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Samstag, den 16. Januar 1932.

* Lichtspielhaus. Ein äußerst interessanter und spannender Hochgebirgs- Tonfilm Berge in Flammen", der den helden­haften Kampf der österreichischen Kaiserjäger gegen die Italie­ner in den Dolomiten zeigt, läuft zurzeit in dem Lichtspiel­theater in der Bahnhofstraße.

Wie schmeckt die Milch am besten?

Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Milch vortrefflich mundet und am zuträglichsten ist, wenn sie in ganz kleinen Schlucken genossen wird. Schon der berühmte Pfarrer Sebastian Kneipp in Wörishofen empfahl seinen Patienten, die Milch löffelweise zu genießen, denn damals gab es noch keine Stroh­halme. Das langsame Trinken der Milch bezweckt, daß die durch die Einwirkung des Magensaftes herbeigeführte Ge­rinnung möglichst feinkörnig eintritt. Die hierbei gebildeten mehr oder minder großen Flocken können vom Magensaft gut durchsetzt und leicht verdaut werden.

Viele kleine Kinder, die die Milch bisher sehr gern aus der Flasche getrunken haben, lehnen die Milch von dem Augen­blid ab, da sie ihnen aus der Tasse gereicht wird. Die Kinder fühlen instinktiv, daß hastig genossene Milch nicht mehr so gut schmeckt wie vorher. Darum empfiehlt es sich, Kindern, wenn man sie des Alters wegen der Flasche entwöhnen will, die Milch durch den Strohhalm trinken zu lassen.

Aus Nah und Fern.

Freiwillige Leistungen des Bezirksfürsorgeverbandes.

Zum Haushaltsausgleich des Kreises Giesen hat der Kreis­direktor auf Grund des§ 2 der Verordnung des Hess. Ge= samtministeriums zur Sicherung der Haushalte von Gemein­den, Gemeindeverbänden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts vom 25. September 1931 die Bestimmungen des§ 4 der Kreissagung, die Durchführung der Reichsverord­nung über die Fürsorgepflicht vom 13. Februar 1924 betreffend, wonach der Bezirksfürsorgeverband die Hälfte der von den Ge­meinden für hilfsbedürftige Geistesfranke, Schwachsinnige, Blinde, Taubstumme, Krüppel, Epileptische und für Wochen­fürsorge endgültig aufzuwendenden Pflegekosten übernimmt, mit Wirkung vom 1. Januar 1932 aufgehoben.

An Stelle der generellen Regelung wird künftig der Kreis­ausschuß des Kreises Gießen von Fall zu Fall entscheiden, in welchem Verhältnis sich der Kreis Gießen an den in den einzel­nen Gemeinden erwachsenden Kosten für Geistestranke usw. beteiligt.

Nidda. Hier sollen in diesem Winter drei Kirchen vor­stehertagungen stattfinden.

Bilbel. Der Pächter der Sportquelle" wurde wegen Hinterziehung der Mineralwassersteuer zu 91 000 Mark Strafe und 79 200 Mark Wertersatz verurteilt.

Raubmord in Offenbach.

Offenbach. In dem Hause Ludwigstraße 123 wurde die 53jährige pensionierte Postbeamtin Anna Kreuzer ermordet aufgefunden. Die Tat muß schon vor einigen Tagen began­gen worden sei, denn die Leiche war bereits stark in Ver­wesung übergegangen. Die Tote war an Händen und Füßen gefesselt. Außerdem hatte sie einen Knebel im Munde. Zwei­fellos liegt Raubmord vor. Von dem Mörder fehlt noch jede Spur.

Die Landbürgermeister protestieren gegen den hessischen Innenminister.

Darmstadt. Hier fand gestern nachmittag eine Versamm­lung hessischer Landbürgermeister statt, die sich mit der vom Innenminister verfügten Besoldungsfestsetzung der Landbürger­meister befaßte. Die Versammlung beschloß in einer sehr deut­lichen Entschließung Stellung gegen den Innenminister zu nehmen und am 25. Januar eine große Protestversammlung sämtlicher Landbürgermeister abzuhalten.

Erbach. Unterschlagungen beim Finanzamt. Festgenommen wurde ein etwa 38 Jahre alter untereinnehmer der hiesigen Hilfsstelle des Finanzamtes Michelstadt wegen umfangreicher Unterschlagungen, die er seit einiger Zeit in Ge­meinschaft mit anderen begangen haben soll. Der Fehlbetrag wird auf etwa 10 000 Marf geschätzt, doch sind die Ermitte­lungen noch im Gange.

Wißmar( Kreis Wetzlar). Hier sollte eine Versammlung der Nationalsozialisten stattfinden, doch kam es noch vor Be­ginn der Versammlung zu einer schweren Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Die von auswärts zu der Versammlung kommenden Nationalsozialisten wurden am Ortseingang von Wißmar von den Kommunisten überfallen und angegriffen. Bei der sich nun entwickelnden Schlägerei wurden mit Lattenzäunen, Knüppeln und Pflastersteinen auf einander eingeschlagen.

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Turnen und Sport.

Fußballsfandal in Gießen.

In Gießen waren für gestern zwei Spiele angesagt: ein Verbandsspiel des VfB. gegen die Fuldaer Germanen, um 2,30 Uhr, und ein Gesellschaftsspiel der Spiel- Vereinigung 1900 gegen den VfB. Friedberg, um 2 Uhr mittags.

Um 2 Uhr hatten sich ca. 300 Zuschauer auf dem Platz der Spielvereinigung 1900 eingefunden. Als nach ½stündlichem Warten der Gegner immer noch nicht erschien, verließen die Zu­schauer protestierend den Plah, um sich zum größten Teil das andere, das Verbandsspiel auf dem VfB.- Platz anzusehen. Vor­stand und Spielausschuß der Spielvereinigung 1900 aber setzten sich sofort mit dem VfB. Friedberg in Verbindung. Von dort tam die Antwort, daß um 11,30 Uhr vormittags, furz vor Abgang des Zuges nach Gießen, von dort tephonisch mitgeteilt wäre, die Friedberger brauchten nicht zu kommen, das Gesell­schaftsspiel sei vom Verband abgesetzt, da zu gleicher Zeit am Plaze ein Verbandsspiel stattfinde.

Die Friedberger hatten sich nichts Böses dabei gedacht und waren zu Hause geblieben. Die Spielvereinigung 1900 Gießen forschte sofort nach dem Apparat, von dem aus um 11,30 Uhr nach Friedberg gesprochen worden war. Es war vom Warte­saal 1. und 2. Klasse des Gießener Bahnhof. Sofortige Re­cherchen ergaben alle erforderlichen Anhaltspunkte, um den mut­maßlichen Täter festzustellen. Die Kriminalpolizei wird, wäh= rend diese Zeilen geschrieben werden, dabei sein, die Zusammen­hänge dieser mehr wie dunklen Affäre aufzudecken.

Zur Sache noch: Es ist natürlich ein Unding, weil ein Ortsverein ein Verbandsspiel austrägt, dem zweiten Ortsverein jegliche sportliche Tätigkeit am Playe also auch ein Gesell­schaftsspiel verbandsseitig zu untersagen. Keine Verbands­instanz wird auf solch eine Idee kommen und ist es auch nicht, wie wir hören. Auf alle Fälle dürfte dem Täter und seinen eventuellen Hintermännern nicht nur verbandsseitig, sondern auch straf- und zivilrechtlich aller Hand am Zeuge zu fliden sein.

Länderspiele des D. F. B.

Für das kommende Jahr hat der DFB. folgende Länder­spiele abgeschlossen und die Termine festgelegt:

6. März gegen die Schweiz in Leipzig;

1. Juli gegen Finnland in Helsingfors; 25. September gegen Schweden in Nürnberg; 30. Oftober gegen Ungarn in Budapest.

Für 1933 sind bisher Länderspiele gegen Italien am 1. Januar in Italien und gegen Frankreich am 5. März in Deutschland vorgesehen.

Frankfurt a. M. In Großfrankfurt entfallen auf 1000 Einwohner nach dem Stand vom 15. 11. 1931 110 Arbeitslose.

Groß- Auheim b. Hanau. Der Männerchor Harmonie" veranstaltet am 2., 3. und 4. Juli 1932 anläßlich seines 60jähri­gen Vereinsjubiläums einen nationalen Gesangswettstreit. Der Delegiertentag findet am 21. Februar statt.

Kassel. Bei dichtem Nebel fuhr ein Tierarzt aus Nieder­marsberg mit seinem Auto nachts gegen 24 Uhr in eine Gruppe junger Leute, die aus einer Versammlung famen. Durch das plötzliche scharfe Bremsen überschlug sich das Auto, wobei ein 20jähriger Praktikant aus Obermarsberg lebensgefährlich ver­letzt und dem Krankenhaus zugeführt werden mußte. Der Arzt erlitt gleichfalls Verletzungen.

Die Falschmünzerwerkstatt des Rechtswissenschaftlers.

Der Falschgeldzentrale in der Berliner Kriminalpolizei ist ein sensationeller Fang geglückt, und zwar konnte der bekannte Rechtswissenschaftler, der 42 Jahre alte Dr. Cornell Salaban, der sich als Autor mehrerer juristischer Bücher, vor allem aber als Herausgeber des Handbuches für internationales Recht in wissenschaftlichen Keisen einen Namen gemacht hatte, und dessen 33jährige Ehefrau als Falschmünzer entlarot und festgenom­men werden. Salaban hat bereits seit dem Jahre 1929 falsche Zweimarkstücke hergestellt und zusammen mit seiner Frau auf den Berliner Wochenmärkten umgesetzt. Insgesamt sind von den beiden bisher mehr als 30 000 dieser raffiniert hergestellten Falschgeldstücke in den Verkehr gebracht bzw. als Fälschungen angehalten worden.

Bergwertunglüd.

Hindenburg. Auf dem Hermannschacht der Königin- Luise­Grube Ostfeld ereignete sich ein schweres Unglüd. Zwei Berg­leute wurden durch giftige Gase getötet; sieben erkrankten so schwer, daß sie in das Knappschaftslazarett eingeliefert werden mußten.

Einer der ältesten Kriegsfreiwilligen des Weltkrieges

gestorben.

Wevelinghoven( Bez. Düsseldorf). In Wevelinghoven starb der 88 Jahre alte Gustav Kottmann. Der Verstorbene war einer der ältesten Kriegsfreiwilligen des Weltkrieges. Er trat bei Beginn des Weltkrieges als 71jähriger Kriegs­freiwilliger wieder in den Garnisondienst, nachdem er bereits Mit den Feldzug von 1866 und 1870/71 mitgemacht hatte. einer Kompagnie des Landwehrinfanterieregiments Nr. 39, die sein Sohn als Leutnant führte, zog er in den Weltkrieg. Er stand lange Zeit, seinem Wunsche gemäß, in vorderster Front.

| Sommerspielsperre.

Nr. 2.

Die auf dem letzten Bundestag für das ganze Bundes­gebiet beschlossene Sommerspielsperre beginnt am 3. Juli und endet mit dem 30. Juli nächsten Jahres.

Mittel zur Betreuung erwerbsloser Jugendlicher

Nachdem der Deutsche Fußball- Bund seinen Landesverbän­den bereits im Oftober 20 000.- Reichsmark für ihre Arbeit in der Fürsorge für erwerbslose Mitglieder zur Verfügung stellte, hat der Bundesvorstand auf Vorschlag des Bundesju­gendausschusses neuerdings beschlossen, weitere 11 500.- Rmt. an die Landesverbände zu geben. Mit diesem Betrag soll die Durchführung solcher Kurse ermöglicht werden, in denen er­werbslose Jugendliche aus älteren Jahrgängen zu Füh rern von Jugendabteilungen bezw.-gruppen herangebildet werden sollen.

Fußballkampf Oesterreich- England in der Schweiz?

Der unerwartet hohe Sieg Englands im Fußball- Länder­fampf über die Vertreter Spaniens hat in Schweizer Sport­treisen einen sensationellen, nichtsdestoweniger aber durchaus ernsthaften Plan entstehen lassen. Man will einen Fußball­Länderkampf zwischen Desterreich, der fraglos zurzeit stärksten Fußball- Nation des Kontinents, und England auf neutralem Schweizer Boden zustande bringen.

Dieser Plan hat schon etwas für sich, wenn man bedenkt, welchen Erfolg das erste Mitropacup-- Endspiel zwischen Vienna­Wien und dem Wiener A. C. in Zürich zu verzeichnen hatte. Die Kosten des geplanten Länderspiels sind natürlich enorm hoch, man rechnet auf rund 3000 englische Pfund, das wären etwa 50 000 Schweizer Franken. Es hat sich bereits ein Schweizer Sportmäzen gefunden, der bereit ist, einen etwaigen Ausfall zu decken. In Wien sieht man der weiteren Gestaltung des Pro­jetts mit größter Spannung entgegen.

Fußball- Torstangen sollen geändert werden

Sonst hat der DFB teine Sorgen.

Wie bekannt wird, hat der DFB einen Vorschlag des Schiedsrichter. Bohn- Mannheim genehmigt, nach dem der rechtedige Torbalken jo geändert werden soll, daß er( im Durch= schnitt) Trapezform erhält. Damit wird erreicht, daß Schüsse an die Innen- oder Außenkante des Tores im gleichen Ausfall­winkel zurüdgehen, wie sie einfallen, so daß ein Schuß an die Innenkante stets ins Tor, ein Schuß an die Außenkante ins Aus prallen würde. Nach Auffassung von Dr. Bauwens würde für diese Aenderung keine Regeländerung erforderlich sein. Beneidenswerter Deutscher Fullball- Bund, der im Augen­blid innerer und äußerer Krise teine anderen Sorgen hat.

Neue Bücher.

75 Jahre Deutsche Landwirtschafts- Zeitung. Die bekannte Deutsche Landwirtschafts- Zeitung sieht im Jahre 1932 auf ihr 75jähriges Bestehen zurüd. Im Laufe dieser siebeneinhalbó Jahrzehnte war die DL3 Hunderttausenden deutscher Land­wirte ein ständiger und unentbehrlicher Berater. Alle führenden Fachleute gehörten zu ihren Mitarbeitern. Und selbst bis in die schwersten Jahre der deutschen Landwirtschaft hinein ist die DL3 dem deutschen Landwirt der wertvolle fachliche Ratgeber geblieben.

Ala Zeitungs- Katalog 1932. Die 57 Ausgabe des Zeitungs­kataloges der Ala Anzeigen- Aktiengesellschaft für das Jahr 1932 ist erschienen. In der neuen Ausgabe haben in gewohnter sorgfältiger und sachkundiger Bearbeitung die während des vergangenen Jahres zahlreich erfolgten Neuerscheinungen. Ab­gänge und Veränderungen auf dem Gebiete des Zeitungswesens des In- und Auslandes Berüdsichtigung gefunden. Das in neuem, geschmadvollem Gewande erschienene und trotz des reich­haltigen Inhalts handliche Werk ist ein zuverlässiges und un­entbehrliches Hilfsmittel für jeden Interessenten.

Elektrizität erleichtert das Leben. Das merken wir jeden Tag, das merken wir stündlich: beim Licht, in der Küche, im Frisiersalon usw. Wir leben ja im Zeitalter der Elektrizität. Die wenigsten Menschen aber kennen alle die auf dem Gebiete der Elektrizitätsverwertung schon vorhandenen Dinge, die das Leben jedes Einzelnen erleichtern. Jetzt gibt es dafür ein Nachschlagewerk. Es heißt Der Zeitgeist" und erscheint in 14 monatlichen Teillieferungen. Unsere Leser können ihn beim hiesigen Elektrizitätswerk der Stadt Gießen erhalten oder durch die Vereinigung der Elektrizitätswerke e. V., Berlin W 62, Maaßenstraße 9. Preis des Einzelheftes 40 Pfg. Afrika von heute. Wie die Eingeborenen heute leben, be­richtet Leo Frobenius an Hand schöner Aufnahmen in der neuen ,, Woche".

Was Paris für die Mode der Frauen ist, ist London für den Anzug des Herrn. Man wird sich nun denken, daß die Schöpfer dieser berühmten Herrenmode in prächtigen Palästen wohnen. Aber das Gegenteil ist der Fall, in einer bescheidenen Straße, in kleinen Lädchen hausen die berühmtesten Schneider und Hutmacher der Welt. Ueber dieses Thema bringt die neueste Nummer der Münchner Illustrierten Presse"( N. 3) einen Bilderaufsatz.

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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