den Standpunkt, daß die sogenannte Erkältung stets auf einer Infektion beruhe, auf einer Ansteckung durch einen anderen, an der gleichen Krankheit leidenden Menschen. In der Tat läßt sich in der Mehrzahl der Beobachtungen eine Ansteckungsquelle in der Umgebung des Erkrankten feststellen, und es ist zweifellos näherliegend, die einem frische Erkrankung durch Uebertragung von anderen her zu erklären, als sie auf einen Begriff zurückzuführen, dessen Erklärung schwierig ist. Es ist oft nicht leicht, die Ansteckungs­quelle ausfindig zu machen, allein bei Kindern gelingt dies häufig. In der Regel sind es die Geschwister, die Spielge­fährten, die Schulkameraden, die Pflegepersonen, wenn diese mit einem Schnupfen oder einem Katarrh der oberen Luftwege be haftet sind. Keine Krankheit ist so leicht übertragbar als ein ,, harmloser" Schnupfen, und die Uebertragung eines Rachen­oder Luftröhrenkatarrhs durch die beim Husten und Niesen ver­streuten Tröpfchen ist der Allgemeinheit noch immer viel zu

Lokales.

Weihnachtsfriede.

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Das ist die stille, die heilige Nacht, wenn die Straßen und Gassen vereinsamen und hinter den Fenstern die Lichterbäume erstrahlen. Da erwacht dann auf der ganzen Erdenrunde der Zauber jener göttlichen Verheißung, die einst vor 2000 Jahren eine Welt aufhorchen ließ: Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens find.

Und alle Jahre wieder sucht der Lichtglanz dieser heiligen Nacht von Bethlehem mit ihrem Friedensgesang den Weg in die Herzen der Menschen. Wieder ist die stille, heilige Nacht gekom men. Weihnachten, das heimliche Königreich des ewigen Fries dens. Die Hoffnung der Völker vor Jahrtausenden einst, jetzt wieder die Hoffnung der Nationen. Ewig nah ist dieser Friede und dennoch ist diese gepeinigte Menschheit friedlos. Und trotz­dem bricht sie nicht auf, den Weg zu gehen, den der Stern be­zeichnet, wie einst die Hirten auf dem Felde und die drei Könige aus dem Morgenland. Die Völker lauschen noch immer nach einer großen befreienden Friedensbotschaft und hören nicht die Stimme, die über Bethlehem erklang und die nicht unterging im Vorüberrauschen der Jahrhunderte.

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Aber die Menschheit hat sich zum großen Teil wieder von Gott abgefehrt man lese nur die neuesten Meldungen über die Anordnungen der Sowjet- Regierung in Rußland gegen das Weihnachtsfest und weil man dem Lenker aller Lenker nicht mehr die Ehre geben will, darum ist kein Friede auf der Welt, sondern überall Not und Elend, Rat- und Hilflosigkeit, Herrsch sucht und Gewalt.

Ist alle Hoffnung verschwunden? Nein, und tausendmal nein! Was jeder kann und muß, ist: sein Friedensreich in Teiner eigenen Brust aufrichten. Nur über den Weg der Erneuerung des inneren Menschen erneut sich die Welt. Erst, wenn sich die Menschen in Andacht vor dem Kreuz auf Golgatha beugen, wird jene Weihenacht zur Wirklichkeit werden, die wir nur im kleinen Kreise in der stillen, heiligen Nacht unter dem Weihnachtsbaum vorahnend erleben: die große heilige Weihe nacht der Versöhnung aller Völker der Erde.

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* Ein stiller Heiligabend. Für den Ladenschluß am Heili­gen Abend bleibt es in diesem Jahr bei den Bestimmungen des Borjahres, wonach die Geschäfte um 5 Uhr zu schließen haben; nur für Lebensmittel- und Blumengeschäfte ist die Berkaufszeit bis 6 Uhr verlängert. Für Gast- und Schantwirtschaften gilt die Polizeistunde. Leider fonnten Bestrebungen der zuständigen Ressorts, die dahin gingen, den Ladenschluß ohne Ausnahme auf 5 Uhr festzusetzen und auch die Offenhaltung der Gast- und Schantwirtschaften zeitlich zu begrenzen, infolge der allgemein­politischen Lage, die jede gesetzgeberische Tätigkeit des Reichs­tages ausschließt, nicht zum Ziele kommen. Wann hat unser Bolt einen stillen Heiligabend nötiger gehabt als in diesem Jahr?

* Weihnachtspostverkehr. Die Amtsräume des Hauptzoll­amts Gießen, Liebigstraße 8, find am ersten Weihnachtsfeiertag von 10 bis 12 Uhr vormittags zur Abfertigung von aus dem Ausland eingegangenen Weihnachtspostsendungen geöffnet.

* Bom Bolizeiamt. Wegen Vornahme von Kesselreini gung bleibt das Polizeiamt am Dienstag, den 27. Ifb. Mts. für den Publikumsverkehr geschlossen. Um dringende, feinen

wenig bekannt. Es ist unbestreitbar, daß in den öffentlichen Verkehrsmitteln zahlreiche Katarrhe übertragen werden, die hinterher als Erkältungstrantheiten gelten, weil die ursächlichen Zusammenhänge nicht erkannt worden sind. So muß auch das häufige Uebergreifen einer Erkältung" von einem zum anderen Familienmitglied darauf hinweisen, daß eine übertragbare Krankheit vorliegt. Und die Erkältung auf dem Schulweg ist unschwer durch Anstedung von einem Schultameraden zu er­klären.

Gegen diese scheinbare Erkältung, in Wirklichkeit Ansteckung, gibt es ein probates Mittel, das ist die Hustendisziplin. Wenn die Erwachsenen und die Kinder Sustendisziplin üben wollten, wenn sie nicht hemmungslos in den Raum hinein husteten und freiweg niesten, sondern sich dabei abwenden oder ein Taschen­tuch vor Mund und Nase nehmen wollten, dann würde die Ver­streuung von Tröpfchen und damit die Uebertragung von Ka­tarrhen auf ein Mindestmaß zurüdgedrängt werden.

Andererseits ist nicht zu leugnen, daß unter gleichen Ver­hältnissen nicht jeder Mensch sich erkältet". Zum Zustande tommen der Erkältungskrankheit ist eine persönliche Bereit<< schaft notwendig. Eine solche wird durch übermäßige, insbe= sondere einseitige Abkühlung, sowie vollständige oder teilweise Durchnässung geschaffen. Darüber hinaus gibt es Zeiten gestei­gerter und verminderter Anfälligkeit. Am finnfälligsten treten diese im Kindesalter in Erscheinung. Kleinkinder sind am an­fälligsten; die Anfälligkeit läßt erst gegen das 10. Lebensjahr wesentlich nach. Vorausgegangene Erkrankung oder Erschöpfung hinterlassen für längere Zeit erhöhte Anfälligkeit. Viele Men­schen zeigen eine angeborene, anlagemäßig bedingte Anfällig­feit; aber auch unzwedmäßige Ernährung, insbesondere Ueber­ernährung mit sog. fräftiger Kost und übermäßige Flüssigkeits­zufuhr steigern die Anfälligkeit. Zu wenig Beachtung findet immer noch die Tatsache, daß zu dichte Bekleidung, namentlich wenn sie vermehrte Schweißabsonderung hervorruft, die Wider­standsfähigkeit gegen Erkältungskrankheiten herabsetzt.

Damit ergeben sich die Gesichtspunkte, welche die Erkäl­tungsbereitschaft herabzusehen geeignet sind. Vermeidung jeder Verweichlichung, zwedmäßige nicht zu dichte Bekleidung, ins­besondere poröse Unterkleidung, regelmäßige Hautpflege( wir wissen heute, daß die Haut für die Abwehr von Erkrankung eine besondere Rolle spielt), mäßige Ernährung ohne Festlegung auf bestimmte Systeme, jedoch unter Beachtung frischer Gemüse und frischen Obstes, Freiluftgymnastik. Sog. Abhärtung durch Wasserprozeduren wird oft übertrieben, wertvoller ist Abhärtung durch Lufteinwirkung. In diesem Sinne wirkt auch eine Er­holungsreise, wenn sie mit einem Klimawechsel verbunden wird. Es muß nicht eine Sommerreise sein, auch eine Winterreise fann Anfälligkeit herabsetzen. Wer im einzelnen Beratung wünscht, erhält sie am besten bei dem Arzt seines Vertrauens, der seinen Stolz darein seht, Krankheiten nicht erst zu heilen, sondern schon zu verhüten.