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Nr. 33.

Samstag, den 20. August 1932.

,, Gießener Zeitung"

Ausklang der 10. Olympischen Spiele

Finale

Wieder wölbt sich ein flarblauer Himmel über der herr­lichen ,, Stadt der Engel". Unbekümmert um olympisches Freud und Leid steht strahlend die kalifornische Sonne am Firmament, jene Sonne, die so viel Verdruß und Mißgeschick unter den besten Athleten der Welt gesehen hat. Heute ist der letzte Tag der großen Entscheidungen. Mit der Schlußfeier klingen die 10. Olympischen Spiele aus.

Die erste Woche dieser Spiele hat, angefangen vom 100­Meter- Lauf bis zu dem gigantischen Marathonrennen, die ganze sportlich interessierte Welt in Spannung gehalten. Eine Steige­rung nach den großartigen Leichtathletik- Wettbewerben war faum noch möglich, und sie blieb auch aus. Wohl haben Schwim­mer, Ruderer und Boxer vor noch größeren Zuschauermassen ge­stritten, aber die unübersehbaren Mengen, wie sie im Kolosseum zusammengeballt waren, marschierten nicht immer auf.

Die mörderischen Sonnenstrahlen haben bis auf einige Aus­nahmen den Athleten der alten Welt übel mitgespielt, sie mach­ten die Kämpfer müde, schlapp, sie unterminierten die Willens­traft und machten die schärfsten Waffen stumpf. Die fühlen, ja bald kalten Nächte riefen Erkältungen hervor. Schnupfen, Influenza grassierten im olympischen Dors, und herade die Spitzenkönner legten sich fiebernd ins Bett und gingen am nächsten Tage in der dumpsbrütenden Schwüle vor Frost zähne­klappernd in die harten Rennen. Unter diesen Umständen haben sich die deutschen Kämpfer hervorragend geschlagen.

Man muß gesehen haben, wie sie ihre ganzen Kräfte einsetz­ten, und selbst in aussichtslosen Positionen. Am schönsten aus­gezeichnet haben sich aber die Deutschen durch ihr sportgerechtes Verhalten. Jede Niederlage trugen sie auch wie ihre wenigen Erfolge mit Anstand und Würde. Durch dieses sportliche Ver­halten und die Bekundung besten olympischen Geistes haben sie

stürmisch begrüßt. Der Präsident des J. O. C., Graf Baillot­Latour, dankte den Athleten für ihr ritterliches Kämpfen für die erwiesene große Gastfreundschaft. Kanenschüsse donnern das Ende der 10. Olympischen Spiele. Ehrfurchtsvoll schweigen die Massen, als das Olmpische Feuer verlöscht und die Flagge fällt. Die Kapelle spielt zum letzten Male die olympische Hymne, die Fahnen Griechenlands, Amerikas und Deutschlands steigen empor, erstere zur Erinnerung an das antike Vorbild, die andere als Anerkennung für das gastgebende Land, die letzte als Hinweis auf die Nation, die die nächsten, die 11. Olympi schen Spiele 1936, ausrichten wird. Langsam leert sich der Riesenraum. Die Olympischen Spiele 1932 find beendet. Das Klassement der Nationen

Nachstehend bringen wir eine inoffizielle Zusammenstellung, wobei wir den einzelnen Nationen in Klammern den in Amster= dam im Gesamtergebnis bejezten Plaz beifügen:

1. Amerika 757 Punkte( 1.); 2. Jtalien 256,5 Punkte,( 8.); 3. Frankreich 213 Punkte( 5.); 4. Deutschland 163,5 Punkte ( 2.); 5. Schweden 149 Punkte( 4.); 6. Finnland 143 Punkte ( 3.); 7. Japan 140 Punkte( 17.); 8. England 139 Punkte( 7.); 9. Ungarn 107 Punkte( 12.); 10. Kanada 96 Punfte( 11.); 11. Holland 56 Punkte( 6.); 12. Australien 45 Punkte(-); 13. Polen 42 Punkte(-); 14. Südafrika 41 Punkte(-); 15. Desterreich 40 Punkte( 14.); 16. Argentinien 40 Punkte( 16.); 17. Dänemark 33 Punkte( 15.); 18. Tschechoslowakei 24 Punkte ( 13.); 19. Jrland 23 Punkte(-); 20. Neuseeland 14 Punkte (-); 21. Philippinen 14 Punkte(-); 22. Mexiko 13 Punkte (-); 23. Indien 10 Punkte(-); 24. Belgien 7 Punkte(-); 25. Spanien 6 Punkte(-); 26. Schweiz 5 Punkte( 10.); 27. Uru­guan 5 Punkte(-); 28. Lettland 5 Punkte(-); 29. Brasilien 4 Punkte(-).

der deutschen Sache einen guten Dienst geleistet. Dies bewog Die Verteilung der Medaillen

auch eine der größten amerikanischen Zeitungen zu der Fest­stellung: ,, Wenn es eine Goldmedaille für den besten olympischen Geist gebe, so könnte sie nur an Deutschland fallen." Die Symphonie höchster sportlicher Leistungen, dargeboten von den besten Athleten der Welt, erlebt von Hunderttausenden, mit­empfunden von Millionen, ist vorüber. Der Wettbewerb der mit der Betätigung best menschlicher Tugenden, hat in Los Angeles höchste Triumphe gefeiert. Die olympische Idee hat einen weiteren Sieg errungen.

Besten aus allen Erdteilen um den schlichten Lorbeer, verbunden

*

Ein Deutscher Tag".

Vor der Abreise in die Heimat waren die deutschen und österreichischen Olympia- Teilnehmer noch einmal der Gegenstand einer herzlichen Ehrung durch ihre in Kalifornien lebenden Landsleute. Der von diesen aufgezogene ,, Deutsche Tag" be= wies in seiner Großzügigkeit und Großartigkeit, daß sich unsere Landsleute an gewisse amerikanische Eigentümlichkeiten bereits gewöhnt haben.

In fast allen olympischen Wettbewerben nahmen die Kämpfe einen reibungslosen Verlauf. Nur bei den Boxern gab es einen heftigen Mißklang durch die zahlreichen Fehlurteile, durch die nicht nur Deutschland, sondern auch Schweden, Finn­land und vor allem Italien benachteiligt wurden. Obwohl fast lediglich Amerikaer und Kanadier bevorteilt, ist die kalifornische Presse am Sonntag objektiv genug, das begangene Unrecht scharf zu rügen. ,, Examiner" in Los Angeles schreibt, zwei Drittel des Publikums hätten das Peinliche der Situation empfunden. als der Deutsche Campe um seinen verdienten Sieg gebracht wurde.

*

1. Amerika 2. Jtalien

3. Finnland 4. Frankreich 5. Schweden

Gold= Medaillen

40

Silber- Bronze= Medaillen Medaillen 33 29

11

11

14

5

8

14

9

7

2

9

3

10

6. Deutschland

3

13

4

7. Japan

7

7

4

8. Ungarn

6

4

4

9. England

4

6

6

10. Kanada

1

5

8

11. Holland

2

4

1

12. Australien

3

1

1

13. Polen

2

1

4

14 Südafrika

2

4

15. Argentinien

3

1

16. Tschechoslowakei

1

1

17. Desterreich

1

3

2

18. Jrland

19. Dänemark 20. Mexiko 21. Indien 22. Lettland 23. Schweiz 24. Philippinen 25. Neuseeland 26. Griechenland 27. Spanien 28. Uruguay

1

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122

1

1

1

Noch einmal waren 100 000 Zuschauer ins Kolosseum gekom- Wer errang für uns die 20 Medaillen?

men, als am Sonntagnachmittag die feierliche Schlußzeremonie steigen sollte. Die Massen bewiesen, daß sie während der Olym­piade nicht nur der Sensationen wegen gekommen sind. Es herrschte eine gewisse ernste Stimmung, weil nun die Sonnen­tage mit ihren fairen Kämpfen vorüber sein sollen. Wieder be­zaubert das helle, farbenprächtige Bild, wie bei der Eröffnung.

Ringen griechisch- römisch: Federgewicht: Wolfgang Ehrl­Nürnberg. Leichtgewicht: Eduard Sperling- Dortmund. Mit­telgewicht: Jean Földeak- Hamburg.

Leichtathletik: 4mal- 100- Meter- Staffel( Helmuth Körnig Greifswald, Frizz Hendrix- Aachen, Erich Borchmeyer- Bochum, Arthur Jonath- Bochum). Speerwerfen, Frauen: Ellen Brau­müller- Berlin.

3 goldene, 13 silberne und 4 Bronzemedaillen, zusammen 20 olympische Auszeichnungen, zu denen noch die Goldmedaille des deutschen Schriftstellers Paul Bauer und die Sondermedaillen für die deutschen Bergsteiger Gebrüder Schmid kommen( von de nen der eine diese schöne Ehrung leider nicht mehr erlebt) ist die Medaillenausbeute der deutschen Olympiafahrer. setzen sich diese zusammen und wer errang jie? Die goldenen:

Wie

Rudern: Vierer ohne Steuermann:( Ernst Gaber- Mann­heim, Hans Maier- Mannheim, Dr. Karl Aletter- Mannheim, Walter Flinsch- Mannheim). Doppelzweier: Berliner Ruder­Club( Herbert Buz- Berlin, Gerhard Boezelen- Berlin). Bogen: Bantamgewicht: Hans 3iglasti- München. Federge­wicht: Josef Schleintoser- München. Weltergewicht: Erich Campe- Berlin.

Gewichtheben: Mittelgewicht: Rudolf Jsmayr- München. Ringen griechisch- römisch: Bantamgewicht: Jakob Bren­

Das Programm des Tages, das als letzte Konkurrenz das Jagdspringen um den Großen Preis der Nationen, an dem Deutschland leider nicht teilnimmt, aufwies, begann mit der feierlichen Siegerehrung der Boxer. Dreimal stieg auch die deutsche Flagge hoch. Leider nicht am Hauptmast. Bezeichnen- del- Nürnberg. derweise hatten verschiedene Länder ihre Vertreter zur Sieger­ehrung zurückgezogen als Protest gegen die trassen Fehlurteile, die zustande kammen. Die Siegerehrung für die Ruderer, Fech­ter und Schützen folgte. Unter Fanfarentlängen wiederholte sich der feierliche Einmarsch der 38 teilnehmenden Nationen, jede

Union**

ist und bleibt

das beste Brikett!

Druckarbeiten

Rudern:

Wasserball: Deutsche Mannschaft Otto Cordes- Magdeburg, Emil Bennecke- Magdeburg, Frizz Gunst- Hannover, Erich Rade­macher- Magdeburg, Joachim Rademacher- Magdeburg, Hans Schulze- Magdeburg, Heiko Schwartz- Köln, Hans Eckstein- Leipzig. Pistolenschießen: Oberleutnant Heinrich Har- Berlin. Die bronzenen:

Vierer mit Steuermann: Berliner Ruder- Club ( Joachim Spremberg, Horst Hoek, Walter Meyer, Hans Eller, Karl Heinz Neumann( Steuer), sämtlich aus Berlin. Die silbernen:

Gewichtheben: Federgewicht: Hans Wölpert- München.

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Gewichtheben: Schwergewicht: Josef Straßberger- München. Leichtathletik: 100- Meter- Lauf, Männer: Arthur- Jonath­Bochum. Zehnkampf: Wolrad Eberle- Berlin. Speerwerfen, Frauen: Tilly Fleischer- Frankfurt.

Finnland hinter Nurmi

Edströms Straßenbahnwagen werden boykottiert. Nurmis Kaltstellung hat in Finnland so großen Unwillen erregt, daß man jetzt sogar zum Wirtschaftsbontott gegen Schwe­den auffordert. Der Aerger richtet sich in besonderem Maße gegen den Vorsitzenden des Internationalen Komitees, Edström, der Generaldirektor des großen schwedischen Elektrizitätskonzerns Asea ist. Edström hat sich die finnischen Sympathien gründlich verscherzt. In Abo, der Heimatstadt Nurmis, ist er geradezu verhaßt. In diesen Tagen hat die Stadtverwaltung Abos zwei Straßenbahnwagen bei Asea bestellt. Die führende Zeitung Abos protestiert in schärfster Form gegen diesen Kauf und fordert die Stadtbewohner auf, diese Straßenbahnwagen Ed ströms zu boykottieren. ,, Niemand", so schreibt das Blatt ,,, darf jemals die Straßenbahnwagen des Herrn Edström benutzen!" Kommentar überflüssig.

Handball- Belehrungsspiel

Am Samstag, den 20. August, 18,30 Uhr, findet auf dem Sportplatz von 1900 Gießen ein Schiedsrichter- Belehrungsspiel statt. Schiedrichter: Anwärter Fischer OSC. Gießen, 1. Halb­zeit; Anwärter Dietrich, 1900 Gießen, 2. Halbzeit. Mannschaf= ten zu diesen Spiel stellen 1900 Gießen und Polizeisportverein Butzbach. Im Anschluß an dieses Spiel findet in der Ger­mania", die im September fällige Schiedsrichtersitzung statt. Volksturnwettkämpfe in Gießen

-

Am nächsten Sonntag- 21. August geben sich die Volks turner und Turnerinnen des Gaues Hessen der DT. auf dem Waldsportplatz des VFB. ein Stelldichein. Es werden in al­len Stufen harte Kämpfe sich abwideln, insbesondere die Staf felläufe recht spannend werden, da hier fast alle guten Mann schaften des Gaues am Start sein werden.

Neue Bücher.

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Englands Seemachtstellung hat in den letzten zwanzig Jah. ren erhebliche Wandlungen durchgemacht, nachdem der Brite über ein Jahrhundert lang fast unumschränkt die See allein be herrschte. Auf diese für England sehr bedentliche Entwicklung weist der Aufsatz ,, Wandlungen in Englands Machtstellung zur See" im Augustheft der See", Zeitschrift des Deutschen Flot ten- eBreins, Berlin, Matthäifirchstraße 13, hin.

Ein Leben für die Olympische Jdee. Wie war das eigent lich damals in den Jahren 1894 und 96, als die Jdee der olym pischen Spiele in Athen wieder zum Leben erwedt wurde? Jn einer Artikelreihe, die im neuen Heft der Woche" beginnt, lesen Sie es.

Wasserspiele. Unvergleichlich ist der Reiz der steigenden und fallenden, aufschäumenden und rieselnden Gewässer. Ihr silberner Glanz leuchtet durch alle Jahrhunderte unserer Ge schichte. Die neue ,, Gartenlaube" berichtet davon.

Wie sieht das Tier die Welt? Auch im Tierreich gibt es Dumme und Kluge, Schwerhörige und Hellhörige, Weit- und Kurzsichtige. Einen interessanten Einblick gibt die ,, Münchner Illustrierte" in ihrer neuen Nummer( Nr. 34).

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