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Nr. 50

Samstag, b

Samstag, den 17. Dezember 1932.

Es handelt sich um Rohöl aus dem Delfeld Wiege in Han­nover, dessen Förderung 1932 rund 75 000 Tonnen betragen dürfte. Dieses asphalthaltige deutsche Erdöl wird in Harburg­Wilhelmsburg in den Raffinerien der ausländischen Delton­zerne verarbeitet und ergibt schätzungsweise 20 000 Tonnen Asphaltbitumen, wovon etwa die Hälfte für Straßenbau verfüg­bar sein dürfte. Da aber in den gleichen Werken auch aus­ländisches Rohöl verarbeitet wird, besteht natürlich die Gefahr, daß auch dessen Rüdstände unter der Flagge ,, Deutsches Bitu­men" vertrieben werden zum Nachteil anderer deutscher Binde­mittel. Diese Gefahr ist um so größer, als dem sicheren Ver­nehmen nach eine Provinzialverwaltung und eine befannte mit­teldeutsche Straßenbaugesellschaft sich für das kommende Jahr den Asphaltanfall aus dem Wietzer Delfeld gesichert haben sol­len. Danach zu urteilen, ist der Absatz des deutschen Asphaltbi­tumens schon restlos gewährleistet, obwohl mehrjährige Erfah­vungen damit noch nicht vorliegen. Ein erfreuliches Zeichen Leider nationalwirtschaftlichen Handelns. aber ist die für Straßenbau verfügbare Menge von rund 10 000 Tonnen sehr gering im Vergleich zum bisherigen Verbrauch Deutschlands an ausländischem Asphaltbitumen, der 1930 rund 150 000 Tonnen und 1932 schätzungsweise noch 50 000 Tonnen betrug. Aber auch diese Einfuhrmenge ist entbehrlich bei dem reichlichen Vor­handensein gleichwertiger deutscher Bindemittel, insbesondere Straßenteer. Denn nur durch Verwendung deutscher Baustoffe tann eine Belebung der deutschen Wirtschaft und Verminderung der Arbeitslosigkeit erreicht werden.

Die russische Handelsvertretung läßt Kronjuwelen versteigern.

Berlin. Ein englisches Blatt meldete kürzlich, daß in Ver­Tin am Samstag russische Kronjuwelen im Werte von mehreren Millionen RM. versteigert werden sollten. Gestern wurde diese Meldung dementiert und heute stellt sich heraus, daß sie doch zutrifft. Die Versteigerung wird zwar unter dem harmlosen Titel ,, Aus einer fürstlichen Schatzkammer" vor sich gehen. Sie ist aber in Wirklichkeit von der russischen Handelsvertretung in Berlin veranlaßt worden und enthält in der Tat wertvolle Stüde aus dem Kronschatz und dem Privatbesitz des russischen Zaren.

Gießener Zeitung"

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Wir stehen furz vor der heiligen Christanacht. Dos und die Tage, in denen unser Heiligstes im Innern lauter tönt als sonst. Es sind heilige Nachtlänge und dann wieder geheimnisvolle Vor­ahnungen, Hoffnungen und wehmütige Erinnerungen.

Ja, tönnen und dürfen wir auch in diesen traurigen Zeiten noch hoffen? Adventszeit sind Tage der Erwartung und Hojf nung. Durch das dunkelste Heidentum strahlte einst ein Stern Goties und gab allen jenen Hoffnung, die einen Glauben noch hatten Auch wir müssen glauben und hoffen. Glauben an den göttlichen Weltenlenter, der das Leben schafft und die Schicksale der Lebenden bestimmt; hoffen, daß auch aus diesen Wirnissen und Irrungen unserer Zeit ein Weg in das Land der Hoffnung führt.

Gerade in diesen Adventstagen sollte die Menschheit an ihren Erlöser glauben, an sein Wort und seine Gesetze. Wie schön tönnie doch diese Welt sein, wenn die Menschheit nach seinen Weisungen handeln würde. Die Menschen selbst haben aus dieser Erde ein Jammertal gemacht; wenn sie aber die Weltord­nung wieder mehr beachten würden, dann stände es besser um sie und der Morgen einer neuen besseren Zeit würde wieder

50 Jahre Sanatorium für Lungenkranke in St. Blasien. Das Sanatorium für Lungenkranke in St. Blasien im süd­lichen Schwarzwald, eine der bedeutendsten Lungenheilstätten, fann in diesen Tagen auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Es ist entstanden als eine der ersten Privat- Lungenheilanstalten in Deutschland und seine Entwidlung ist eng verbunden mit der Geschichte der Tuberkulosebekämpfung. Die Anstalt, die jetzt unter der Leitung des bekannten Prof. Dr. Bacmeister steht, hat sich aus kleinsten Anfängen zu einer der modernsten Lungenheil­stätten entwidelt. Wie aus der soeben erschienenen Festschrift hervorgeht, sind im Laufe der 50 Jahre über 25 000 Kranke durch die Anstalt hindurchgegangen, deren Leistungen nicht nur das Vertrauen der deutschen Aerzte, sondern auch im Auslande allge­meine Beachtung gefunden haben. Bemerkenswert ist, daß das Sanatorium St. Blasien trotz der weitschichtigen Neubauten und der modernen ärztlichen und wirtschaftlichen Einrichtungen und Leistungen der Zeitnot Rechnung trägt und auch den wirtschaft­lich Schwachen Gelegenheit zur Wiedererlangung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit gibt.

Die Landsknechte

Sportroman von Emil Wöhner.

( Nachdruck verboten.)

grauen.

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Bringe auch unserem armen Volte wieder die Gnade, zu glauben und zu hoffen! Der Sonntagsschreiber.

* Das Betreten zugefrorener Flüsse, Teiche usw. ist unter­sagt. Das Polizeiamt teilt mit: Nach Artikel 297 des Hess. Polizeistrafgesetzbuches dürfen zugefrorene Flüsse, Teiche und tiefe Bäche bei Meidung gerichtlicher Bestrafung nicht betreten oder mit Schlittschuhen, Wagen oder Schlitten befahren werden, solange dies durch polizeiliche Anordnung ausdrücklich unter­sagt ist. Eltern, Erzieher und Lehrer werden ersucht, ihre Kin der und Schüler auf das Verbot und die Gefahren des ver­botenen Betretens von zugefrorenen Flüssen, Teichen und tiefen Bächen aufmerksam zu machen.

( 32. Fortsetzung.) ,, Sandelt es sich um einen Krankheits- oder Todesfall, gnä­diges Fräulein?"

,, Nein."

"

Hallo... das ist nicht der Fall.... so natürlich. Marieliese stand auf und nahm dem verdutzten Direktor den Hörer aus der Hand.

alten Mantel, einem alten Anzug und einem Hemd trennen, als noch im vorigen Jahre. Bei der immer tiefer in die Voltsschichten eindringenden Not find Kleidung und Schuhe noch nicht abgetragen und verbraucht genug, um vielleicht doch noch einmal geflidt oder besohlt zu werden. Um so mehr ist die Aufforderung am Blake, daß nicht das Allerschlechteste ge= geben wird.

* Warnung. Es durchziehen augenblicklich Hausierer die oft handelt es hiesige Gegend, um uns mit ihren Artikeln sich um ausländische Fabrikate zu beglüden. Die ortsans fässigen Geschäfte leiden schwer darunter. Aber sie haben nicht allein den Schaden, sondern der Käufer ebenfalls; denn man bezahlt erfahrungsgemäß diese durch den Haufierhandel gekauf­ten Gegenstände und Maschinen oft viel teurer, als wenn man sie bei den ortsansässigen Geschäften bestellt. Mit Rücksicht auf die schwierige deutsche Wirtschaftslage sollte jeder heute darauf achten.

* Festgenommen und aufgeklärt. Durch Festnahme des früheren Kernmachers E. N. wurden verschiedene, in letzter Zeit in hiesiger Stadt begangene Wäschediebstähle aufgeklärt. Eine Anzahl, bei dem Täter vorgefundenen Wäschestüde, konnten den Geschädigten zurückgegeben werden. In seinem Besitz wur­den noch vorgefunden: 1. Küchenüberhandtuch( Windmühlen­muster), 1 leinenes mit Spigen besetztes Deckchen, 1 Anzahl Hand- und Küchentücher, 1 Anzahl Strümpfe, darunter 1 Paar gezeichnet A. Sch., 2 Paar fast neue braune Herren- Lederhand­Schuhe, sowie einige Herrenhemden verschiebener Farben. Eigentumsberechtigte wollen sich bei der hiesigen Kriminalpoli­zei, Zimmer 24, melden.

,, Sind Sie noch da?..." Hier ist Marieliese Henderson. Ich möchte Sie herzlich bitten, doch den Flug auszuführen. Ihre finanziellen Bedingungen akzeptiere ich ohne weiteres. Wenn Sie ein Gentleman sind, schlagen Sie mir meine Bitte nicht ab... Sie wollen es sich überlegen...? Schön, ich warte hier eine halbe Stunde auf Sie."

,, Da können sie lange lauern," meinte der Direktor ein we nig verstimmt und schadenfroh.

,, Oder auch nicht," entgegnete Marieliese mit zuckenden Lippen und ging trogig aus der Tür. Draußen stand der Chauffeur neben dem Wagen.

* Die Feierabendstunde an den Weihnachtsfeiertagen und an Silvester. Der Herr Minister des Innern hat die Feierabend­stunde am zweiten Weihnachtsfeiertag und am Neujahrstag allgemein auf 2 Uhr und an Silvester auf 6 Uhr festgesetzt.

,, O, Henry, vielleicht wird nichts aus unserer Reise. Der einzige Pilot, der als Flugzeugführer in Frage kommt, hat dienstfrei. Er will es sich überlegen. Glauben Sie, daß er sich für die Fahrt entschließen wird?"

,, Wenn Sie ihn darum gebeten haben, sicherlich, gnädiges Fräulein," tröstete der Wagenführer.

dem

* Handwerk und Rundfunt. In Verbindung mit Deutschen Handwerksinstitut hat der Reichsverband des deut­schen Handwerks der Programmabteilung der ,, Deutschen Welle" in Berlin Vorschläge für eine zu haltende Vortragsre: he über und für das Handwerk unterbreitet. Im Rahmen dieser Vor­tragsreihe wird als erster Universitätsprofessor Dr. Rökle, Bonn, über das Thema Das moderne Handwerk und seine wirtschaftlichen Grundlagen" sprechen. Der Vortrag wird am 20. Dezember in der Zeit von 18,30 bis 18,55 Uhr gehalten

* Keinen Plunder geben. Jm vorigen Jahre sind für die ' Winterhilfe viele tausend Zentner Kleidungsstüde gespendet worden. Davon haben Tausende, denen es fehlte, einen war­men Mantel, einen Anzug oder ein Hemd auf dem Zeib be= tommen. Aber wir wollen es offen sagen: Es war eine Menge Plunder dabei, seidene Fähnchen, Strohhüte, Tanzschuhe u. a. mehr. Damit kann man armen Geschöpfen nicht helfen, sondern Sie im Gegenteil nur fränken. Auch in diesem Jahre sind für die Winterhilfe bereits zentnerweise Kleidungsstüde gefa.nmelt worden. Manch einer wird sich diesmal schwerer von einem

Die Zeit verging. Marieliese sah auf die Uhr. Es war halb sechs.

,, Wir wollen abfahren, Henry," unterbrach sie mit müdem Lächeln das Schweigen und schien recht enttäuscht. ,, Die halbe Stunde ist längst um. Es hat nicht sollen sein."

Der Motor sprang an. In demselben Augenblick bog ein Wagen in schneller Fahrt von der Straße auf den Flugplay

ein...

* Nebel. In den gestrigen Nachmittagsstunden legte sich über unsere Stadt eine Nebelwand, die innerhalb kurzer Zeit auftrat, was sich im Straßenverkehr höchst unangenehm bemerk bar machte. Alle Fahrzeuge mußten mit größter Vorsicht fah­ren, um Zusammenstöße zu vermeiden. Außerhalb der Stadt war der Nebel teilweise noch dichter.

,, Es wird eine Hezjagd werden," dachte sie. ,, Aber einerlei." Sie gab ein Telegramm an ihren Vater auf und bestieg dann mit Henry, der inzwischen den Wagen untergestellt hatte, das Flugzeug. Ein paar Deden wurden hineingereicht, dann schlug die Tür zu. Der Motor sprang an. Langsam erhob sich der große Vogel in die Luft.

Marieliese stand dem Flugzeugführer gegenüber. ,, Sie wollen nach Köln starten, Herr Laquoche?" ,, Wenn es sein muß, gewiß, gnädiges Fräulein," entgeg­nete er und musterte Marieliese mit einem bewundernden Blick. Sie reichte ihm die Hand.

,, Ja, es ist mir sehr viel daran gelegen. Ich danke Ihnen für Ihre Bereitwilligkeit. Wann sind wir voraussichtlich in Köln?"

Die Dämmerung brach ein. Nichts war unten auf der Erde mehr zu erkennen. Eintönig surrte der Motor.

* Oberhessen und Startenburg als Paten eines Kriegerfried­hofs. Wie der Vorsitzende der Gießener Ortsgruppe des Volks­bundes Deutsche Kriegergräberfürsorge, Landgerichtsrat Trüm­pet- Gießen Mittwoch abend zu Beginn eine Vortragsveranstal tung der Ortsgruppe mitteilte, schweben zurzeit Verhandlungen, die die Uebernahme der Patenschaft über den deutschen Krie gerfriedhof in Dun sur Meuse auf dem westlichen Kriegsschau­platz durch die Provinzen Oberhessen und Startenburg zum Ziele haben. Es handelt sich dabei um einen Friedhof, auf dem viele deutsche Krieger aus den Kämpfen um Verdun, insbeson­dere auch aus hessischen Truppenteilen, zur letzten Ruhe be­stattet wurden.

Marieliese schloß die Augen und erlebte noch einmal in Ge­danken den Fußballkampf der beiden Länder:... Der Mittel­stürmer hat sich ganz frei gestellt... jetzt hat er den Ball... er schießt... Tor...!

,, Jn 10 Minuten ist die Maschine startbereit. Rechnen wir bei dem leichten Gegenwind dreieinhalb Stunden für die Fahrt, würden Sie also zwischen neun und halb zehn Uhr am Ziel sein."

Marieliese nickte.

,, Jede Umdrehung des Propellers bringt mich ihm näher," dachte sie beruhigt und glüdlich und gab sich ganz der Vorfreude des Wiedersehens hin...

Um halb zehn landeten sie auf dem Kölner Flugplatz. Ein Auto stand bereit.

,, Zum Hauptbahnhof," sagte Marieliese und nahm mit Henry im Wagen Platz.

Sie fuhren durch hellerleuchtete Straßen... Halt Eine Straßenkreuzung... Rotes Licht... Marieliese sah un­geduldig aus dem Fenster. Grünes Licht... Gott sei Dank! Sie waren am Ziel. Marieliese sah auf die Bahnhofsuhr: Zwölf Minuten vor zehn...

In zweiundzwanzig Minuten fährt der Zug, Henry. Wir haben Glück gehabt."

* Polizeilich gesperrt ist die Frankfurterstraße von der Lie­bigstraße bis Wilhelmstraße bis voraussichtlich 23. Dezember 1932 für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art. Die Sperrung ist im Interesse der Sicherheit des Eisenbahnverkehrs notwen dig. Die Umleitung in Richtung Fantfurt a. M. erfolgt durch die Alicenstraße, Ludwigstraße, Wilhelmstraße, die Umleitung nach der Stadt durch Wilhelmstraße, Ludwigstraße, Alicenstraße. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten.

Auf dem Bahnsteig war wenig Verkehr. Der Zug war noch nicht eingelaufen.

,, O Henry, mir fällt gerade ein: Wir haben ja das ganze Handgepäd in unserem Wagen. Nun hat Vater nicht einmal ein Nachthemd und eine Zahnbürste! Na, hoffentlich ist der Rubens echt. Das fann uns alleine noch retten."

Der Bahnsteig füllte sich. Donnernd lief der Zug in die Halle. Die Uhr war zehn.

* Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automo­bilklub E. V.( A. v. D.), Gießen. Wegen Herstellung einer elektrischen Straßenbahn ist die Ortsdurchfahrt Wiesed im Zuge der Straße Gießen- Altenbused von der Gemarkungsgrenze Gießen bis Grabenstraße vom 12. Dezember 1932 ab für jeg= lichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über die Marbur gerstraße( Gießen Marburg).

,, Würden Sie Herrn Hansen wohl wiedererkenne, Henry?" fragte Marieliese und ihre Stimme flang ein wenig mutlos. ,, Im Dreß sicherlich, gnädiges Fräulein, aber in Zivil wohl schwerlich."

,, Das ist schade, sonst können Sie..."

Sie gaben sich die Hände und gingen langsam den Zug ent lang. Seine blauen Augen sahen sie glücklich an. ,, Marlies, ich begreife immer noch nicht... Das ist ja eine wunderbare Ueberraschung," sagte er laut und herzlich und tastete nach ihrer Hand. Bist du schon länger hier?"

Da sah Marieliese den Mittelstürmer in blauem Trenchcoat und hellem weichen Hut die Treppe heraufkommen. Neben ihm ging Adolf Müller und hinter ihnen folgten noch ein paar Fuß­ballspieler. Der Mittelläufer hatte gerade eine scherzhafte Be­merfung gemacht, denn Theo sah lachend seinen Kameraden en. Jetzt war er dicht bei ihr.

Theo." sagte Marieliese leise.

Der Mittelstürmer blieb stehen und sah zur Seite. Auf einmal strahlten seine Augen.

,, Nein, ungefähr zwanzig Minuten... Heute nachmittag hörte ich in Paris die Uebertragung des Länderspiels durch Rundfunt. Als das Spiel zu Ende war, hatte ich solche Sehn sucht nach dir... na, und da bin ich einfach ausgerissen. Mit einem Flugzeug. Vater weiß nichts davon, deshalb muß ich auch gleich wieder zurüd."

,, Marlies, du...? Bist du es wirklich?!" rief er über­rascht vor Freude.

,, Du willst gleich wieder fort, Marlies?" fragte der Mittel­stürmer ein wenig erschrocken und versuchte, sie umzustimmen. ,, Nur ein paar Stunden, Marlies. Ich nehme den nächsten Zug."

Es fiel ihr schwer, seine Bitten zu widerstehen. ,, Nein, Theo," entgegnete sie endlich tapfer und bestimmt, ,, es ist unmöglich. Das Flugzeug wartet. Ich muß gleich wieder nach Paris zurüd."

Als sie sah, wie zwischen seinen Brauen eine trotzige Falte stand, fuhr sie begütigend fort: Ich freue mich ja so, Theo, daß wir uns einmal wiedergesehen haben... Du hast übrigens heute nachmittag famos gespielt."

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,, Na, so berühmt war das nun gerade nicht, Marlies," ents gegnete der Mittelstürmer, rasch versöhnt. Jr. der zweiten Halbzeit klappte es allerdings etwas besser. Heute abend haben wir den Sieg ein wenig gefeiert. Aber ich hatte solche Unruhe und drängte immer wieder zum Aufbruch. Das ist doch beinahe, als wenn ich es geahnt hätte, daß du hier auf mich wartetest." ,, Gedankenübertragung," versuchte Marieliese zu scherzen. ,, Ja... Wann sehen wir uns nun wieder, Marlies?" пеце Adresse ,, Voraussichtlich im Mai, Theo. Meine

schreibe ich dir gleich."

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Er nickte und streichelte zärtlich ihre Hand; Marieliese fühlte sich unter dieser leisen Berührung beschützt und beheimatet. Die Wagentüren wurden zugeworfen. ,, Einsteigen! Platz nehmen!"

Der Mittelstürmer lehnte aus dem Fenster. Langsam setzte

sich der Zug in Bewegung.

,, Auf Wiedersehen, Marlies. Gute Reise!"

,, Auf Wiedersehen, Theo!" wiederholte sie leise und lauschte Ein letzter Gruß... ihrer Stimme, die fremd klang.

Auch Theos Kameraden waren ans Fenster getreten und winkten und sangen:

Vater, Mutter, sahn mir traurig, und die Liebste sah mir nach,

und die Liebste sah mir nach..."

Fast wären ihr die Tränen gekommen, aber sie bezwang sich

und verließ mit Henry langsam den Bahnsteig.

( Fortsetzung folgt.)

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