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Nr. 7.

Gamstag, den 20. Februar 1932.

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Lokales.

Sonntagsgedanken.

Der Mensch gleicht einem Steuermann, der sein Schiff durch die Wogen der See dorthin leiten muß, wo sein Ziel ist. Er muß fahren, wenn es auch stürmt und die Wellen haushoch branden. Schaut nur diese Steuermänner an, wie sie hart ge= worden sind, trotzig jeder Gefahr und aufrecht, die fein Nachgeben lennen, sondern nur ein Durch. Fragt sie einmal, ob es leicht ist, ein Schiff durch hochgehende See zu führen.

Auch das Leben fordert solche Steuermänner, die ihr Schiff­lein nicht den Wogen preisgeben. und es hin und her werfen Lassen, sondern mit starker Hand das Steuer meistern und auf­recht stehen bleiben, bis das Land der menschlichen Hoffnung am fernen Horizont des Lebens sichtbar wird. Für Viele iſt Das Leben nur ein Traum, ein Kette von Tagen, ein Hin und Ser, nichts Festes und nichts Ganzes, nur immer Halbes, ein Schiff, das hin- und hergeworfen wird mit einem schwachen Steuermann, der nicht Herr werden kann mit Wellenschlag und Stürmen.

Und was soll das Leben sein?

Ein Festes, ein Ganzes, ein Starkes trotz aller Stürme, cin Durchlämpfen durch Sturmnächte ein Emporringen aus dem Niederen zum Hohen und endlich ein Landen im Land der Ewig­teit. Diese Schiffskunde wird von keinem Ratheder aus gelehrt. Und wie notwendig wäre sie gerade für die Menschen unserer Zeit. Auf Handwerk und Kunst, auf Technik und Wissenschaft wird geprüft, wenn die Jugend die Schule verläßt. Die Lebens­funst aber, das Steuer zu leiten an seinem eigenen Lebensschiff, das muß jeder selbst lernen. Manche sind erzogen dazu oder haben es selbst gelernt und umsegeln vorsichtig die Klippen, die ihrem Schiff Gefahr bringen könnten. Andere erleiden Schiffbruch, Fönnen sich noch retten, aber viele gehen unter. Wer sein Kind für diese Fahrt richtig vorbereitet hat, dem wird das Licht aus dessem Leben einmal in sein stilles Altersheim fallen und sein müdes Herz noch froh machen.

Der Sonntagsschreiber.

Der Lohn der Besonnenheit.

Im Januar haben die deutschen Sparkassen ihren Sparern die Zinsen für das vergangene Jahr gutgeschrieben, über eine halbe Milliarde Reichsmark insgesamt. Diese Einkommens erhöhung der Sparer ist umso erfreulicher, als sie Millionen fleiner und kleinster Sparer zugute tommt, auf die sie sich ver­teilt. Achtzehn Millionen Menschen sparen bei den deutschen Spartassen, tragen die oft sehr kleinen Beträge zusammen, die sie mit Mühe, aber williger Enthaltsamkeit für später zurück­Tegen. Um so mehr haben sie denn auch die Zinsen verdient.

Aber die Zinsgutschriften an der letzten Jahreswende haben noch eine ander Bedeutung. Sie sind gewissermaßen eine Be­lohnung für alle, die sich durch die stürmischen Ereignisse des Tetzten Jahres nicht haben beirren lassen, die vielmehr besonnen waren und Vertrauen zu ihren Sparkassen gehabt haben. Die große Mehrzahl der Sparer hat sich diese Belohnung in Form

Union

,, Gießener Zeitung"

der jetzt erfolgten Zinsgutschriften verdient. Die anderen aber, die glaubten, flüger zu handeln, wenn sie ihr Geld abholen, um es zu hamstern oder in unnötigen Sachen anzulegen, diese an= dern mögen die Zinserlöse, die ihnen entgangen sind, als Mah­nung auffassen, daß man sich nicht von Gerüchten und Unruh­stiftern verleiten, sondern von Vernunft und ruhiger, sachlicher Ueberlegung lenken lassen soll.

Wer heute rückschauend überlegt, was das vergangene Jahr an Gerüchten und Alarmmeldungen gebracht hat, die sich nach­her nicht bewahrheitet haben, der ist wohl von Unvernunft und Unbesonnenheit einstweilen kuriert. Der Zahlungsverkehr funk­tioniert seit langem wieder völlig reibungslos, und die deutsche Reichsmart ist nach wie vor stabil. Wer sein Geld gehamstert hat, hat es allen möglichen Gefahren( Feuer, Diebstahl asw) ausgesetzt und Zinsen verloren, wer in die Sachwerte geflohen ist, hat überhohe Preise bezahlt und von den inzwischen einge­tretenen Preissenkungen nichts gehabt. Nach diesen Erfahrun= gen fann man mit Recht annehmen, daß fünftighin in Deutsch­land für Hetzer und Gerüchtefabrikanten kein günstiger Roden mehr vorhanden ist.

* Gefallenen- Gedenkseier. Aus Anlaß des Volfstrauertages sendet der Südwestfunt am Sonntag, den 21. Februar, 18.00 Uhr, ein Frontstüd von Sigmund Graff und Carl Ernst Hinge ,, Die endlose Straße". Das Hörspiel führt in einen Unterstand in der vordersten Linie und ein Baradenlager hinter der Kampfzone. Es spielt im Jahre 1917.

* Eine firchenmusikalische Feierstunde findet am morgigen Sonntagabend, 8 Uhr, in der Stadtkirche zum Gedächtnis für die im Weltkrieg Gefallenen bei freiem Eintritt statt.

* Der Preiskommissar warnt. Der Beauftragte des Reichs­kommissars für Preisüberwachung für Hessen und Hessen- Nassau teilt mit: Die Verordnung des Reichskommissars für Preis­überwachung über den Aushang von Preisverzeichnissen wird von vielen Geschäften der Nahrungsmittelbranche aber auch von Friseuren und Schuhreparaturanstalten noch nicht beachtet. Den Geschäftsinhabern kann zur Vermeidung von Ungeleger heiten nur dringend geraten werden, die Preisverzeichnisse um­gehend anzubringen.

* Aenderungen im Kraftpostverkehr. Auf der Kraftpostlinie Gießen Steinbach- Albach sind ab 18. d. M. folgende Aende­rungen eingetreten: Die bisher Montags, Mittwochs, Freitags und Samstag am Bahnhof Gießen 6.56 Uhr und in Albach 9.10 Uhr abfahrenden Kraftposten verkehren nur noch Mitt­wochs. Es fallen an Samstagen aus die bisher nur Samstags ab Gießen Bahnhof 14.36 Uhr verkehrende und die bisher jeden Werktag von Albach 13.55 Uhr abgehende Kraftpost.

* Ein großer Bunter Abend. Am Samstag, den 27. Fe­bruar, sendet der Südwestfunk gleichzeitig auch auf. den Deutsche landsender und auf Leipzig 20.15 Uhr aus dem großen Saal der Stadthalle in Kassel einen Bunten Abend, dessen Erträgnis der Kasseler Winterhilfe zufließen soll.

* Tagung des Hessischen Landgemeindetages. Der Hessische

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a. Main eine außerordentliche Vertreterversammlung ab, in der Landrat a. D. Dr. Gerefe, Berlin, der Präsident des Deut­schen Landgemeindetages über ,, Die Finanznot der Gemeinden" referieren wird.

* Bezirksversammlung der Hessischen Landwirtschaftlichen Genossenschaften. In einer von etwa 500 Personen besuchten Bezirksversammlung der Hessischen Landwirtschaftlichen Genoj­senschaften unter dem Vorsitz von Beder Kesselbach gav der Führer des Hessischen Genossenschaftswesens, Verbandsdirektor Berg Darmstadt, ein Bild der gegenwärtigen Lage. Bemer kenswert war die Feststellung, daß 38 Prozent der selbständigen Existenzen vernichtet sind. Die Abhebungen bei den Kassen der Genossenschaft sind nicht so starke, wie befürchtet. Von 82 Mil­lionen Spareinlagen 1930 waren im 31. 9. 1931 noch. 75 Mil­lionen vorhanden. Die Abhebungen waren in Arbeitergegenden stärker und betrugen in Starfenburg 12 Prozent, in Rheinhessen 10 und in Oberhessen nur ein Prozent. Verbandssekretär Dr. Hillemann- Darmstadt behandelt Grundsätzliche genossenschaft­liche Fragen".

* Kursus über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen. Der sechste Kursus über landwirtschaftliches Genossenschaftswejen, veranstaltet vom landwirtschaftlichen Institut der Hessischen Landesuniversität in Verbindung mit den hessischen Genossen­schaften, fand wie im Vorjahr eine starke Beteiligung. Den ersten Vortrag hielt Prof. Dr. Mombert über Wirtschafts­frise und Landwirtschaft". Sodann sprach Oberregierungsat Morneweg- Darmstadt über Organisatorische Maßnahmen im Hinblick und auf Grund des Reichsmilchgesetzes. An Hand von Filmvorführungen behandelte Oberveterinärarzt Dr. Rußkopf­Gießen das Thema ,, Reichsmilchgesetz und Tuberkulosetilgungs­verfahren", während Dr. Kling- Kassel über Neuzeitliche Milchwirtschaft" sprach.

* Geflügelzüchtertagung. Eine oberhessische Geflügelzüchter­Tagung findet nächsten Sonntag im Hotel Hopfeld" seitens des Verbandes Oberhessischer Geflügelzuchtvereine statt.

* Frühjahrsreisen. Die Schiller- Akademie in München ver­anstaltet auch dieses Jahr wieder, mit Rücksicht auf die Zeit­verhältnisse besonders preiswert, ihre seit Jahren bekannte Osterreise nach Sizilien unter kunsthistorischer Führung sowie mit günstig gelegenen Ausgangspunkten eine Reihe von allgemein zugänglichen Studienfahrten und Ferienreisen durch Deutschland und die Nachbarländer. Näheres durch die Verwaltung der Schiller- Akademie, München 51.

Wissenswertes

für Besucher der Leipziger Frühjahrsmesse 1932. Wie zu aller früheren Messen sind auch für die Leipziger Frühjahrsmesse 1932, die für die Mustermesse vom 6. bis 12. März( Textilmesse bis 9. März, Möbelmesse und Sportartikel­messe bis 10. März) und für die Große Technische Messe und Baumesse bis 13. März dauert, verschiedene Maßnahmen vor­gesehen, die ihren Besuch erleichtern und verbilligen wollten.

Landgemeindetag hält am Samstag, den 27. Februar, vormit- Kauft nur deutsche Waren!

tags 10 Uhr, im Saal des Hotels ,, Kyffhäuser" in Frankfurt

Heizi

Kein Rauch, kein Ruß, keine Schlacken

Roland sah dem Amerikaner nach.

Nun, so in Gedanken?"

Roland Lichti sprang auf.

,, Oh, Sie, gnädige Frau? Willkommen in Paris!" Maria Hedemann sah auf ihre Armbanduhr.

Genau halb zwölf Sie sehen, ich bin pünktlich. Nun wie gefällt Ihnen Paris?"

,, Einzigartig, Frau Maria herrlich. Aber erst jetzt, nach­bem Sie hier sind".

Schau an, was die Pariser Luft für Wunder zeitigt! Der Fußballer fängt an zu schwärmen

,, Aber ist es nicht so", fragte Roland sinnend ,, da träumt man im Café de la Paix, und neben einem sitzt die schönste Frau von Paris, und sie ist eine Deutsche".

,, Nun ist's genug!" drohte sie ihm lächelnd, aber ich sehe boch, Sie haben sich sehr zu Ihrem Vorteil verändert". Sie beugte sich zu ihm herüber und legte ihre Hand auf Die feine.

Ich glaube, wir werden einige reizende Tage in Paris merleben".

Er hielt ihre Hand fest und streichelte sie leise. ,, Und nun", fragte sie, gehen wir bummeln, nicht wahr?" ,, Um Gottes willen, Frau Maria! Wir spielen morgen gegen Stade Francais. Ich muß ins Hotel!"

Sie machte ihre Hand frei.

,, Sie wollen gehen?" Ihre Stimme war ohne Klang. " Ich will? Ich muß. Ich habe es Dr. Kurth versprochen. Er würde es mir nie verzeihen, wenn ich=- heute vor dem Spiel

Ja, Dr. Kurth und das Spiel das alles geht ja auch wor. Ich möchte nur wissen, weshalb ich hierher gereist bin.." ,, Aber, Frau Maria", sagte er gequält, es tut mir sehr Fehr leid. Nicht wahr, wir sehen uns morgen abend?" Sie lächelte etwas wehmütig.

,, Gut, Sie lieber Junge, tommen Sie, ich fahre Sie in Ihr Sotel. Dr. Kurth soll sich in Ihnen nicht getäuscht haben".

Das Telegramm.

Im Hotel Marboeuf, jenem gemütlichen kleinen Hotel in Der Nähe der glänzenden Champs Elysées, war in der Frühe bes Sonntagmorgens ein immerwährendes Kommen und Ge­Hen. Der Botschaftsrat Dr. Karsten kam, um die deutschen Jußballspieler zu begrüßen, ebenso einige in Paris ansässige Deutsche. Die Vorstandsmitglieder des gastgebenden Vereins Lind andere französische Sportleute bemühten sich, den Deutschen allerlei kleine Gefälligkeiten zu erweisen. Presseleute hatten Hundert Fragen zu stellen.

Der Präsident von Stade Francais, ein würdiger Herr mit Deißem Vollbart lud seine Gäste, auch die Spieler, zu einem Glas Portwein ein.

Dr. Kurth schüttelte bedenklich den Kopf. Aber ablehnen durfte er nicht. Andre Länder, andre Sitten.

Dann fuhren die Sportler in einem riesigen Autobus nach Versailles, dem historischen Orte, mit dem sich für die Deutschen viele Erinnerungen verbinden.

Union Billigster und bequemster Brennstoff Briketts

Als sie zum Mittagessen in das Hotel zurückkamen, wandte sich der Concièrge an Roland Lichti.

,, Bitte, Monsieur, eine Dame hat verschiedentlich telepho­niert. Sie möchten doch, bitte, Hotel de la Régence, Louvre 28-06 anrufen".

Aber nach Aufhebung der Tafel, die sich durch Begrüßungs­ansprachen und Trintsprüche über Gebühr hingezogen hatte, war auch beine Gelegenheit dazu. Roland bat also den Pfört­ner, für ihn zu telephonieren und Madame Hedemann zu be­stellen, daß nach dem Spiel, am Abend, ein Anruf erfolgen würde.

Während sich der Autobus mit den deutschen Spielern sei­nen Weg durch Boulevards und Avenueen suchte, lauschte Ro­land Lichti auf das Gespräch, das Dr. Kurth mit dem Bot­schaftsrat führte.

,, Sehen Sie", hatte der erstere gesagt, irgend etwas muß man in seiner freien Zeit doch beginnen. Der eine spielt Stat, der andere Schach, der dritte schiebt Kegel, der vierte sammelt Briefmarken. Ich habe mich nun dem Sport, dem Fußballsport verschrieben. Ihm opfere ich, wie ich gestehen will, viel Zeit und Geld. Ich habe manchen Aerger und erlebe manchen Un­dank. Und doch könnte ich dem Fußballsport nicht entsagen: er fasziniert mich immer wieder, und ich habe ihm viele schöne und erhebende Stunden zu danken. Mein außerberufliches Leben gehört dem Sport und damit der Jugend".

Eine schöne Aufgabe", sagte der Botschaftsrat ,,, und wir Deutschen haben hier in Paris mehr als einmal die Auswir­fungen des Sports empfunden. Er schlägt Brüden von Nation zu Nation über trennende Gegenjäße hinweg. Der Botschafter weiß jeine Bedeutung sehr zu schätzen. Er ist bei allen großen Dem Spiel deutsch- französischen Sportereignissen vertreten. heute fann er leider nicht beiwohnen, doch er wird am Abend Gelegenheit nehmen, Sie zu begrüßen. Aber, um auf den Sport zurückzukommen: die deutschen Fußballer sind mir zu ernst. Es fehlt ihnen die tiesinnere Seiterkeit. Sie nehmen ihre Bewegung". so sagt man doch? so ernst, als ob vom Fußball Leben und Seligkeit abhinge. Sie haben, fürchte ich, das glückhafte Spielen zu sehr verlernt".

Ich kann Ihnen nicht ganz unrecht geben, aber der deut­sche ist eben geneigt, alles zu schwer zu nehmen

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Sie hatten den Sportplatz in Montrouge erreicht. Sie ver ließen den Autobus, und die Spieler suchten ihre Kabinen auf. Hier wurden ihnen einige Telegramme überreicht. Es waren Wünsche für gutes Gelingen aus der Heimat. Ein Telegramm war auch für Roland Lichti. Es tam von seiner Firma und forderte ihn auf, spätestens Dienstag früh wieder im Büro zu sein.

,, Unglaublich", sagte Dr. Kurth, als ihm Roland das Tele­gramm von Brcsang u. Co. zeigte, und das jetzt vor dem Spiel! Aber Kopf hoch jetzt gibt es nur Spiel und Sieg!" Roland schloß sich seinen Kameraden an, die eben den Play betreten wollten.

,, Welche Herzlosigkeit", meinte Dr. Kurth, jetzt kann der Junge den Montag nicht mehr mit uns in Paris bleiben. Er wird heute abend abreisen müssen.

Union

Da Sie Der Beruf geht vor", antwortete Dr. Karsten. nur einen Sammelpaß besigen, werde ich veranlassen, daß Ihrem Spieler ein Paß ausgestellt wird. Er tann um 22,55 Uhr vom Nordbahnhof abfahren und erreicht dann morgen früh um 8.23 Uhr in Köln den Anschluß".

Jm Stadion.

Vor dem Stade Vélodrom Buffalo in Montrouge drängte sich die sportbegeisterte Menge an den Kassen. Automobile ka­men in rasender Fahrt, stoppten, im letzten Augenblid, unmittel­bar vor dem Eingang, über dem die Trikolore flatterte flan­fiert von Wimpeln in den deutschen Farben.

Als Maria Hedemann ihren Logenplatz einnahm, betrat gerade die Mannschaft des Stade Francais den Play. Es wa ren große, geschmeidige Gestalten. Jubelnd wurden sie von den zwanzigtausend Zuschauern begrüßt. Der Beifall verstärkte sich noch, als die Deutschen in die Arena sprangen.

Maria Hedemann fühlte, wie ihr eine heiße Blutwelle zum Herzen strömte. Diese elf Jungen da waren ihre Lands= leute.

Ringsum hörte sie Laute jener Sprache, die ihr vertraut war, wie die deutsche. Jetzt aber fühlte sie sich nur als Deutsche. die um Sieg und Niederlage bangte.

Die neue und doch wundersam- vertraute Empfindung er= griff sie, mit diesen elf Jungen da unten verbunden, eins zu sein. Etwas von der rauschenden Sportbegeisterung der deut­schen Jugend tam über sie, und in diesem Augenblid verstand sie die Männer, die sich in unentwegtem Jdealismus an die Spitze dieser Bewegung gestellt hatten ihr alles opferten. Ihre Augen suchten Roland Lichti. Er stand mit Dr. Kurth inmitten der Rot- Weißen.

Rolli, Rolli", flüsterte sie in zärtlicher Rührung. Jetzt erschien der Schiedsrichter, die Parteien stellten sich auf. Kurze Begrüßungsworte wurden gewechselt, Blumensträuße mit Vereinswimpeln getauscht, und das Spiel begann.

Wie im Traum sah Maria die sich blizschnell abspielenden Vorgänge auf dem grünen Rasen. Unwillkürlich klang dazu die dumpf- brausende Musik der vieltausendköpfigen Menge, die ihre Landsleute anfeuerte.

Die Franzosen lagen in Front. Wie eine alles zerstörende Springflut brandete Attade auf Attade gegen das Tor der Deutschen, die sich mit dem Mut der Verzweiflung wehrten. Ohne große Kunst kämpften die Gastgeber, aber mit unglaub­lichem Elan, mit Feuer und Temperament. Tollkühn warf sich der deutsche Torhüter in das Gewühl, riß den Ball an die Brust, beförderte das Leder mit wuchtigem Tritt an den Mittelläufer. Dieser lief zwei, drei Schritte mit dem Ball, spielte ihn an den Rechtsaußen, der raste die Linie entlang, den Ball am Fuß. Hart war ihm der französische Läufer auf den Fersen, da gab der Deutsche das Leder zum Halbrechten, der an den Mittel­stürmer, an Roland Lichti, kurzer Paß an den Halblinken die blizschnelles Stoppen, haarscharf sauste der Ball über Querlatte.

Fortsetzung folgt.